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22. Januar 2019, 12:44 Uhr

Geleakte Daten von Politikern und Prominenten

Spuren führen in die rechte Internetszene

Johannes S. soll etwa tausend Politiker und Prominente im Netz bloßgestellt haben. Der Schüler sagt, er habe aus Ärger über die Betreffenden gehandelt. Doch SPIEGEL-Recherchen zeigen, dass hinter dem Daten-Leak mehr stecken könnte.

Es dauerte nur wenige Tage, da konnte das Bundeskriminalamt einen mutmaßlichen Täter präsentieren: Johannes S., ein 20-jähriger Schüler aus Hessen, steht im Verdacht, im Dezember etwa tausend Politiker und Prominente im Internet bloßgestellt zu haben. Er veröffentlichte demnach Handynummern und Privatadressen, zum Teil auch intime Chats, E-Mails, Fotos, Passkopien und Bankkontodaten. Doxing nennt sich dieses Vorgehen.

Die Ermittler vermochten in ersten Einschätzungen "kein dominantes politisches Motiv" hinter dem Treiben desjenigen zu erkennen, der sich im Netz "0rbit" und "G0d" nannte und aus seinem Jugendzimmer heraus zugeschlagen haben soll. Doch SPIEGEL-Recherchen zeigen, dass die Tat politischer gewesen sein könnte, als zunächst vermutet wurde. Zu ähnlichen Erkenntnissen ist auch die "Badische Zeitung" gekommen.

Johannes S. bewegte sich, dafür sprechen viele Indizien, in einer rechten bis rechtsextremen Subkultur im Netz. Einflussreiche YouTuber prägen dort mit menschenverachtenden Propagandavideos das Weltbild junger Menschen.

Einer dieser Kanäle ist "Die Vulgäre Analyse". Die dort hochgeladenen Videos zeigen zum Beispiel, wie ein Koran verbrannt und darauf Schweinefleisch gegrillt oder wie auf ihn uriniert wird. "Die Vulgäre Analyse" lieferte womöglich dem Hacker Johannes S. die Vorlagen, mit denen er dann selbst islamfeindliche Propaganda im Netz verbreitete. Unter dem Namen "r00taccess", der seinem Account zugeschrieben wird, teilte S. etwa mit: "islam ist dreck".

Auffällig ist außerdem, dass "Die Vulgäre Analyse" gegen viele Persönlichkeiten aufwiegelte, deren Daten Johannes S. später ins Netz stellte. Auch die Methode, politisch Andersdenkende "in die Öffentlichkeit zu zerren und zu demütigen - vor aller Welt", propagierte "Die Vulgäre Analyse". Genau das hat Johannes S. nach Erkenntnissen der Ermittler später in die Tat umgesetzt. Andere YouTuber berichten zudem, S. habe sich vor allem von der "Vulgären Analyse" beeinflussen lassen.

Nach SPIEGEL-Informationen steckt hinter dem Hetzkanal offenbar ein junger Musiker aus Nordrhein-Westfalen, gegen den in der Vergangenheit bereits wegen Beleidigung und Körperverletzung ermittelt wurde.

Auch wenn die Fahnder nach wie vor keine Mittäter von Johannes S. ausmachen können, muss man die Frage stellen, ob es Ideengeber gab oder Hetzer, Mentoren im Hintergrund. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart und der Staatsschutz ermitteln inzwischen wegen der "Vulgären Analyse", es geht unter anderem um Volksverhetzung. Auch der Verfassungsschutz ist auf die Videos aufmerksam geworden.

red

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