Cambridge Analytica Mehr als 300.000 Deutsche von Datenskandal bei Facebook betroffen?

Hunderttausende Deutsche könnten vom Datenskandal bei Facebook betroffen sein - deutlich mehr als bislang angenommen. Denn die Firma Cambridge Analytica griff auch Daten aus der Freundesliste ab.
Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Foto: Stephen Lam/ REUTERS

Von dem Facebook-Datenskandal um Cambridge Analytica könnten rund 310.000 Nutzer aus Deutschland betroffen sein. Der Datenskandal könnte damit noch deutlich größer sein als bisher angenommen.

Bei dem Datenskandal hatte der Entwickler einer Umfrage-App Informationen von Nutzern an die Analysefirma Cambridge Analytica weitergereicht, die unter anderem für das Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump gearbeitet hatte. An der Umfrage hätten sich zwar lediglich 65 Nutzer aus Deutschland beteiligt, wie Facebook auf Anfrage mitteilte. Es ging dabei aber nicht nur um die Daten der Umfrage-Teilnehmer, sondern auch um die ihrer Facebook-Freunde. Über die Umfrage wurden auch Informationen von Freunden erfasst, so dass insgesamt bis zu 310.000 Facebook-Mitglieder aus Deutschland betroffen sein könnten.

Der Datenmissbrauch soll den aktualisierten Angaben zufolge vor allem Nutzer in den USA betreffen: Dort sieht Facebook potenziell 70,6 Millionen Betroffene. Auf Platz zwei folgen mit weitem Abstand die Philippinen mit nahezu 1,2 Millionen. In Großbritannien könnten es fast 1,1 Millionen sein.

Weltweit seien Informationen von möglicherweise bis zu 87 Millionen Mitgliedern unrechtmäßig zu der Analyse-Firma gelangt, teilte das Onlinenetzwerk mit. Zuvor war in Medienberichten stets von insgesamt rund 50 Millionen betroffenen Nutzern die Rede.

Cambridge Analytica bestreitet die von Facebook errechnete Zahl von 87 Millionen: In einer Stellungnahme  schreibt die Firma, sie habe Daten von "nicht mehr als 30 Millionen Menschen" erhalten. Diese Daten habe man nicht im US-Wahlkampf von 2016 eingesetzt. Die Firma half der Trump-Kampagne damals unter anderem, gezielt Werbung bei Facebook zu platzieren, die seine Anhänger mobilisieren und die Befürworter der Gegenkandidatin Hillary Clinton entmutigen sollte.

Facebook-Chef räumt Fehler ein

Facebook wusste seit 2015 von dem Datenmissbrauch, gab sich aber mit der Zusicherung der Firma zufrieden, dass die Daten gelöscht worden seien. Die Nutzer wurden damals nicht informiert, was Facebook inzwischen als Fehler bezeichnet und nachholen will. Facebook-Gründer und -Chef Mark Zuckerberg betonte, dass die Software-Schnittstellen, die einer Umfrage-App einen so breiten Zugriff auf Nutzerdaten überhaupt möglich machten, bereits 2014 dichtgemacht worden seien.

Zuckerberg zeigte sich in einer rund einstündigen Telefonkonferenz mit Journalisten erneut selbstkritisch. Facebook habe nicht genug unternommen, um seine Nutzer zu schützen, bekräftigte er. "Das war unser Fehler, das war mein Fehler." Zuvor hatte Facebook weitere Einschränkungen für den Zugang von App-Entwicklern zu Nutzerdaten angekündigt . Dazu gehören etwa der Zugang zu Terminen und Informationen über Anrufe auf Smartphones.

Notbremsung bei hoch problematischer Suchfunktion

Zusätzlich hat Facebook bekannt gegeben, eine problematische Suchfunktion zu deaktivieren . Eigentlich sollte die Suche es Facebook-Nutzern erleichtern, Freunde zu finden. Wer im Suchfeld bisher eine Telefonnummer oder eine E-Mailadresse eingegeben hat, konnte so herausfinden, welcher Person diese zuzuordnen ist.

Doch Facebook hatte bislang nicht dafür gesorgt, Missbrauch dieser Matching-Idee zu verhindern: In der Folge wurde die Suche offenbar auch von Firmen dazu ausgenutzt, Kundenprofile zu erstellen und zu vervollständigen. Beispielsweise könnten Firmen versucht haben, herauszufinden, welche konkrete Person sich unter Angabe der E-Mail-Adresse für einen Newsletter angemeldet hat. Laut Facebook seien in der Vergangenheit nahezu alle 2,2 Milliarden Nutzer mit Hilfe dieses Such-Mechanismus' schon einmal durchleuchtet worden von Dritten.

Zuckerberg will Facebook-Chef bleiben

Zuckerberg räumte auch ein, es sei falsch gewesen, unmittelbar nach der US-Präsidentenwahl im November 2016 den möglichen Einfluss gefälschter Nachrichten bei Facebook auf den Wahlausgang herunterzuspielen. Er hatte erklärt, die Vorstellung sei "verrückt". Jetzt bezeichnete er seine damalige Äußerung als leichtfertig.

Zuckerberg betonte zugleich, er glaube auch nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen und Monate, dass er die richtige Person für die Facebook-Spitze sei. Es gehe darum, aus den Fehlern zu lernen, die unweigerlich passierten.

Die Kritik im Datenskandal und die Aufrufe, Facebook nicht mehr zu nutzen, hätten die Nutzung des Onlinenetzwerks kaum gebremst, sagte Zuckerberg. "Ich glaube nicht, dass es einen bedeutenden Effekt gab."

Update: Wir haben diesen Artikel um 11 Uhr um weitere Details ergänzt.

hej/juh/dpa-AFX
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