Debatte Blutdurst - Ego-Shooter zwischen Sport und Killertraining

Kein Genre unter den PC- und Konsolen-Spielen ist so umstritten wie das der gewalttätigen Shooter-Spiele. Gegner und Fans vertreten ihre Standpunkte gleichermaßen vehement und unversöhnlich.

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[M] id Software

Mit kaum einem Thema kann man sich als Redakteur derart in die Nesseln setzen wie mit Artikeln über gewalthaltige Spiele. Jede Veröffentlichung setzt eine Lawine von Protest-Briefen in Gang: Sei es, dass Gegner fehlende kritische Distanz bemängeln; sei es, dass Fans sich über Diffamierung und Rufmord beschweren.

Die Autoren solcher Artikel müssen zuweilen mit wüstesten Beschimpfungen leben - bis hin zur Androhung tätlicher Gewalt. Frei nach dem Motto, laut und brüllend vorgebracht: "Ego-Shooter machen aggressiv? ICH BIN NICHT AGGRESSIV!"

Doch Ironie beiseite:

Das Thema "Ego-Shooter" verdient es, dass man sich damit sachlich auseinander setzt.

  • Wo liegt die Faszination solcher Spiele?
  • Wirken sie suchtbildend?
  • Warum sind es vor allem Männer, die sich damit befassen?
  • Ist Ego-Shooting "Sport", wie viele Fans sagen, oder ein Training für Psychopathen, wie Gegner behaupten?
  • Setzen sich die Spieler einer Gefahr aus?
  • Sind die Spieler eine potenzielle Gefahr?
  • Oder ist das alles doch ganz harmlos, der Ego-Shooter der moderne Ersatz für den Thrill der Jagd, die mit ihm verbundene Faszination das kleine bisschen Steinzeit, dass in uns allen noch immer schlummert?

Fragen, denen wir in den nächsten Wochen eine ganze Reihe von Artikeln widmen wollen. All diese Beiträge wollen nicht mehr, als Facetten des Themas aufzeigen. Darunter wird es Beiträge von Fans und Gegnern geben, Futter für die Kritik der jeweiligen Gegenseite. Eine Debatte soll sich daraus ergeben, die wir im Forum führen wollen. Hart, aber fair.





Debatte: Ego-Shooter, Für und Wider

"Hitman": Veröffentlichungen über das kontroverse Spiel führten Anfang des Jahres zu einer hitzigen Debatte

"Hitman": Veröffentlichungen über das kontroverse Spiel führten Anfang des Jahres zu einer hitzigen Debatte

Zwei Beiträge verursachten im letzten halben Jahr eine der größten Mail-Fluten, die SPIEGEL ONLINE bisher erlebte: "Der Mord ist Ziel des Spiels" von Arndt Tietzel und "Die Sucht nach Blut", ein Beitrag von Frederik Wiesen zum Leserwettbewerb "Mein digitaler Alltag".

Beide Beiträge "ernteten" Hunderte von Zuschriften, in denen die Autoren zum Teil wüst beschimpft wurden. In verschiedenen Gaming-Foren wurde zu Protestmail-Aktionen gegen SPIEGEL ONLINE aufgerufen, und insbesondere Frederik Wiesen wurde zum Ziel heftiger Attacken.

Dass sein Artikel der Beitrag eines Lesers zu einem Wettbewerb war; dass Wiesen selbst Gamer ist und seinen Text eher als satirische Überspitzung gängiger Vorurteile verstand, das war vielen zwar bekannt - wurde aber geflissentlich ignoriert.

Viele der Zuschriften waren voller Hass

Für Gegner der Ego-Shooting-Szene wäre allein das schon ein Indiz dafür, dass die Beschäftigung mit solchen Spielen tatsächlich aggressiv, wenn nicht sogar krank macht.

Nein, verteidigen Shooting-Fans ihr Hobby und ihre heftigen Reaktionen: Wir haben einfach genug von dieser Rufmordkampagne. Genug davon, in der Öffentlichkeit immer wieder als Psychopathen, als kranke potenzielle Killer dargestellt zu werden.

Dabei könnte man das Thema auch ganz anders angehen.

Michael Schmitz schildert in seinem Beitrag zum "Digitalen Alltag", wie er das Spielen einer Szene des Ego-Shooters "Counter-Strike" erlebt. Auch er ballert, was das Zeug hält - wie Frederick Wiesen. Doch er liefert die Rechtfertigung gleich mit: Das alles ist Fun, ein Spiel. Er selbst, versichert Schmitz, sei völlig normal: "Computerspiele wie dieses machen nicht gewalttätig und asozial" , schreibt er, "wer dies glaubt hat leider ein Realitätsdefizit."

Und weiter: "Warum sollte mich ein Spiel dazu bringen Leute umzulegen? Das ist NUR ein Spiel, ich schieße nur auf Bits und Bytes, außerdem habe ich nach einer Runde 'Mensch ärgere dich' auch nicht das Verlangen, jemand anderen wegzuschubsen, oder?"

Also alles ganz normal?

Auch Richard Löwenstein traf sich mit völlig normalen Menschen, mit professionellen Spiele-Entwicklern, und er sprach mit ihnen über ein entstehendes Produkt. In einer Art und Weise, wie sie in der Gamer-Presse Gang und Gäbe ist. Ganz locker, ganz normal. Doch wird das dem Thema gerecht? Braucht die Beschäftigung mit dem kontroversen Thema nicht immer auch den "moralischen Zeigefinger"? Oder täte es uns allen gut, die Sache etwas relaxter anzugehen?

Die Debatte ist eröffnet, offen für alle Standpunkte. Und ganz wie im Spiele-Markt soll auch hier gelten: Fortsetzung folgt...



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