Mit diesem Bild erklärt eine Frau, wie sich eine Depression anfühlt

Und findet dabei genau die richtigen Worte.

Dieser Beitrag wurde am 15.07.2018 auf bento.de veröffentlicht.

Wer eine Depression hat, hat sonst nicht mehr viel. Die Krankheit legt sich über alles, bestimmt jeden Gedanken, jedes Gefühl, jede Sinneswahrnehmung.

Doch während die Betroffenen die Depression mit jeder Faser ihres Körpers spüren, ist es für Außenstehende oftmals nicht so leicht, nachzuempfinden, wie sich das anfühlt.

Ein Ringen mit einer Depression ist deshalb oft auch ein Ringen um die richtigen Worte – Worte, die das begreifbar machen, was man gerade durchmacht.

Brittany Ernsberger, einer Frau aus den USA, ist es nun mit einem einfachen Facebook-Post gelungen, eben diese Worte zu finden. Sie veröffentlichte ein Bild, ein alltägliches, beim ersten Hinsehen belangloses Foto aus ihrer Küche.

Doch zusammen mit dem Text, den sie dazu schreibt, ergibt es eine sehr ehrliche Beschreibung ihrer Depression – die offensichtlich viele bewegt. Ihr Post wurde hunderttausendfach geteilt. Viele Menschen finden sich in dem, was Brittany schreibt, wieder.

Das hier ist das Bild:

Und das schreibt Brittany dazu:

So sieht eine Depression aus.

Nein, nicht das saubere Geschirr. 
Sondern, dass da überhaupt so viel Geschirr war. Dass ich es zwei Wochen lang nicht gespült habe.
Vor drei Tagen saß ich auf dem Küchenboden und habe sie angestarrt. Währenddessen habe ich geweint. Ich wusste, dass ich spülen musste. Ich wollte es so dringend tun. Aber meine Depression hat mich runtergezogen. Aufgesaugt, wie ein schwarzes Loch.

Jeden Morgen und jeden Abend sei sie an dem Stapel vorbei gelaufen. Habe sich gesagt, dass sie ihn abspülen werde – und es doch nicht geschafft. Und sich dann nur noch elender gefühlt.

Und dann käme noch die Angst dazu: Angst, was andere Leute denken. Angst, ihren Mann zu enttäuschen und ihre Kinder. Weil sie die einfachsten Aufgaben nicht mehr erledigen könne: Wäsche waschen, Putzen. Duschen, Anziehen, Zähne Putzen.

An manchen Tagen schaffst du es einfach nicht.

Doch Brittany beschreibt nicht nur, wie es ihr in ihren dunkelsten Momenten geht – sie hat auch tröstende Worte für alle, die sich genauso fühlen:

Eine Depression ist etwas, worüber "starke" Menschen nicht reden, weil sie nicht wollen, dass andere Menschen sie für "schwach" halten.
Du bist nicht schwach. Du bist so lange stark gewesen und hast so viel durchgemacht, dass dein Körper eine Pause braucht.
Es ist mir egal, ob das Einzige, was du heute geschafft hast, war, Deo zu benutzen. Ich bin stolz, dass du das geschafft hast. Gut gemacht! Ich bin an deiner Seite.

Auch in diesen Fotos geht es um Depressionen:

Ein Fotograf hält in seinen Bildern seine Depression fest

Und tatsächlich scheinen ihre Worte zu vielen Betroffenen durchgedrungen zu sein. Unter ihrem Post kommentieren Hunderte. "Genau so fühle ich mich", schreiben viele. Andere danken Brittany für ihre Offenheit: "Wer es nicht selbst durchgemacht hat, weiß nicht, wie es ist. Danke, dass du das geteilt hast!"

In einem Update zeigt die sich völlig überwältig von so viel Feedback. Damit habe sie niemals gerechnet, schreibt Brittany. Aber jeder, der Hilfe brauche, könne sich bei ihr melden.

Denn wir können uns nur helfen, indem wir uns gegenseitig aufhelfen.

Wenn du dich fragst, ob das, was du fühlst, noch "normal" ist:

Eine Psychologin erklärt, wie man kleine Macken von einer psychischen Störung unterscheidet