Cloud-Dienste und KI Deutsche Bank setzt bei ihrer IT-Erneuerung auf Google

Die intern einst als "lausig" geltende IT der Deutschen Bank soll modernisiert werden. Zusammen mit Google will die Bank aber auch technologiebasierte Finanzprodukte entwickeln.
Deutsche Bank in Frankfurt am Main

Deutsche Bank in Frankfurt am Main

Foto: Thomas Lohnes/ Getty Images

Die Deutsche Bank steht immer wieder in der Kritik wegen ihrer maroden IT-Systeme. Mehrfach gab es Pannen im Zahlungsverkehr oder bei internen Geldwäsche-Kontrollen. Ex-Bankchef John Cryan hatte die IT-Systeme als "lausig" bezeichnet und Ex-IT-Vorständin Kim Hammonds hatte 2018 vor Topmanagern der Bank geschimpft, das Institut sei das "dysfunktionalste Unternehmen", für das sie je gearbeitet habe. Nun soll sich alles ändern - mithilfe von Google.

Deutschlands größtes Bankhaus will mithilfe des US-Unternehmens die Erneuerung seiner IT-Systeme vorantreiben. Durch eine strategische Partnerschaft mit dem US-Technologieriesen sichere sich die Bank nicht nur den Zugang zu den Cloud-Dienstleistungen von Google, teilte die Deutsche Bank am Dienstag mit. Vielmehr wollen die Partner auch gemeinsam technologiebasierte Finanzprodukte entwickeln. Dazu hätten beide Parteien eine Absichtserklärung (Letter of Intent) unterzeichnet, die in den nächsten Monaten in einen Vertrag mit mehrjähriger Laufzeit münden soll.

Einer mit der Angelegenheit vertrauten Person zufolge erwartet die Bank, über zehn Jahre einen kumulierten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von mehr als einer Milliarde Euro aus der Partnerschaft. Zunächst werden allerdings erst einmal Investitionen fällig.

Deutsche Bank erhofft sich "Zugang zu führender Technologie"

Im Sommer 2019 hatte sich die Deutsche Bank den ehemaligen SAP-Vorstand Bernd Leukert an Bord geholt, der die IT auf Vordermann bringen soll. Er hatte nach seinem Amtsantritt angekündigt, die Komplexität der Systeme zu reduzieren und Anwendungen in die Cloud zu verlagern.

In den vergangenen Monaten verhandelte die Bank neben Google auch mit den beiden anderen großen US-Cloud-Anbietern Microsoft und Amazon über eine Partnerschaft, wie Reuters bereits im Februar berichtet hatte. Nun machte Google das Rennen. "Wir freuen uns darauf, mit einem etablierten Technologie- und Innovationsführer neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, die künstliche Intelligenz, Datenanalyse und vieles mehr nutzen", sagte Leukert am Dienstag.

Konkret erhofft sich die Deutsche Bank von der Partnerschaft mit Google Cloud "den unmittelbaren Zugang zu führender Technologie in den Bereichen Datenmanagement, künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen". Als mögliche Anwendungen nannte das Finanzinstitut unter anderem verbesserte Risikoanalysen oder fortschrittliche Sicherheitslösungen zum Schutz der Kundenkonten. Im Privatkundengeschäft wiederum würden "intuitive digitale Lösungen im Mittelpunkt stehen, die den Dialog zwischen Kunden und Mitarbeitern erheblich vereinfachen werden".

Die Partnerschaft mit Google Cloud werde der strategischen Transformation der Deutschen Bank "einen großen Schub geben", erklärte Konzernchef Christian Sewing. Die Zukunft der Deutschen Bank sei eng verbunden "mit unserem Erfolg bei der Digitalisierung". Hierbei gehe es "ebenso sehr um Erträge wie um Kosten."

pbe/Reuters/dpa
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