200 Mbit/s auf den ICE-Strecken Telekom und Bahn versprechen lückenlosen Mobilfunk in Zügen

Wer mit der Bahn reist, ärgert sich häufig über die zahlreichen Funklöcher. Bahn und Telekom wollen jetzt für eine bessere Netzqualität sorgen – aber der Ausbau wird dauern.
Im Zug mal eben eine Nachricht verschicken: Selbst einfache Anwendungen zu nutzen ist auf vielen Bahnstrecken ein frommer Wunsch

Im Zug mal eben eine Nachricht verschicken: Selbst einfache Anwendungen zu nutzen ist auf vielen Bahnstrecken ein frommer Wunsch

Foto: Weber/ Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Pressefoto

Aus dem Flickenteppich, der das Mobilfunknetz entlang deutscher Bahnstrecken mit seinen vielen nicht ausgebauten Etappen derzeit noch ist, soll ein lückenlos ausgebautes Handynetz entlang der Gleise werden. Das haben Bahn und Telekom am Mittwochmittag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz im Berliner Hauptbahnhof versprochen.

Konkret will die Telekom ihr Netz entlang der Hauptverkehrsstrecken der Bahn bis Ende 2024 so ausbauen, dass dort Datenraten von mehr als 200 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) bereitstehen. Auf diesen Strecken sind in erster Linie ICEs, aber auch ICs unterwegs. Entlang weiterer 13.800 Gleiskilometer soll ein solcher Netzausbau bis Ende 2025 abgeschlossen werden. Hierbei sollen Streckenabschnitte berücksichtigt werden, auf denen täglich mindestens 2000 Passagiere befördert werden. »Wir gucken zuerst auf die fahrgaststärkeren Strecken«, so der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Dr. Richard Lutz.

Den Rest des sich über 33.400 Gleiskilometer erstreckenden Streckennetzes der Deutschen Bahn soll ein Jahr später, also bis Ende 2026, mit einer Datenrate von mehr als 100 Mbit/s versorgt werden. Auf einigen Regionalstrecken würden Fahrgäste damit zum ersten Mal überhaupt Mobilfunkempfang im Zug haben, heißt es von der Telekom. Für alle anderen sollen die Datenraten durch den geplanten Ausbau signifikant erhöht werden.

Hunderte Millionen Euro

Die versprochenen 200 Mbit/s werden Fahrgäste aber wohl nur unter Idealbedingungen erhalten. Also etwa, wenn ein Zug nicht voll ausgelastet ist oder nicht viele Mitfahrer das Netz nutzen. Mobilfunk sei immer ein »shared medium«, also ein Medium, das sich viele teilen, erklärte Deutsche-Telekom-Chef Timotheus Höttges. Die Leistung wird also einbrechen, wenn man in einem Zug voller Videos streamender Menschen sitzt.

In das Vorhaben, für das die Telekom 800 neue Mobilfunkstandorte aufbauen und »an mehreren hundert Standorten erweitern« will, wollen Bahn und Telekom gemeinsam einen dreistelligen Millionenbetrag investieren. Zum Ausbau gehört allerdings auch ein Abbau. Um Störungen zwischen den Netzen zu verhindern, muss das alte GSM-R-Netz der Bahn (Global System for Mobile Communications – Rail), ein Mobilfunknetz speziell für den Bahnverkehr, das auch als »digitaler Zugfunk« bezeichnet wird, abgebaut werden. Die Bahn wird sich an dem Vorhaben ihrerseits vor allem mit Dienstleistungen und der Abwicklung von Genehmigungsverfahren rund um den Netzausbau beteiligen.

Nicht für alle

Von dem Netzausbau werden im ersten Schritt in erster Linie Fahrgäste profitieren, die auf Strecken der Bahn unterwegs und zugleich Telekom-Kunden sind. Mit weiteren Mobilfunkanbietern wolle man aber ebenfalls Vereinbarungen treffen, sagte Lutz. Deren Kunden sollen aber auch etwas vom Netzausbau haben, wenn sie das WLAN der Züge nutzen. Zudem sollen vermehrt Repeater eingesetzt werden, die das Mobilfunksignal in die Bahnwaggons weiterleiten.

Auf die Tausenden Streckenkilometer angesprochen, die von privaten Bahnanbietern betreiben werden und somit nicht Bestandteil der Vereinbarung von Bahn und Telekom sind, sagte Höttges: »Wir werden uns auch bemühen, die nicht von der Bahn betreuten Strecken aufzunehmen.« Der Fokus liege derzeit auf dem Fernverkehr, mit Nahverkehrsunternehmen sollen noch Gespräche geführt werden.

»Die Zukunft des Zugreisens«

»Wir sind zu spät, keine Frage«, sagte Höttges und weist auf die Schwierigkeiten hin, die solchen Projekten bisher im Weg standen, wie etwa langwierige Genehmigungsverfahren. Dem pflichtete Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bei, solche Verfahren dauerten bisher durchschnittlich 18 Monate. »Ob am Bahnhof oder im Tunnel, im ICE oder im Regionalexpress – die Zeit des ›ich hab kein Netz‹ muss ein Ende haben. Mobiles Surfen und Telefonieren müssen immer und überall möglich sein«, sagte der Minister. So sehe »die Zukunft des Zugreisens aus«.

Ein weiteres Hindernis, das einem störungsfreien Mobilfunkempfang noch im Weg steht, sind die mit einer wärmeisolierenden Metallschicht bedampften Fenster der ICE-Züge, die Funkwellen weder hinein-, noch herauslassen und die Waggons zu Faraday'schen Käfigen machen. Dieses Problem wird aber wohl erst mit der nächsten Generation deutscher Hochgeschwindigkeitszüge gelöst werden können.

mak
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