Dialekt-Übersetzer So klingt das Internet auf Sächsisch - angeblich

Dienste wie Google Translate übersetzen Text in Hunderte Sprachen und zurück. Aber was ist mit Dialekten? Auch dafür gibt es Angebote. Beim Bier-Bestellen sollte man sich aber nicht auf die Technik verlassen.
Der Web-Dienst Burble zeigt ein verändertes SPIEGEL ONLINE: Lustig, aber nicht unbedingt korrekt

Der Web-Dienst Burble zeigt ein verändertes SPIEGEL ONLINE: Lustig, aber nicht unbedingt korrekt

"Wir können alles. Außer Hochdeutsch" - dieser bekannte Werbeslogan fällt einem mitunter ein, wenn man eine bis dato unbekannte Region Deutschlands bereist. Hierzulande gibt es schließlich eine Vielzahl von Mundarten mit ganz eigenen Regeln.

Doch für überforderte Touristen scheint es eine Lösung zu geben: Online-Dienste, die deutschen Text nicht in Fremdsprachen, aber in Dialekte übersetzen. Das klappt nicht immer überzeugend, ist aber in vielen Fällen zumindest lustig.

Burble kann vier Dialekte

Am umfangreichsten kommt der Übersetzer Burble.de  daher. Offiziell noch als Betaversion ausgewiesen, bietet die Seite Übersetzungen gleich in vier verschiedene Dialekte an: Berlinerisch, Fränkisch, Sächsisch und Schwäbisch. Allerdings übersetzt Burble keine reinen Texte, die in ein Fenster eingegeben werden, sondern nur komplette Websites. Deren Adresse muss in ein Eingabefenster eingetragen werden.

Bevor die Dialektversion der gewünschte Seite ausgeliefert wird, muss erst noch ein nerviges Captcha gelöst und ein Häkchen gesetzt werden. Die Aufnahme weiterer Dialekte ist vorgesehen, Vorschläge können über das Kontaktformular eingereicht werden.

Hier einige Beispiel-Übersetzungen von Burble am Beispiel eines SPIEGEL-ONLINE-Artikels.

Per Klick ins Kölsche wechseln

Für Freunde der rheinischen Mundart gibt es Mingsprooch.de . Manuel Schulz, der Erfinder des Angebots, kommt aus Köln, seine Eltern sind aber Zugezogene. Zu seinem Bedauern hat Schulz deshalb nie gelernt, fließend Kölsch zu sprechen.

Mit diesem Hintergrund hat Schulz das Ziel, "die Kölsche Sprooch" zu verbreiten. Dabei will er auch jene Menschen erreichen, die es nicht in einen von den zahlreich nachgefragten Kölsch-Sprachkursen geschafft haben.

Die Bedienung seines Online-Dienstes ist denkbar einfach: Auf der Startseite wird der zu übersetzende Text eingegeben, dann muss der Nutzer "auf Kölsch" anklicken, fertig. Auch die Übertragung eines kölschen Textes ins Hochdeutsche ist möglich.

Die Ergebnisse sind schon recht ansehnlich, aber das Angebot hat noch Lücken. Zur Zeit verfügt die Datenbank über 10.865 Übersetzungen, also Begriffspaarungen. Die Sammlung enthält jeweils 8072 hochdeutsche und 7595 kölsche einzigartige Begriffe. Der Bestand soll weiter wachsen, Helfer können eigene Übersetzungsvorschläge einreichen .

"Hessisch babbeln koann sou oafach soi"

Speziell dem Südhessischen widmet sich Iwwersedser.de  mit dem Slogan "Hessisch babbeln koann sou oafach soi". Auf der Übersetzungsseite gibt man seinen Wunschtext ein, ein Klick auf den "Übersetzen"-Button produziert das Ergebnis im Dialekt. Zudem setzen die Macher auf eine Nutzung unterwegs, für iPad- und iPhone-Besitzergibt es eine eigene App . Texte können damit auch ohne Internetverbindung übersetzt werden. Auf Wunsch liest die Iwwersedser-App den Text auch vor.

Noch viel Verbesserungspotenzial

So überflüssig mancher Einheimische die Übersetzungshilfen finden dürfte, sie werden durchaus genutzt. So soll der Kölsch-Übersetzer Mingsprooch monatlich über 11.000 Zugriffe haben. Im Karnevalsmonat Februar sei die Zahl sogar auf 30.000 Anfragen gestiegen, heißt es.

Das Interesse am Iwwersedser, immerhin seit zehn Jahren online, ist geringer. Insgesamt soll er seit Januar 2005 gut 320.000 Übersetzungen geliefert haben.

Die Qualität der Übersetzungen können naturgemäß die jeweiligen "Muttersprachler" am besten beurteilen. Dem unvoreingenommenen Betrachter scheinen die südhessischen und kölschen Texte den tatsächlichen Mundarten am nächsten zu sein, obwohl es selbst hier Luft nach oben gibt.

Denn natürlich heißt "Ich hätte gern ein Kölsch" nicht "Ich hätte jään a Oberjärijes". Auch auf Kölsch heißt ein Kölsch schlicht Kölsch.

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