Belästigung im Netz Finnland plant Haftstrafe für Versenden von "Dick Pics"

Das unaufgeforderte Verschicken von Penisbildern und anderen expliziten Fotos soll in Finnland bald mit bis zu sechs Monaten Haft bestraft werden. In Deutschland enden Ermittlungen bisher oft ergebnislos.
Jede dritte 15- bis 25-Jährige erhielt bereits "sexuelle oder explizite Fotos oder Bilder"

Jede dritte 15- bis 25-Jährige erhielt bereits "sexuelle oder explizite Fotos oder Bilder"

Foto: Weronika Peneshko / dpa

Im finnischen Parlament soll im nächsten Jahr ein Gesetzentwurf zu sogenannten "Dick Pics", Penisbildern also, auch bekannt als "Cyber Flashing", diskutiert werden. Das sagte ein Sprecher des Justizministeriums der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag.

Die Definition von sexueller Belästigung soll demnach erweitert werden und künftig auch "verbale Belästigung, Belästigung durch Bilder oder Nachrichten, das Fotografieren von anderen oder durch Selbstentblößung" umfassen. Das Strafmaß reicht von einer Geldbuße bis hin zur Haft.

Derzeit setzt der Tatbestand der sexuellen Belästigung nach finnischem Recht Berührungen voraus. Das Verschicken unerwünschter sexueller Bilder kann unter Umständen nach dem Gesetz zur Diffamierung strafrechtlich geahndet werden, dabei wird jedoch die sexuelle Dimension vernachlässigt.

"Dick Pics" auch für deutsche Social-Media-Nutzer ein Problem

Auch in Deutschland berichten Betroffene immer wieder, dass sie mit unaufgefordert zugeschickten "Dick Pics" belästigt werden. Ermittlungen gegen die Absender würden bei Strafverfolgungsbehörden aber oft ergebnislos verlaufen.

Für die Justiz ist es häufig kaum festzustellen, wer hinter einem Social-Media-Account steckt, da die Unternehmen diese Daten nicht immer herausgeben oder weil die IP-Adresse der Absender keinem Nutzer zugeordnet werden kann.

Studien zufolge ist sexuelle Belästigung im Internet weit verbreitet. Eine Umfrage der Kinderrechtsorganisation Plan International aus diesem Jahr ergab, dass 51 Prozent der 14.000 weltweit befragten Mädchen und jungen Frauen im Internet sexuell belästigt wurden. Etwa 35 Prozent der 15- bis 25-Jährigen erhielten demnach "sexuelle oder explizite Fotos oder Bilder".

hpp/afp
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