Die Defizite der Medien-Berichterstattung: Was kann man tun?


SPIEGEL ONLINE:

Wie kann man denn nun die Defizite der Medien zusammenfassen? Was sollten die Medien im Umgang mit dem Thema "Rechts" tun?

Hundseder:Im Grunde denke ich, dass hier etwas ganz Simples gefragt ist: journalistisches Handwerk. Stattdessen meinen zu viele Kollegen, man müsse mit diesem wichtigen Thema eine schnelle Mark machen, wenn es gerade Konjunktur hat: Indem man möglichst sensationelle Bilder liefert. Was wir brauchen, ist mehr Hintergrundberichterstattung. Da gibt es so viele Themen, die jetzt einmal notwendig wären.

SPIEGEL ONLINE: Zum Beispiel?

Steckbrief: Franziska Hundseder, Buchautorin und Journalistin. Arbeitet für TV, Hörfunk, Zeitungen und Zeitschriften. 1995 Ludwig-Marum-Preisträgerin, 1996 Gustav-Heinemann-Bürgerpreis (mit Klaus Staeck). Bundesvorsitzende der Deutschen Journalistenunion, Mitglied des Deutschen Presserates, Jury des Adolf-Grimme-Preises, Hauptvorstandsmitglied der IG Medien
DROEMER / KNAUR

Steckbrief:
Franziska Hundseder, Buchautorin und Journalistin. Arbeitet für TV, Hörfunk, Zeitungen und Zeitschriften. 1995 Ludwig-Marum-Preisträgerin, 1996 Gustav-Heinemann-Bürgerpreis (mit Klaus Staeck). Bundesvorsitzende der Deutschen Journalistenunion, Mitglied des Deutschen Presserates, Jury des Adolf-Grimme-Preises, Hauptvorstandsmitglied der IG Medien

Hundseder: Wie wäre es mit Berichten über die so genannten Bildungseinrichtungen, die die NPD unterhält oder unterstützt? Oder nehmen Sie einmal die internationalen Verbindungen der Rechten, das Fortwirken auch verbotener Organisationen wie der Wiking-Jugend aus dem angrenzenden Ausland heraus. Oder, nach wie vor eine wichtige, allerdings auch schwer zu recherchierende Frage: Wo kommt denn das ganze Geld her, bitte schön? Wenn die Geldquellen nicht sprudeln würden, dann könnte man auch bestimmte aufwendige Kampagnen nicht fahren, dann hätten bestimmte Bücher nicht so enorme Auflagen, die den Holocaust als Erfindung abtun. Zahlreiche rechtsextreme Gruppierungen sind eingetragene Vereine, und viele Leute betrachten das ja als eine Art staatliches Gütesiegel und greifen tief in die Spendenkasse. Die setzten das dann von der Steuer ab, und am Ende bezahlen dann die Steuerzahler gegen ihren Willen das Wirken dieser Rechtsextremen. Das wären doch Berichte, die wir brauchen könnten, und die auch ganz aktiv etwas gegen diesen Rechtsextremismus bewirken würden.

Die Fragen stellte Frank Patalong



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