Umstrittene Auktion Diese Google-Alternativen bekommen Android-Nutzer bald vorgeschlagen

Android-Nutzer haben die Wahl: Wer sein neues Smartphone einrichtet, dem werden künftig drei Google-Konkurrenzdienste ans Herz gelegt. Die Dienste jedoch mussten sich ihren Platz erst erkaufen.

Die Gewinner stehen fest: Rund eineinhalb Jahre nach einer EU-Milliardenstrafe hat Google die Auswahl jener Suchmaschinen präsentiert, die Android-Nutzern künftig als Alternative zur hauseigenen Suchmaschine vorgeschlagen werden. Von März an durchsuchen Telefone und Tablets mit Android-Betriebssystem das Netz auf Wunsch mit bis zu drei alternativen Suchdiensten.

Am Donnerstag hat Google die Liste mit den Gewinnern  veröffentlicht, die vier Monate lang in einer Auswahlliste erscheinen werden, sobald Nutzer Android-Geräte in Betrieb nehmen. Die Auswahl unterscheidet sich von Land zu Land. Der große Gewinner ist dabei die Suchmaschine DuckDuckGo. In allen EU-Ländern steht das Portal zur Auswahl. Fast überall vertreten ist auch die Suchmaschine Info.com.

Die russische Suchmaschine Yandex schafft es in fünf Ländern auf die Liste, vor allem in Osteuropa. Das französische Suchportal Qwant setzt sich in acht Ländern durch, unter anderem in Spanien und Portugal. Bing ist der große Verlierer: Die Microsoft-Suche hat es lediglich in Großbritannien in die Liste geschafft.

Google wählte Suchmaschinen im Bieterverfahren aus

4,3 Milliarden Euro hatte der Google-Mutterkonzern Alphabet im Juli 2018 als Strafe zahlen müssen. Die Begründung der EU-Wettbewerbskommissarin: Google habe seine marktbeherrschende Stellung mit "illegalen Beschränkungen" zementiert. Der Konzern dominiert seit Jahren den Suchmaschinenmarkt und hat einen Marktanteil von weltweit rund 90 Prozent .

Google hat sich anhand einer Auktion für die nun angebotenen Suchalternativen entschieden. Die Betreiber der Portale mussten dabei angeben, wie viel es ihnen wert ist, dass ihr Dienst auf Android-Geräten zur Auswahl angeboten wird. Wer das höchste Gebot abgab, setzte sich durch. Die Höhe der Gebote hält Google geheim.

Betreiber mehrerer Suchmaschinen ärgerte das Bieterverfahren. Sie kritisierten, dass lediglich das Geld entscheide und nicht etwa Kriterien wie nachhaltige Projekte oder Anonymität beim Surfen. Unter anderem der Chef der Suchmaschine Ecosia hatte die Auktion boykottiert. Von ihm hieß es, man wolle Werbeeinnahmen lieber in die Aufforstung investieren als in das Bieterverfahren.

In Deutschland stehen Android-Nutzern beim Einrichten ihres Geräts künftig vier Suchmaschinen zur Auswahl (davon abgesehen lassen sich alle Suchdienste und Such-Apps wie bisher weiternutzen): Neben Google können sich Nutzer standardmäßig für DuckDuckGo, die GMX-Suche und Info.com entscheiden. Die Dienste sind dabei durchaus unterschiedlich.

1. DuckDuckGo

DuckDuckGo  setzt seit mehr als zehn Jahren vor allem auf die Privatsphäre der Nutzer. Mit dem Versprechen, dass Anwender nicht mit Trackern verfolgt werden, positioniert sich das Unternehmen bewusst als Gegenpol zu Suchmaschinen wie Google. Zwar wird auch bei DuckDuckGo Werbung in den Suchergebnissen angezeigt, die Anzeigen basieren laut dem Unternehmen aber nicht auf Nutzerdaten.

Vor allem die Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden im Sommer 2013 hatten der Suchmaschine einen ordentlichen Schub verpasst. Damals verdoppelte sich bei DuckDuckGo die Anzahl der Suchanfragen innerhalb weniger Wochen auf rund 60 Millionen im Monat. Im vergangenen Jahr hat das Portal nun die Milliarden-Marke geknackt und steht mittlerweile bei 1,5 Milliarden Suchanfragen pro Monat.

2. GMX-Suche

Bekannt geworden ist GMX vor allem durch sein kostenloses E-Mail-Angebot. Mit einer Suchmaske  bietet das deutsche Internetportal zudem die Möglichkeit, über das GMX-Portal nach Begriffen zu suchen. Die Suche ist offen zugänglich für alle Nutzer und lässt sich auch als Browser-Erweiterung unter anderem bei Firefox und Chrome einrichten.

Die GMX-Suche wird mit Google-Ergebnissen angereichert, spuckt aber nur einen Bruchteil der Treffer aus. Bei einer Suche nach dem Begriff "Android" etwa listet die GMX-Suche insgesamt 500 Millionen Suchergebnisse auf, während eine Suche mit Google zu acht Milliarden Treffern führt. Auch die Suche nach Nachrichten ist begrenzt und führt lediglich zu Beiträgen auf dem eigenen Newsportal.

3. Info.com

Dieses Portal ist streng genommen keine eigene Suchmaschine. Info.com  mischt vielmehr die Ergebnisse anderer Suchportale wie Google, Bing und Yahoo und stellt daraus eine Auswahl für die Nutzer zusammen.

Nach Angaben von Info.com soll es bei den Ergebnissen der großen Portale eine Überlappung von lediglich fünf Prozent geben. Da man auf einen wesentlich größeren Pool an Daten zugreife, seien die Ergebnisse wesentlich aktueller und hilfreicher als bei nur einem Anbieter, heißt es.

Wer mit dem Dienst nach Begriffen sucht, muss sich erst einmal durch eine Liste mit zahlreichen Cookies wühlen, um zu entscheiden, welche Dienstleister die Suchanfragen und Klicks mitverfolgen dürfen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.