Digital-Abos "Times" gewinnt 10.000 Online-Abonnenten im Monat

Der Zugriff auf die Website der britischen "Times" kostet seit acht Monaten Geld, nun meldet das Unternehmen: 79.000 Digital-Abonnenten hat man bisher gewonnen. Im Vergleich zu "New York Times" und "Wall Street Journal" ist das Angebot sehr billig.

Times Online: Zugang nur gegen Zahlung

Times Online: Zugang nur gegen Zahlung


Zwölf Euro im Monat. Für diesen Betrag erhält ein Digitalabonnent der britischen "Times" Zugriff auf die Website der Tageszeitung, die iPad-Ausgaben der "Times" und der "Sunday Times" und Zugriff auf spezielle Angebote für Smartphones.

Der Dumping-Preis wirkt: Ende Februar hatten "The Times" und "The Sunday Times" zusammen 79.000 Digitalabonnenten, teilt ihr Verlag News International nun mit. Anfang November hatte das Unternehmen noch gemeldet, die "Times" haben in den ersten vier Monaten (Juli bis Oktober 2010) 50.000 Digital-Abonennten gewonnen. Das Wachstum seitdem ist nicht mehr ganz so stark: 29.000 neue Digital-Abonnenten in den vier Monaten danach - umgerechnet nur 7.250 statt 12.500 neue Kunden pro Monat.

Insgesamt hat die "Times" in den vier Monaten von November bis Februar 220.000 Digital-Einkäufe abgewickelt, in den vier Monaten davor waren es nur 105.000: Das lässt sich damit erklären, dass mehr Kunden eine Tagesflatrate für das Webangebot oder eine Einzelausgabe der "Sunday Times" mit dem iPad kaufen. News International schlüsselt nicht auf, welche Abos über das iPad, Kindle und das Web geschlossen wurden - deshalb lässt sich aus den veröffentlichten Zahlen wenig über den Erfolg der Bezahlschranke für die Website ableiten.

Die "New York Times" ist teurer als die Konkurrenz

Ende März hatte die "New York Times" ebenfalls ein Digital-Abo eingeführt. Anders als bei der britischen "Times" sind dort jedoch einige Angebote kostenfrei abrufbar, zudem kann jeder Nutzer 20 Artikel im Monat kostenlos abrufen, wer über Links auf Twitter oder in einem sozialen Netzwerk auf Artikel der "New York Times" gelangt, kann den verlinkten Artikel kostenlos lesen. Einige Enthusiasten machen sich diesen Mechanismus zunutze, um das gesamte Angebot der "New York Times" über solche Links kostenlos lesbar zu machen.

Das abgestufte Modell der "New York Times" erinnert an die digitalen Bezahlangebote von "Financial Times" und "Wall Street Journal". Die "FT" öffnete zum Beispiel 2007 die Bezahlschranken ein wenig. Anhand der IP-Adresse wird festgestellt, wie oft von bestimmten Rechnern Artikel auf FT.com abgerufen werden. Einen kostenpflichtigen Artikel im Monat kann jeder Nutzer völlig kostenlos lesen, danach muss man sich registrieren, und wer mehr als zehn Texte im Monat lesen will, muss ein Online-Abo abschließen.

Paid Content: Digital-Abos im Überblick

"Times" / "Sunday Times" "Financial Times" "New York Times"
Web + Smartphone / Monat 12 Euro / 16 $ Standard: 25 Euro / 35 $
Premium**: 38 Euro *** / 53 $ *
10,60 Euro * / 15 $
Web + iPad / Monat 12 Euro / 16 $ Standard: 25 Euro / 35 $
Premium**: 38 Euro *** / 53 $ *
14,10 Euro * / 20 $
Web + iPhone + iPad / Monat 12 Euro / 16 $ Standard: 25 Euro / 35 $
Premium**: 38 Euro *** / 53 $ *
24 Euro * / 35 $
Abonennten 79.000 (28.2.2011) 206.892 (4.1.2011) keine Angaben

* Umgerechnet zum Kurs am 30.3.2010 / ** Die Premium-Ausgabe enthält zusätliche Texte wie die Lex-Kolumne / *** Die "Financial Times" bietet ähnlich wie Fluggesellschaften unterschiedlichen Kunden unterschiedliche Preise - dies ist ein uns vorliegendes Angebot

lis



insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Marshmallowmann 30.03.2011
1.
Ich finde einen Euro im Monat für eine vernünftige Zeitung, wenn man das Angebot nutzt durchaus fair so lange da gute Artikel drin stehen. Jeder Cent mehr wäre mir zu teuer, immerhin kommt noch die Smartphonerechnung dazu.
fear_less 30.03.2011
2. Kein Interesse
Zitat von MarshmallowmannIch finde einen Euro im Monat für eine vernünftige Zeitung, wenn man das Angebot nutzt durchaus fair so lange da gute Artikel drin stehen. Jeder Cent mehr wäre mir zu teuer, immerhin kommt noch die Smartphonerechnung dazu.
Ich fände einen Euro im JAHR zu viel für ein *Rupert Murdoch* Blatt. Keinen Cent von mir für den! Niemals!
albert schulz 30.03.2011
3. das liebe Geld
"Hüte dich vor Leuten, die dein Bestes wollen, mein Sohn. Es ist dein Geld." Alle Zeitungen würden gern den Internet – Reibach machen, aber das kann nicht funktionieren, solange einer ausschert, und das wird immer passieren. Ein durchsetzbarer Wert wird deutlich unter fünf Euro liegen, und der funktioniert auch nur mit Werbung. Man sollte davon ausgehen, daß sämtliche Medienunternehmen die möglichen Szenarien schon haben durchspielen lassen und die Ergebnisse exakt kennen, nämlich massive Ablehnung. Sie werden also weiter über Werbung ihre Internetauftritte zu finanzieren suchen. Die Kleinen machen das auch, aber wenn ein Deutscher fünfmal die Cookie – Aufforderung wegdrücken muß, ist das Portal für den Eimer. Oder wenn er diese farbigen Werbeprospekte ins Gesicht geschleudert bekommt wie bei den ganz seriösen Anbietern. Man braucht sich doch nur die Portale mit Goldmitgliedschaft (ca. 5€/Monat) anzusehen, egal ob XING oder stayfriends. Das zahlen nicht mal fünf Prozent, vermutlich weniger als zwei. Geiz ist geil, man will etwas haben für sein Geld. Daran werden die Zeitungen gewaltig zu leiden haben, so wie die Buchverlage seit langem leiden. Null Chance. Egal wie sehr getrommelt wird. Müll ist umsonst.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.