Intelligente Geldkarte Plastc Start-up sammelt neun Millionen Dollar - und gibt auf

Bis zuletzt haben die Kunden gehofft, dass die Universal-Geldkarte doch noch verschickt wird. Doch das Unternehmen Plastc stellt sein Projekt ein, obwohl es bereits Millionen Dollar beim Crowdfunding eingesammelt hat.
Geplante Allround-Kreditkarte Plastc

Geplante Allround-Kreditkarte Plastc

Foto: Plastc/ YouTube

Bittere Enttäuschung für alle Kunden, die auf ein Start-up gesetzt hatten: Mit einer intelligenten Geldkarte warb das Unternehmen Plastc drei Jahre lang um Käufer. Nun ist der Konzern pleite und beendet das Projekt.

Mehr als 80.000 Kunden hatten laut dem Finanzblog "Magnify Money"  eine digitale Plastc-Geldkarte bestellt, die alle übrigen Karten im Geldbeutel ersetzen sollte. Sie zahlten für jede Bestellung rund 150 Dollar - in der Hoffnung, eines Tages ein fertiges Produkt zugeschickt zu bekommen. Doch der Traum ist geplatzt.

Plastc teilt auf seiner Website mit, dass das Projekt endgültig gestorben ist . Obwohl man das Ziel knapp verfehlt habe, sei man stolz auf das Team und die Mühe, die man in die Entwicklung der Plastc-Karte gesteckt habe. "Wir sind enttäuscht und emotional verzweifelt", heißt es in einem Statement. "Und obwohl wir wissen, dass das extrem enttäuschend für euch ist, wollen wir unsere Unterstützer wissen lassen, dass wir alles dafür gegeben haben, die Plastc-Karte wahr werden zu lassen."

Zu wenig Geld für die Produktion

Plastc sollte alle anderen Plastikkarten im Geldbeutel überflüssig machen. Dafür war die versprochene Karte mit einem Chip, einem Magnetstreifen und RFID- sowie NFC-Technik ausgerüstet. Das Unternehmen versprach, dass Kreditkarten, Zugangskarten und Gutscheinkarten auf die Plastikkarte übertragen werden können.

Auf einem E-Ink-Bildschirm sollte die Unterschrift und ein Foto des Besitzers angezeigt werden, mit einer Wischbewegung sollte man die verschiedenen Karten wechseln können. Ein Bluetooth-Signal sollte eine Warnung ans Smartphone senden, wenn man seine Karte im Café vergessen hatte.

Doch das Geld hat offenbar nicht gereicht. Dabei war es sehr viel Startkapital, das der Konzern bei den Spendern gesammelt hatte. Anstatt auf Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter oder Indiegogo zu werben, startete das Unternehmen eine Kampagne auf der eigenen Website. Insgesamt neun Millionen Dollar nahm die Firma allein mit den Vorbestellungen ein. Immer wieder wurden die Kunden vertröstet. Zunächst sollten die Karten im April 2016 verschickt werden , dann verschob sich der Termin auf September. Nun ist klar, dass die Karten gar nicht ausgeliefert werden.

Für die Produktion habe man aber noch mehr Geld gebraucht, teilt das Unternehmen mit. Gleich zwei Investoren seien in diesem Jahr abgesprungen. Im Februar sei ein Deal über 3,5 Millionen Dollar geplatzt, in der vergangenen Woche habe ein Investor die angekündigten 6,75 Millionen Dollar zurückgezogen. Dieses Geld sei nötig gewesen, um die Entwicklung abzuschließen, die Karten zu produzieren und zu verschicken.

Wer eine Plastc-Karte bestellt hatte, geht leer aus. Das Geld ist weg, und keine einzige Bestellung wird versandt. Doch das wollen sich viele Kunden nicht bieten lassen. Die geprellten Käufer drohen mit einer Sammelklage gegen Plastc . Sie werfen dem Konzern vor, nie ein Interesse daran gehabt zu haben, die Karten wirklich auszuliefern.

jbr
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