Digitale Kopie GMX und Web.de verraten jetzt vorab online, was in Briefen steht

Analoge Nachrichten digital lesen, bevor sie im Briefkasten ankommen: Mit dieser Idee lockt ein neuer Service der Deutschen Post und zweier E-Mail-Anbieter. Was steckt hinter der »digitalen Kopie«?
»Briefankündigung« auf dem Handy: Bald auf Wunsch um eine »digitale Kopie« ergänzt

»Briefankündigung« auf dem Handy: Bald auf Wunsch um eine »digitale Kopie« ergänzt

Foto: 1und1

Was erwartet mich heute im Briefkasten? Diese Frage dürfte für manche Deutsche mittlerweile leichter zu beantworten sein. Seit dem Sommer 2020 gibt es eine Kooperation der Deutschen Post mit GMX und Web.de zur sogenannten »Briefankündigung«. Für diesen Digitalservice können sich Kunden der beiden E-Mail-Anbieter kostenlos registrieren: Fortan bekommen sie per E-Mail vorab Fotos der Umschläge zugeschickt, die die Post ihnen voraussichtlich im Laufe des Tages zustellen wird. Das kann zum Beispiel hilfreich sein, wenn man auf Reisen ist und wissen will, ob wichtige Schreiben eingetroffen sind oder bald eintreffen werden.

Nun bauen die Post und die beiden E-Mail-Portale ihre Kooperation aus. Ab diesem Mittwoch soll man auf Wunsch nicht mehr nur Fotos von Umschlägen digital und vorab per Mail erhalten können, sondern auch die Inhalte ganzer Schreiben, in Form von PDF-Dateien. »Digitale Kopie« nennt sich das neue kostenlose Angebot.

Was klingt wie ein Frontalangriff aufs Briefgeheimnis, funktioniert ohne das Öffnen oder Scannen von Briefen. Laut GMX und Web.de geht es darum, dass »50 Großversender«, darunter Vodafone und Otto, sowie »über 10.000 kleinere und mittlere Unternehmen« künftig auf Wunsch parallel zu ihren Briefen auch digitale Kopien ihrer Nachrichten zu Verfügung stellen. Diese schlagen dann im Zuge der Briefzustellung im Online-Postfach der Empfänger auf.

Tobias Meyer von der Deutsche Post DHL Group sagt, Kunden könnten Briefe durch den Dienst fortan auf zwei Wegen erhalten – »als rechtssicheren Brief und als praktisch archivierbare E-Mail«.

Foto und PDF kommen gemeinsam

Von GMX und Web.de heißt es auf SPIEGEL-Nachfrage, die Zustellung der »digitalen Kopie« eines Briefs per E-Mail erfolge zusammen mit der »Briefankündigung«: Das Inhalts-PDF kommt also mit derselben Nachricht und zum selben Zeitpunkt wie bisher das Umschlagfoto.

Nach Angaben der E-Mail-Anbieter läuft der ganze Prozess »voll automatisiert« und ohne »physische Eingriffe« durch Mitarbeiter. Auch der Briefversand werde durch die Zusatzfunktion nicht verzögert, heißt es. Perspektivisch, so erträumen es sich die Anbieter, könnte ein Großteil des jährlichen Briefvolumens in Deutschland auch durch die »digitale Kopie« abgebildet werden.

Zugleich jedoch stößt zumindest die Startvariante des Angebots schnell an ihre Grenzen. Denn Menschen, deren E-Mail-Konto nicht bei GMX oder Web.de, sondern bei einem anderen Anbieter liegt, etwa bei Gmail, haben bislang keine Möglichkeit, Digitalvarianten von Briefen derart unkompliziert und vor allem kostenlos ins Online-Postfach zu bekommen. Das Einrichten eines digitalen Briefkastens über den Postservice E-Postscan  beispielsweise kostet 25 Euro pro Monat.

GMX und Web.de haben nach eigenen Angaben zwar 35 Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer. Längst nicht alle davon dürften ihre Konten aber tatsächlich als Hauptpostfächer verwenden.

Hinzu kommt, dass selbst Nutzerinnen und Nutzer der »digitalen Kopie« längst nicht alle ihre Briefe auch in digitaler Form erhalten können, sondern nur Briefe jener Anbieter, die bereits zum Start bei dem Service mitmachen. »Die Zustellung einer digitalen Kopie setzt neben der expliziten Zustimmung und Beauftragung von Versender und Empfänger die digitale Einlieferung des Briefinhaltes voraus«, teilen GMX und Web.de dem SPIEGEL mit.

Anmeldung über den E-Mail-Anbieter

Wer Interesse an dem neuen Angebot hat, kann sich dafür wie bereits für die »Briefankündigung« in seinem GMX - oder Web.de-Postfach  freischalten lassen. Dabei stimmt man auch der Verarbeitung persönlicher Daten zu, die fürs Erstellen und Zustellen der Digitalvarianten der Nachrichten nötig sind.

Wer künftig Briefinhalte ins Online-Postfach bekommt, sollte darauf achten, dass dieses gut gesichert ist. Dafür empfiehlt es sich nicht nur, ein gutes Passwort zu verwenden, sondern auch die sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung zu aktivieren, die GMX und Web.de seit Mitte 2019 zur Verfügung stellen. Cyberkriminelle jedenfalls würden sich gewiss freuen, wenn sie in gehackten E-Mail-Postfächern zusätzlich zum üblichen Nachrichtenaufkommen bald noch mehr Schreiben mit persönlichen Daten finden.

Die E-Mails mit den PDF-Dateien sind zum Start des neuen Dienstes übrigens noch nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Diese Funktion werde erst »im Nachgang zur Markteinführung der digitalen Kopie« angeboten, heißt es von GMX und Web.de. Für die Einführung jenes Zusatzschutzes über die bisherige Transportverschlüsselung zwischen der Post und den E-Mail-Postfächern hinaus peilen die Dienste bislang das zweite Halbjahr 2021 an.

Vor etwaigen Fake-Benachrichtigungen wollen die Portale ihre Nutzerinnen und Nutzer derweil durch Logos der Deutschen Post schützen, die im Posteingang bei authentifizierten E-Mails auftauchen sollen. Die E-Mails, die die Umschlagfotos und die »digitalen Kopien« enthalten, seien »mit speziellen Zertifikaten signiert, die die Authentizität des Absenders zweifelsfrei nachweisen«, so GMX und Web.de.