Digitalisierungs-Debatte Seid nicht stolz auf euer Unwissen

Über die Digitalwelt wird viel Quatsch geredet, weiß Sascha Lobo. Er sieht darin mehr als ein Versagen Einzelner, nämlich ein systemisches Problem. Im Podcast reagiert er auf Leserkommentare.

CDU-Politiker Axel Voss auf der Netzkonferenz re:publica
Jan Zappner/ re:publica/ DPA

CDU-Politiker Axel Voss auf der Netzkonferenz re:publica


Sascha Lobo: der Debatten-Podcast #92 - Auf dem digitalen Fußballplatz: Drei Elfer, eine Ecke

Digitalisierung werde in der Politik zuerst inszenatorisch betrachtet, schrieb Sascha Lobo in seiner jüngsten Kolumne "Drei Elfer, eine Ecke": "Was hört sich gut an? Was kann man medial gut verkaufen?" Dazu warnte er: "Die Schamlosigkeit, digitales Unwissen offensiv zu zeigen und stolz drauf zu sein, bildet aber auch ein perfektes Einfallstor für Lobbyismus."

Wie er die politische Debatte zu Themen wie dem Urheberrecht und Anonymität im Netz wahrnimmt, machte Lobo deutlich, indem er selbst allerlei Quatsch über Fußball schrieb, etwa: "Jürgen Balthasar Klopp, was für ein Kapitän! Gegen Ronaldos Topteam motiviert er seine Leute zu einem 0:7 und zieht ins Finale der Europameisterschaft ein."

Lobo, der tags zuvor CDU-Politiker Axel Voss auf der Netzkonferenz re:publica hatte sprechen hören, wollte so das Niveau der Debatte nachvollziehbar machen: "Würde Fußball so besprochen wie das Internet, käme - leider kaum übertrieben - ein solcher Hyperquark dabei heraus", schrieb er. "Vergleichbare Wortmeldungen aus Politik und Medien werden allerdings nicht nur ernsthaft diskutiert, sondern haben messbare Folgen in Form von Gesetzesvorhaben und politischen Initiativen."

In seinem Podcast stellt sich Lobo nun den Reaktionen seiner Leser. Die hatte er am Schluss seiner Kolumne gefragt: "Wie lässt sich in Zeiten digitaler Vernetzung die Balance halten zwischen Expertokratie und Kakistokratie?"

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insgesamt 7 Beiträge
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noalk 12.05.2019
1. Die Schamlosigkeit, digitales Unwissen offensiv zu zeigen
Warum sollte das mit Scham besetzt sein? Unwissen ist doch heute allenthalben wirklich kein Grund mehr für Scham. Heutzutage wird doch überall mit Unwissen sogahr geprahlt (sorry, Axel!). Nicht über Grundwissen zu verfügen - in Musik, Literatur, Naturwissenschaften (Klimawandelignoranten!), Technik - ist keine Schande mehr. Die inszenatorische Sichtweise der Politik gilt doch nicht nur für die Digitalisierung. Sie ist geradezu Voraussetzung für den öffentlichen Auftritt der Politik.
großkopferter 12.05.2019
2. Kann man das nicht abdrucken?
Ich will das lieber lesen. Das ist schneller und ich kann’s diagonal scannen. Nur weil es von digitalen Inhalten redet, muß das doch nicht vorgelesen werden, denn Podcast klingt ja schon modern. Der Spiegel ist ein Printmedium.
fehlix 12.05.2019
3. Nicht das
ich für Artikel 13 wäre, aber vielleicht sollte sich die ach so schlaue "Netzgemeinde" mal überlegen was sie denn nun wirklich zum Thema beizutragen hat, ausser Politiker zu verspotten und pauschal schlecht zu machen (was dazu führt dass den Job am Ende keiner machen will, oder nur noch solche auf die die Kritik wirklich zutrifft), alles umsonst haben zu wollen (aber die eigenen Daten bereitwillig allen herzugeben, außer natürlich dem "Staat"), zu vergessen daß es auch vor dem Allheilmittel Netz schon Demokratie und Meinungsfreiheit gab (nur dass es ungleich schwerer war seine eigenen Verschwörungstheorien zu verbreiten). Ich bin mit 1200-Baud Modem, Fido-Point, Usenet (als es das noch gab), UUCP und POPs aufgewachsen, das was ihr daraus gemacht habt ist ab "WEB 2.0" einfach Mist!
static_noise 12.05.2019
4.
Digitalisierung = Alchemie des 21. Jahrhunders. In unserem "Wirtschafts Feudalsystem" ist Abstammung und Stallgeruch wichtiger als Kompetenz. Jene die Kompetenz besitzen und versuchen diese zu vermitteln. Verlieren, da die Komplexität für 70% der Bevölkerung zu hoch ist. Eine Mischung aus "Lass mich damit in Ruhe!" und modernem Luditentum übernimmt den Rest. Selbst in Großkonzernen ist der IT Leiter meist ein dicker Mann ab 55 mit Kuli und ausgedruckt Powerpoints und eine neue Windows Version ist der relevanteste Teil der Digitalisierung. Wir werden in den nächsten 20 Jahren in Deutschland erleben, dass das politische Leben immer weiter verblödet und in politischen Ringelrein wie ein Ballett verfällt und in Bedeutungslosigkeit rutscht. Internationale Wirtschaftsunternehmen schaffen derweil Fakten.
Actionscript 12.05.2019
5. Die steigende Macht der Populisten
Herr Lobo hat ein paar wichtige Punkte genannt, die für politische Entscheidungen auch in der digitalen Welt von Bedeutung sind. Ich stimme voll zu, dass Menschen dazu tendieren, Experten zu wählen, die einem ins Konzept passen oder vielleicht garnicht auf Experten zu hören. Und da besteht eine grosse Gefahr je populistischer und eingassiger Politiker sind, siehe Trump und Klimapolitik als ein sehr negatives Beispiel. Auch setzen sich Politiker je populistischer sie sind, über Expertenmeinungen und Interessengruppen hinweg bzw entscheiden drastisch in nur eine Richtung, ohne Kompromisse zu berücksichtigen. Die Urheberreform würde ich als so eine Entscheidung ansehen. Die Tatsache, dass veraltete Wahlsysteme, die es in den meisten US Staaten gibt, nicht erneuert werden, obwohl die grosse Gefahr herrscht, dass feindliche Mächte die nächsten Wahlen durch Hacken beeinflussen könnten, wird besonders von den momentanen republikanischen Regierungen in einzelnen Staaten sowie der Trump Regierung schlichtweg negiert, da es wie die russische Wahlbeeinflussung 2016 für ihre Wiederwahl nützlich sein könnte und ausserdem auch noch Geld kostet. Generell würde ich Entscheidungen, die nur strikt in eine Richtung gehen, oder vollkommene Negierung von einem Problem, als populistisch ansehen. Von daher sehe ich seriösen Journalismus, der konstant diese Probleme aufwirft und zur Diskussion stellt, besonders in der heutigen Zeit als enorm wichtig an.
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