Digitalisierungspaktakt Google saugt sich die Gutenberg-Galaxis

Sieben Millionen digitalisierte Bücher vermarktet Google nun legal - als Buch-Flatrate für US-Unis und als Werbeumfeld für US-Bürger. Deutsche Surfer müssen erst mal draußen bleiben. Doch der Digitalisierungspakt könnte eine Blaupause für vergleichbare Abkommen in Europa sein.

Früher mal galt Google als Suchmaschine, als neutraler Vermittler zwischen Angebot und Nachfrage bei Informationen. Wie radikal sich diese Rolle und das Geschäftsmodell von Google gerade wandeln, illustriert der Digitalisierungspakt des US-Konzerns mit Verlagen und Autoren in den Vereinigten Staaten: Google vermarktet im Web exklusiv Digitalversionen sämtlicher Bücher, die bis zum Oktober dieses Jahres veröffentlicht wurden.

Google hebt den analogen Schatz von sieben Millionen lange Zeit größtenteils nur in Bibliotheken verfügbaren Büchern und vertreibt ihn online. Der Informationsmittler wird nun selbst zum Anbieter.

Für deutsche Surfer hat der Digitalisierungspakt erst einmal keine direkten Folgen - sie können auch nach dem Abschluss auf diese Bestände nicht online zugreifen. Google-Manager Alexander MacGillivray bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass Google "mit diversen Technologien" sicherstellen werde, dass Nutzer außerhalb der Vereinigten Staaten nicht auf das Material zugreifen können.

Direkt betroffen sind in Deutschland von dieser Einigung  derzeit nur Verfasser von Büchern, die in den Vereinigten Staaten als Übersetzungen verkauft werden. Sie haben - je nach Autorenvertrag - ein Recht, an den Einnahmen beteiligt zu werden, die Google womöglich mit den Übersetzungen ihrer Werke erzielt.

Googles Geschichte

Mittelbar dürfte die US-Einigung aber ein Vorbild für ähnliche Abkommen mit Verlagen auch in Deutschland sein. Google hat offensichtlich ein Interesse daran, so viele nicht-digitale Inhalte wie möglich zu digitalisieren und online verfügbar zu machen. Denn Google verdient Geld mit der Werbung im Kontext solcher Angebote. Und je mehr Zeit Menschen online verbringen, umso stärker wächst das Publikum für solche Anzeigen.

Deshalb will Google so viele Inhalte wie möglich im Web verfügbar machen - idealerweise selbst. Bei Landkarten, Fotos von Straßenzügen, E-Mails und Videoclips klappt das schon ganz gut. Nun ist Google über Nacht in den USA zur zentralen Büchervermarktungsagentur geworden.

Wie dabei ein Abkommen mit den Rechteinhabern möglich ist und wie es aussehen kann, zeigt der nun geschlossene Digitalisierungspakt:

  • Google finanziert mit 34,5 Millionen Dollar die Einrichtung einer Registrierungsstelle, die einerseits die Verwendung von Material mit den Rechteinhabern bei Verlagen und Autoren zentral abstimmen und andererseits die Einnahmen verteilen soll.
  • Google führt 63 Prozent aller mit den digitalisierten Büchern erzielten Einnahmen an diese Registrierungsstelle ab.
  • Digitalisierte Fassungen antiquarischer Bücher darf Google kostenlos mit Umfeldwerbung online anbieten.
  • Bei noch erhältlichen Büchern entscheiden Verlage und Autoren, ob Google die Werke verkaufen, werbefinanziert und kostenfrei online anbieten oder gar nicht digitalisiert anzeigen darf.
  • Der Digitalisierungspakt umfasst nicht das Recht, Downloads anzubieten. Google wird - falls die Autoren und Verlage das wünschen - die digitalisierten Bücher verkaufen, aber ausschließlich zur Online-Nutzung. Ein weiteres Abkommen über Downloads sei natürlich denkbar, sagte ein Google-Vertreter bei einer Telefonkonferenz zum Thema.
  • Universitäten und Behörden werden ein Flatrate-Abo für alle bei Google verfügbaren Digitalfassungen von Büchern abschließen können, öffentliche Bibliotheken sollen kostenlose Zugänge erhalten.

Ein Drittel aller in Zukunft erzielten Einnahmen als Gegenleistung für die einmalige Digitalisierung und das Hosting der gedruckten Kulturgeschichte - ein gutes Geschäft für Google.

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