Papiere aus den vergangenen 24 Jahren Hunderttausende US-Polizei-Dokumente geleakt

Das manchmal als alternatives WikiLeaks bezeichnete Kollektiv Distributed Denial of Secrets hat 269 Gigabyte Daten von US-Polizeibehörden ins Netz gestellt. Ein Ex-Regierungsmitarbeiter sieht Polizisten und Informanten in Gefahr.
Polizisten in Washington, D.C.

Polizisten in Washington, D.C.

Foto: DANIEL SLIM/ AFP

Das aktivistische Kollektiv Distributed Denial of Secrets (DDoS) hat Hunderttausende interne Dokumente von verschiedenen US-Polizeibehörden, bis hin zum FBI, veröffentlicht. Die BlueLeaks  genannte Sammlung umfasst 269 Gigabyte Daten aus 24 Jahren und ist online durchsuchbar. Die neuesten Dokumente stammen aus dem Juni 2020 und stehen laut "Forbes"  im Zusammenhang mit den Protesten gegen Polizeigewalt.

Die Polizeiberichte und -unterlagen beinhalten Namen, E-Mail-Adressen, E-Mails samt Anhängen, Telefonnummern, Fotos und Videos sowie PDF-, ZIP und CSV-Dateien. Selbst Kontoverbindungsdaten von Verdächtigen sind in den BlueLeaks enthalten, berichtet der Journalist Brian Krebs . Sie stammen offenbar von einem kompromittierten Dienstleister aus Texas namens Netsential. Der wiederum wird von sogenannten Fusion Centers  genutzt, das sind staatliche Einrichtungen für den Austausch von polizeilichen und nachrichtendienstlichen Informationen.

Die BlueLeaks im Internet

Die BlueLeaks im Internet

Foto: Screenshot

Krebs hat den ehemaligen hochrangigen NSA- und DHS-Anwalt Stewart Baker nach den möglichen Auswirkungen gefragt. Baker sagte, es sei eher unwahrscheinlich, dass die Dokumente bisher unbekannte Fälle von Polizeigewalt offenbaren würden: "Das ist nicht die Art von Arbeit, die in den Fusion Centers stattfindet." Aber Baker geht davon aus, dass die Veröffentlichung trotzdem nicht folgenlos bleiben wird.

Zum einen könne man angesichts der Datenmenge nicht ausschließen, dass darin Hinweise auf Informanten und verdeckte Ermittler zu finden sind, was deren Leben in Gefahr bringen könnte. Zum anderen könnten die Daten auch Kriminellen helfen: "Jede Gruppe des organisierten Verbrechens im Land wird wahrscheinlich in den Dateien nach den eigenen Namen gesucht haben, bevor Strafverfolger wissen, was alles enthalten war, der Schaden könnte also schnell entstehen."

Der Weg zu den Daten ist bekannt, die Täter nicht

Wie die Daten bei Distributed Denial of Secrets gelandet sind, ist unklar. Zwar gehen die National Fusion Center Association und Netsential davon aus, dass jemand einen Netsential-Zugang genutzt hat, um Schadsoftware ins System hochzuladen, die ihrerseits für die Ausleitung der Daten sorgte. Aber ob der Netsential-Account selbst gehackt war oder von einem legitimen Nutzer verwendet wurde, geht aus ihren Antworten nicht hervor.

Die manchmal als "alternatives WikiLeaks" dargestellte Gruppe Distributed Denial of Secrets  - die Abkürzung DDoS spielt auf verteilte Überlastungsangriffe auf Server an, die Distributed Denial of Service heißen - stellt sich selbst als unparteiisch dar . Sie betont zwar, auch gehackte Daten zu veröffentlichen, sie aber niemals selbst auf diesem Wege zu beschaffen.

Auch der SPIEGEL hat bereits mit DDoS zusammengearbeitet. Das Kollektiv hatte einen großen Datensatz aus dem Unternehmensregister einer bekannten Steueroase übergeben, den Bahamas. Darin fanden sich Unterlagen zu prominenten Deutschen wie etwa Uwe Seeler. Auch in dem Fall hatte DDoS nicht mitgeteilt, von wem die Daten beschafft worden waren.

pbe
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