Domainstreit Der Kanzler bekommt seine Adresse zurück

Bundeskanzler Schröder hat sich per Gericht gegen einen Privatmann durchgesetzt, der sich die Internet-Domain "kanzlerschroeder.de" gesichert hatte. Ab sofort soll unter der Adresse wieder nur der wirkliche Regierungschef erreichbar sein.

Berlin - Seit Monaten war die Webseite unter der Adresse www.kanzlerschroeder.de ein Ärgernis für den Kanzler und seine PR-Strategen vom Bundespresseamt. Denn statt auf der im schlichten Grau gehaltenen Website Gerhard Schröders landete der User auf der Seite des Polit-Aktivisten Bernhard C. aus Montabaur. Unter dem Stichwort "Europa von unten" ließ sich der Privatmann über die Politik im Allgemeinen und Speziellen aus und ging auch mit der rot-grünen Regierung nicht zimperlich um.

Ab sofort soll dies nun ein Ende haben. Nach einer einstweiligen Verfügung mit einer saftigen Strafandrohung von sechs Monaten Gefängnis oder einer Enteignung von 250.000 Euro zog der Mann aus Montabaur nun seinen Anspruch auf die Kanzler-Seite zurück. So schnell wie möglich soll nun eine Umleitung auf die richtige Seite des Kanzlers geschaltet werden, hieß es im Bundespresseamt. Der Berliner Anwalt des Kanzlers, Friedrich Kurz, hofft zudem auf Abschreckung durch das erfolgreiche Verfahren.

Der aktuelle Fall ist nicht das erste Mal, dass sich die Bundesregierung um Netzadressen streitet. In der Vergangenheit zankten sich die Juristen bereits um Domainnamen wie kanzleramt.de, deutschland.de oder kulturstaatsministerin.de. Am heikelsten gestaltete sich das Verfahren um die Internetadresse kanzleramt.biz, welche sich der amerikanische Nazi-Aktivist Gary Lauck gesichert hatte. Wer die vermeintliche Kanzler-Domain ansurfte, landete auf der rechtsextremen Seite von Laucks Nazi-Organisation.

Gleichwohl droht dem Kanzler und seinen Presseamts-Mitstreitern schon neuer Ärger. Denn trotz des Vergleichs vor dem Berliner Landgericht gibt sich der Polit-Aktivist Bernard C. nicht vollkommen geschlagen: Schon vor seinem Rückzug sicherte er sich nun die französische Adresse kanzlerschroeder.fr.st. Vermutlich werden sich die Parteien deshalb schon bald wieder vor dem Richter treffen.

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