Chaos bei Truth Social Onlinetrolle stürzen sich auf neues Trump-Netzwerk

Mit Truth Social will sich Donald Trump sein eigenes Social-Media-Netzwerk aufbauen. Doch schon lange vor dem offiziellen Start gab es eine Art unfreiwilligen Tag der offenen Tür.
Trump-Netzwerk Truth Social: Offiziell startet es erst 2022

Trump-Netzwerk Truth Social: Offiziell startet es erst 2022

Foto: CHRIS DELMAS / AFP

Seine wichtigsten Social-Media-Kanäle hat Donald Trump nach dem Sturm auf das US-Kapitol verloren. Und auch seine anschließende Karriere als Blogger endete so plötzlich, wie sie begonnen hatte. Doch wer einmal der meistbeachtete Twitter-Nutzer der Welt war, der will in Debatten weiter seine Stimme erheben: Am Mittwoch kündigte Trump an, demnächst mit einem Netzwerk namens Truth Social die Social-Media-Welt aufmischen zu wollen. Ziel sei es, »der Tyrannei von Big Tech die Stirn zu bieten«, so der Ex-Präsident.

Ob das gelingen kann oder ob Truth Social im Schatten von Twitter, Facebook oder TikTok ein ewiges Nischendasein droht, muss sich noch zeigen. Offiziell los geht es mit dem Netzwerk erst 2022, für November wurde zunächst eine Testversion angekündigt.

Findige Nutzerinnen und Nutzer schafften es jedoch schon jetzt, sich ganz einfach über öffentliche Links bei Vorabversionen des Dienstes anzumelden. Dabei zeigte sich auch gleich, dass sich nicht nur Trump-Fans für Truth Social interessieren werden: Der Name des amerikanischen Ex-Präsidenten zieht absehbar auch Internettrolle und experimentierfreudige Reporter an, für die jedes neue Netzwerk eine neue Online-Spielwiese ist, oder zumindest ein Raum, den sie beobachten wollen. Den ersten Tag der offenen Tür in Trumps neuer Digitalheimat gab es so gleich am Donnerstag.

Trump-Account mit Schweinefoto

Orientiert man sich an den kursierenden Screenshots, ging es dabei offensichtlich wild zu. Auf dem Account @donaldjtrump beispielsweise postete demnach jemand Unbekanntes ein Foto eines Schweins, das gerade seinen Darm entleert hat. Ebenso wurde Twitter-Mitgründer Jack Dorsey von jenem Account mit einem »Fuck you« bedacht, woraufhin ein @jack-Account antwortete: »Nun ja, ich bin nicht sicher, was ich erwartet habe.«

Beim Erstellen neuer Accounts waren der Kreativität der uneingeladenen Besucher offenbar kaum Grenzen gesetzt: Drew Harwell etwa , ein Journalist der »Washington Post«, nannte sich bei Truth Social kurzerhand @mikepence, in Anspielung auf den früheren Vizepräsidenten der USA. Und Mikael Thalen von »The Daily Dot« war nach eigenen Angaben @donaldtrump , jedenfalls so lange, bis die Testumgebung schließlich von den Betreibern offline genommen wurde. Später wurde dann aber noch eine weitere Testversion von Truth Social entdeckt , anscheinend erneut ohne nennenswerte technische Absicherung.

Dass Trumps Dienst zur regulären Testphase im November professioneller daherkommen wird, darf bezweifelt werden. So berichtet etwa »Vice«, dass der Dienst auf Mastodon basiert , einer Open-Source-Software, mit der sich soziale Netzwerke aufbauen lassen. Zugleich soll es in den Nutzungsbedingungen des Trump-Netzwerks bisher aber heißen, der gesamte Quellcode der Seite sei urheberrechtlich geschützt – was laut »Vice« und Mastodon-Gründer Eugen Rochko einen Verstoß gegen die Nutzungsregeln für die Software darstellen könnte.

Am Donnerstag gab es außerdem Kritik daran, dass Truth Social in Apples App Store mit angeblichen Accounts bekannter Marken wie der »New York Times«, »Variety« und ESPN beworben wird , obwohl es sich dabei mutmaßlich gar nicht um offizielle Präsenzen jener Marken handelt. Mit der Wahrheit nimmt man es bei Truth Social offenbar nicht so genau.

mbö
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