"Breitbart News" Dortmunder Polizei reagiert auf US-Horrormeldung zu Silvesternacht

Hat in der Silvesternacht ein Mob von Islamisten eine Dortmunder Kirche in Brand gesetzt? Das war fälschlicherweise auf "Breitbart News" zu lesen. Die Polizei sieht sich zur einer Klarstellung gezwungen.
Silvestereinsatz in Dortmund

Silvestereinsatz in Dortmund

Foto: Peter Bandermann/ dpa

Die Dortmunder Polizei hat eine detaillierte Einsatzbilanz  veröffentlicht, nachdem die US-Nachrichtenseite "Breitbart" einen verfälschenden Artikel über die dortige Silvesternacht veröffentlicht hatte. Das rechtspopulistische Internetportal wurde im US-Wahlkampf berühmt - der frühere Chefredakteur Steve Bannon ist Chefberater des designierten US-Präsidenten Donald Trump.

Der englischsprachige Bericht mit der Überschrift "1000-Mann-Mob setzt Deutschlands älteste Kirche in Brand" erzeugt den Eindruck, dass Ausländer mit Feuerwerkskörpern gegen andere Besucher und Polizisten vorgegangen seien und das Dach der Reinoldikirche in Brand gesetzt hätten. Der Artikel verbreitete sich auch in Deutschland und Österreich.

Die Polizeibehörde stellte am Donnerstag nun klar : "Herausragende oder spektakuläre Silvester-Sachverhalte wurden bis zum heutigen Tage nicht gemeldet." Auf einem Platz in der Innenstadt hätten sich rund tausend Menschen versammelt. Es sei zwar zum Teil zu unsachgemäßem Einsatz von Silvesterfeuerwerk gekommen, dies sei jedoch unterbunden worden.

Der "Breitbart"-Bericht bezieht sich auf diesen Vorfall und in verfälschender Weise auf einen Bericht der "RuhrNachrichten"  über eben jene Menschenansammlung. Mehrere Details stimmen, andere werden arg überzeichnet - insgesamt wird damit ein falscher Gesamteindruck vermittelt.

In der Tat gab es laut dem Lokalzeitungsbericht  einzelne "Allahu Akbar"-Rufe aus der Menge der Feiernden. Und tatsächlich hatte die Feuerwehr am Neujahrstag gemeldet, dass es durch eine Silvesterrakete zum Brand eines Gitterschutznetzes an der Reinoldikirche gekommen sei. Mit dem Netz ist ein Baugerüst verkleidet. Das Feuer sei schnell gelöscht worden, hieß es von der Feuerwehr. Die Polizei hat nach Angaben einer Sprecherin "keinerlei Erkenntnisse, dass die Rakete absichtlich abgefeuert wurde".

Der Bericht der Dortmunder Polizei vom Donnerstag schließt mit der Feststellung: "Nach Einschätzung des eingesetzten Polizeieinsatzleiters war dies für eine Silvesternacht in Dortmund ein eher durchschnittlicher bis ruhiger Verlauf."

Die verzerrende Darstellung von "Breitbart" fällt in die Debatte um den Umgang mit sogenannten Fake News. Absichtlich lancierte Falschmeldungen und verfälschende Zuspitzungen prägten die Endphase des amerikanischen Wahlkampfs und alarmierten auch hierzulande Politiker. Im Innenministerium wird darüber diskutiert, ein Abwehrzentrum gegen Desinformation einzurichten.

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fab/dpa
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