DoubleClick-Übernahme EU-Kommission befragt Google-Kunden

Bevor das Online-Werbeunternehmen von dem Internet-Giganten geschluckt werden kann, sollen sich dessen Kunden äußern. Das Thema sei zu komplex, um es ohne Befragung zu entscheiden. Die Konkurrenz wird's freuen: Der Online-Werbemarkt ist hart umkämpft.


Insgesamt 3,1 Milliarden Dollar (knapp 2,3 Milliarden Euro) ist der Internetkonzern Google bereit, für seinen Rivalen Doubleclick zu zahlen. Ein Ansinnen, das Microsoft aufgeschreckt hat. Bereits kurz nach Bekanntgabe des Deals hatte der Windows-Konzern die Kartellbehörden aufgefordert, die Elefantenhochzeit besonders genau zu prüfen. Genau das scheint jetzt zu geschehen.

Google-Logo (im kalifornischen Hauptquartier): Die EU-Kommission will Kunden der Firma zur geplanten Doubleclick-Übernahme befragen
AP

Google-Logo (im kalifornischen Hauptquartier): Die EU-Kommission will Kunden der Firma zur geplanten Doubleclick-Übernahme befragen

In einem ungewöhnlichen Schritt hat die EU-Kommission Google-Kunden zu der bevorstehenden Übernahme befragt. Wie zwei mit dem Vorgang vertraute Personen am Donnerstag mitteilten, will die EU-Kommission die Meinung der Google-Kunden einholen, bevor sie die Übernahme des Internet-Werbeanbieters durch den Branchen-Riesen offiziell genehmigt.

Die Kommission habe dies veranlasst, weil es sich um eine ungewöhnlich komplexe und umstrittene Fusion handele, hieß es.

Allerdings ist Google längst nicht das einzige Internet-Unternehmen, das sich durch den Zukauf spezialisierter Firmen künftige Werbeeinnahmen sichern will. Nur wenige Woche nach Googles Ankündigung meldete Yahoo, für 680 Millionen Dollar 80 Prozent der Anteile an der Web-Werbefirma Right Media gezahlt zu haben. Microsoft zog im Mai nach, gab bekannt die Online-Werbefirma aQuantive für insgesamt sechs Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Und erst vor wenigen Tagen hat Yahoo auch noch den Erwerb des Internet-Werbenetzwerks BlueLithium für eine Summe von etwa 300 Millionen Dollar bekanntgegeben.

Google befürwortete den Schritt der Kommission. Das Unternehmen teilte mit, es sei positiv, die Meinung der Kunden einzuholen und den Konkurrenzkampf zu schüren. "Die EU-Kommission kann mit so vielen unserer Kunden sprechen, wie sie möchte", sagte eine Google-Sprecherin der Nachrichtenagentur Reuters.

Normalerweise wird ein entsprechender Fragebogen erst nach einem Zusammenschluss von Firmen an Kunden verschickt. Die EU gab zunächst keine Stellungnahme dazu ab.

mak/Reuters



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