Download-Musikmarkt Wenn man am Boden liegt, geht es nur noch aufwärts

Jean-Bernard Lévy, Chef von Vivendi, hat gute Nachrichten: Sein Musikkonzern Universal liegt am Boden. Von da aus geht es nur aufwärts, und das, sagt Lévy, sei schon zu sehen: Universal mache Plus, trotz sinkender CD-Umsätze - Downloads sei Dank.

Die Musikindustrie scheint am Ende eines regelrechten Parabelfluges angekommen, wenn man Vivendi-Chef Jean-Bernard Lévy glaubt. Nachdem die Branche nach Einführung der CD Rekordumsätze einfuhr, weil sie Abermillionen von einst als Vinyl gekauften Scheiben einfach noch einmal verhökern konnte, ging sie vor rund zehn Jahren in den Sturzflug über: Zuerst CD-Brenner, dann P2P-Börsen ließen die Umsätze um Milliarden einbrechen, kosteten Tausende Beschäftigte ihre Jobs. Jetzt, glaubt Lévy, habe zumindest sein Unternehmen Universal die Bauchlandung glücklich hinter sich.

Das leitet der Firmenlenker aus den Geschäftszahlen für das erste Halbjahr ab. Die weisen gegen den Trend der vergangenen Jahre ein Umsatzplus von fünf Prozent aus - und die seien vor allem der weiter rasant steigenden Nachfrage nach Musik-Downloads geschuldet. Lévy wittert da schon das Ende der Krise der Musikindustrie.

Downloads hatten die noch erheblichen steileren Einbrüche beim Verkauf physischer CDs bisher nicht ausgleichen können. Obwohl alle großen Labels hier satt steigende Umsätze bis zu 40 Prozent über Vorjahresniveau melden, ist Universal bisher das einzige Großlabel, bei dem dies reicht, die CD-Verluste auszugleichen - was allerdings auch daran liegt, dass dank Megasellern wie Amy Winehouse die CD-Bilanz nicht so schlecht aussah wie bei anderen. Trotzdem: Für Lévy markiert die schwarze Fünf die Trendwende.

Lévy deutete sie nun gegenüber der "Financial Times" als Hoffnungszeichen. Der digitale Bereich biete große Möglichkeiten, Universal arbeite mit Telekommunikationsfirmen, Internet-Shops wie Apples iTunes, mit Nokia und vielen anderen aggressiv an neuen Vertriebsformen. Die Zahlen bieten ihm dabei Grund für Optimismus: "Ich glaube wirklich, dass die Musikindustrie an einem Wendepunkt angelangt ist."

Der Musik-Download-Markt, vor wenigen Jahren noch eine winzige Nische, spielt bei allen Entertainment-Konzernen eine wachsende Rolle. Beim Universal-Konkurrenten Warner macht er mittlerweile rund 20 Prozent des Umsatzes aus, ohne damit aber schon die Verluste ganz ausgleichen zu können: Alle haben ihre Bauchlandung offenbar noch nicht hinter sich.

pat

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