Downloads So laden Sie Musik herunter - kostenlos und legal

Schwindende Umsätze beflügeln die Phantasie: Die Musikindustrie hat Downloads als alternatives Geschäftsmodell entdeckt. Besonders attraktiv für Kunden sind Angebote, die kostenloses Herunterladen erlauben. SPIEGEL ONLINE zeigt, wo und wie es was zu holen gibt.

Die naheliegendste Form einer alternativen, für den Kunden kostenfreien Vertriebsform von Musik holt sich ihre Erlöse aus der Werbung. Allerdings ist das Angebot in Deutschland weit kleiner als in den USA. SPIEGEL ONLINE gibt den Überblick, wie und wo sich über das Internet legal und kostenlos Musik besorgen lässt. Die Liste ist nicht vollständig, erfasst aber die verschiedenen Möglichkeiten und in den einzelnen Sparten die größten oder besten Anbieter. Im Bereich der Labels, die über das Internet einzelne oder sehr spezialisierte Angebote machen, ist die Zahl der Anbieter dagegen unüberschaubar groß.

Das ist somit der erste Tipp: Es gibt kaum ein Label, kaum einen Künstler, der über das Internet aus Werbezwecken nicht auch Inhalte verschenkt. Wer sich also ganz besonders für die Werke bestimmter Samischer Joik-Sänger, Interpretationen von Renaissance-Musik oder andere Nischenangebote interessiert, kommt um die Recherche nicht herum.

Denn das haben alle großen kostenlosen Angebote gemein: Entweder bedienen sie den Chart-orientierten Mainstream, oder sie sorgen dafür, dass Indie-Künstler endlich mehr Publikum finden. Die bestbestückten Nischen sind somit die Dudelfunk-Schiene sowie ihr krasses Gegenteil - die alternative Musikszene.

Einige Beispiele: Zu den attraktivsten deutschsprachigen Angeboten gehört seit Jahren Tonspion . Das ist eine Art Web-Magazin mit Musik-Downloads. Hier finden sich neben vielen Newcomern auch interessante Appetizer großer Gruppen sowie ungewöhnliche Remixes. Das Angebot ist völlig legal und erschließt oft einfach die Download-Seiten der Labels oder einzelner Künstler. Suchmöglichkeiten machen das gezielte Stöbern möglich.

Reine Downloadbörsen sind Seiten wie Garageband  oder an bestimmte Label gebundene Seiten wie das rockige Purevolume . Zur werblichen Präsentationsplattform hat sich in den letzten Jahren vor allem die Musikseite von MySpace  gemausert. Kaum ein Künstler, der hier nicht wenigstens ein paar Appetithäppchen als Stream oder Download anbietet.

Zahlreiche Musik-Blogs  setzen auf eine redaktionelle Erschließung der kostenlosen Musik im Web: Hier wird oft nach Genres geordnet - oder schlicht dem Geschmack des Bloggers folgend empfohlen. Weitere Links zu diesem gibt es im unten stehenden Verzeichnis.

Ansonsten lassen sich die Angebote in zwei große Gruppen Teilen: Streaming-Dienste, die den Zugriff auf Musik jederzeit erlauben, aber kein Abspeichern oder Brennen der Lieder, und Download-Dienste, bei denen ganz klassisch Dateien über das Internet verteilt werden.

Das Angebot gestreamter Musik ist groß, was kein Nachteil ist, sondern nur andere Anforderungen an die Vernetzung innerhalb des Haushaltes stellt.

Streaming-Dienste: das volle Programm

Interessant sind hier vor allem Angebote, die ein möglichst weites Spektrum an Musik anbieten. Neben reinen Audio-Services sind hier auch die diversen Video-Stream-Seiten zu nennen.

Audio-Stream-Dienste

In Deutschland ist über das Web derzeit nur ein Dienst erreichbar, der definitiv legal operiert und seine Musik "on demand" abrufbar hält. Last.fm, seit Juni 2007 auch Bestandteil des Angebots von SPIEGEL ONLINE, ist eine Art Radiosender, bei dem man Interpreten gezielt vorgeben kann, nicht aber spezifische Lieder.

Last.fm nimmt diese Wünsche als Richtungsvorgabe für die Auswahl weiterere Vorschläge, die dann in Folge serviert werden. Das ergibt ein Hörerlebnis, das man im besten Fall als eine am eigenen Geschmack orientierte Radiosendung empfindet. Last.fm wirbt damit, die letzte Radiostation sein zu wollen, die man noch benötigt.

Angebot: Mehrere Millionen Songs aus allen Richtungen, früher stark Indie-lastig, heute dank Verträgen mit den Majors auch topaktuelle Charts-Lieder. Dazu eine begrenzte Auswahl kostenfreier Downloads.

Radio via Web

Konventioneller arbeiten Internet-Radiostationen. Viele davon sind einfach die Webcasts herkömmlicher Sender, etliche werden aber auch nur für das Web produziert. Das Problem ist die Erschließung: Der Hersteller Noxon bietet für seine Internet-Radios derzeit vorinstalliert rund 5000 Stationen an, andere werben mit 9000. Auch das Open Directory erfasst ein Übermaß, bricht das Angebot aber auf Regionen herunter: Wer will, bekommt nur die Auswahl deutscher Sender. 

Hören kann man solche Angebote einerseits am Rechner (und von dort aus per Netz an beliebige Audio-Hardware verteilt), oder aber über spezielle Internet-Radio-Hardware. Auf der Software-Seite herrscht Vielfalt: je nachdem, welches Audio-Format die Sender wählen, kommen unterschiedliche Programme zum Einsatz.

Eine gute Möglichkeit, die Welt der Internet-Radios stöbernd zu erschließen, bieten Softwareclients wie beispielsweise WinAmp . Dort gibt es (wie in den meisten Mediaplayer-Programmen) ein Radioprogramm, durch das man sich einfach hindurchklicken kann.

Die Kassette lässt grüßen: Aufnehmen wie anno dazumal

Solche Streams versenden sich, wie Radio das gemeinhin tut. Clevere Softwarehersteller bieten darum seit einiger Zeit Programme an, die als "Streamcatcher" Streams mitschneiden und als MP3 speichern können. Die deutsche Tauschnix-Initiative geht davon aus, dass dies legal ist und auch bleibt und bietet dafür das kostenlose Tool ClipInc  an.

Das kleine Programm ist nur eines von Hunderten im Netz, die über Stichworte wie "Stream-Ripper", "Stream Recorder" und ähnliche zu finden sind. Hilfe bei der Auswahl eines aktuellen Angebotes sind die Download-Seiten bekannter Marken: Heise bietet da einiges , Chip.de ebenfalls, wenn auch reichlich ungeordnet.

Neben kommerziellen Produkten wie Audio 180 (im Handel, 39 Euro; als ältere Version oft als Beipacker zu IT-Fachzeitschriften) oder Hit-Recorder  (zeichnet parallel bis zu 20 Stationen auf, 13 Euro) gibt es auch reichlich Shareware (die nur gegen Zahlung voll funktionsfähig ist) und Freeware (kostenlos).

Hier ist derzeit die Software Streamripper  der Champion der Massen - das Programm lässt sich als Plugin direkt in den WinAmp-Player integrieren. Frisch auf dem Markt ist die neue Version des StationRipper  (Freeware), der parallel zwei Stationen aufzeichnet.

Vorsicht ist bei der Installation von Programmen geboten, die von den großen Download-Portalen wie Download.com als Adware gekennzeichnet werden. Hier geht es im besten Fall um Programme, die durch Werbeeinblendungen refinanziert werden, im schlimmsten um solche, die Schnüffelprogramme auf den Rechner einschleusen: Erst informieren, dann (vielleicht) installieren!

Video-Streams: Lightshow inklusive

Ein sattes Angebot an Musik offerieren auch zahlreiche Videoseiten. YouTube bietet hier vielleicht das größte Angebot, allerdings auch in bekannt schlechter YouTube-Qualität. Erheblich besser sind die Video- und Soundqualitäten bei anderen Anbietern. Die ersetzen heute locker das, was Fans einmal an MTV liebten - und bieten sogar mehr: Musikvideos on demand, die sich in Zeiten, in denen der Rechner oft die Stereoanlage ersetzt, auf Partys sogar noch als Lightshow einsetzen lassen. Feier-Profis werfen sie direkt per Beamer an die Wand.

Beispiele

Yahoos Launch -Service: Erschließt Audio- wie Videoangebote. Ton- und Bildqualität sind gut, das Angebot ärgert aber mit kleinen Macken. So sind in Deutschland nur ein Teil der Filmchen des Gesamtangebotes zu sehen, weil entsprechende Lizenzen für eine Ausstrahlung hier fehlen. Unter dem Strich trotzdem ein sattes, allerdings sehr Mainstream-orientiertes Angebot.

Etwas satter fällt da der Musikdienst von Rhapsody  aus, der seine Filme aber im Real-Format übermittelt. Immerhin: Hier darf man sehen, was auch die Nutzer jenseits des großen Teiches zu sehen bekommen.

Die Krone gehört seit einiger Zeit aber Stage6 , der Videoseite der DivX-Entwickler. Zwar ist das Angebot weniger umfangreich als bei der Konkurrenz, die Qualität aber zurzeit ungeschlagen: Was da über das Netz flimmert, ist das Optimum an Video- und Sound-Qualität. Das macht schon Spaß und findet vor allem bei Musikfreunden Beifall, die auch ein Ohr für etwas frechere und Indie-Musik haben. (Weitere Links: siehe Verzeichnis.)

Werbefinanzierte Download-Musik

Langsam erwärmen sich die großen Musik-Labels also für das Konzept kostenloser, werbefinanzierter Musik-Streams im Web. Werbefinanzierte Downloads hingegen haben es schwer. Das einzige nennenswerte Angebot, das deutschen Nutzern offensteht, ist der britische Dienst We7 .

Hier kann man kostenlos beliebig viele Songs als MP3-Dateien herunterladen. Jedem Songs ist eine kurze Werbeeinblendung vorgeschaltet. Ansonsten ist die Nutzung der Musikdateien nicht eingeschränkt.

Der Nachteil des Angebots: Von den derzeit der gut 500.000 verfügbaren Songs stammt keiner von einem der großen Musik-Labels. Bekannte Namen sucht man meist vergebens. Dafür kann man neue Künstler oder Perlen entdecken - zum Beispiel den Mitschnitt eines Konzerts der Ramones von 1978 im New Yorker Palladium.

In den USA wird mit dem Werbe-Download schon mutiger experimentiert. Dort gibt es zwei große Anbieter, die werbefinanzierte Downloads, auch von großen Musik-Labels, anbieten. Ruckus Network hat sich auf Studenten und Schüler spezialisiert: Jeder Kunde mit einer ".edu"-Adresse kann bei Ruckus Musik aus einem Angebot von drei Millionen Stücken herunterladen. Die Dateien sind im WMA-Format codiert und über digitale Rechterverwaltung von Microsoft geschützt - Brennen und Kopieren kann man die Dateien nicht, man kann sie auf WMA-kompatiblen Abspielern hören, muss aber die entsprechenden Lizenzen der Dateien regelmäßig online "erneuern". Im Angebot hat Ruckus Material von Sony/BMG, Universal, Warner Music, EMI und Tausenden Indie-Labels.

Ein ähnliches Konzept verfolgt das Startup Spiralfrog : Die New Yorker Firma richtet sich im Gegensatz zu Ruckus allerdings an alle US-Bürger, nicht nur an die eng definierte Zielgruppe der angeblich massenhaft raubkopierenden Studenten. Das könnte erklären, warum Spiralfrog nur Musik von zwei der großen Musik-Labels (EMI und Universal) im Angebot hat. Insgesamt zwei Millionen Songs verspricht der Anbieter - nachzuprüfen ist das von außerhalb der Vereinigten Staaten nicht. Die Dateien werden wie bei Ruckus Networks im geschützten Microsoft WMA-Format angeboten und sind somit für iPods, Zunes und viele andere MP3-Abspieler unbrauchbar.

Deutsche Kaufmusik-Downloads

Wenn der Online-Handelsriese Amazon in diesem Jahr seinen MP3-Downloadshop in Deutschland startet wie angekündigt, dürfte das den Markt durcheinanderwirbeln. Derzeit teilen sich wenige große Anbieter den deutschen Markt für Download-Musik. Laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) sind die drei reichweitenstärksten Anbieter von PC-Musik-Downloads in Deutschland iTunes, Musicload und AOL. "Genaue Marktanteile kann ich nicht öffentlich nennen, aber diese drei Anbieter decken mehr als zwei Drittel des deutschen Download-Marktes ab", sagte GfK-Marktforscherin Viola Löhle. "Rechnet man Handy-Downloads hinzu, ist Vodafone der vierte große Player."

Die Preise aller Anbieter liegen insgesamt über dem Niveau, dass Amazon in den Vereinigten Staaten vorgegeben hat (siehe Tabelle unten). Wie bei Apples iTunes-Shop bietet Amazon einen Einheitspreis für die meisten Songs. Ein Titel kostet 0,89 oder 0,99 US-Dollar. In deutschen Download-Shops schwanken die Preise zwischen 0,79 und 1,69 Euro (Musicload). Der Anbieter Saturn sah sich sogar außerstande, SPIEGEL ONLINE den Höchstpreis für Downloads zu nennen. Folge des Preis-Wirrwarrs: Die Verbraucherzentrale NRW zahlte bei Stichprobekäufen im vorigen August für einen Songs ("Hamma!" von Culcha Candela) je nach Anbieter 0,95 bis 1,29 Euro.

Überblick: Deutsche Kaufmusik-Angebote

Angebot iTunes Amazon.de Musicload Saturn Napster**
große Labels im Angebot EMI, Universal Music, Warner, SonyBMG EMI, Universal Music, Warner, SonyBMG EMI, Universal Music, Warner, SonyBMG EMI, Universal Music, Warner, SonyBMG EMI, Universal Music, Warner, SonyBMG
verfügbare Songs insgesamt > 10 Mio. 5 Mio. 6,5 Mio. 5 Mio. 7 Mio.
Dateiformat AAC MP3 MP3 MP3 derzeit WMA
mit DRM
Songs mit DRM -* - - - derzeit alle,
komplette Umstellung
auf MP3 für 2009 geplant

Songs ohne DRM komplett 5 Mio. komplett komplett s.o.
Preis Song 0,69 - 1,29 Euro 0,68 bs 0,99 0,79 bis 1,99 Euro 0,99 0,99
Preis Album Preise von 4,99 bis 25,99 Euro Preise von 4,99 bis 185 6,95 bis 14,95 Euro 9,99 ab 9,95

*iTunes-Titel sollen nach Apple-Angaben seit April 2009 komplett DRM-frei herunterladbar sein ** gilt für das Download-Angebot "light"
Quelle: Herstellerangaben, eigene Recherche
Stand: April 2009

Abgesehen vom iTunes-Angebot ist der größte Teil der in den deutschen Online-Shops verkauften Musik per digitaler Rechteverwaltung geschützt. Derart geschützte Dateien können schlimmstenfalls nicht auf Musik-CDs gebrannt, nicht auf MP3-Player übertragen und nur auf einem Windows-PC gehört werden. Folge: Kunden sollten vor dem Musikkauf die häufig gut versteckten Nutzungsbedingungen lesen, die bestimmen, wie, wo und wie häufig Musik gehört werden darf.

Wichtiges Detail: Musik im am weitesten verbreiteten DRM-Format (WMA von Microsoft) kann man nicht auf iPods abspielen. Dieses Hickhack wird das Amazon-Musikangebot beenden. Denn das Alleinstellungsmerkmal des US-Angebots ist die beliebige Nutzung auf allen MP3-fähigen Geräten.

Deutsche Kaufmusik-Download-Flatrates

Mehrere Anbieter versprechen deutschen Kunden Musik-Flatrates. Der Haken: Die meisten Angebote funktionieren als Streaming: Die Musikdateien werden nie lokal auf dem Rechner gespeichert, sondern immer aktuell über das Internet vom Server des Händler abgespielt. Nachteil: Ohne Internet-Anbindung (und Datenübertragung!) keine Musik.

Napster und Jamba bieten echte Download-Flatrates, bei denen die Musikdateien lokal auf Computern, Mobiltelefonen oder Musikabspielern gespeichert werden. Wichtige Einschränkung: Die Daten sind bei beiden im Windows Media Audio-Format kodiert und per Microsoft DRM 9 geschützt. Man kann die Musik also nur mit Windows-PCs, WMA-kompatiblen Playern oder (bei Jamba) mit einer speziellen Handy-Software hören, die nur auf bestimmten Mobiltelefonen läuft.

Überblick: Deutsche Kaufmusik-Download-Flatrates

Angebot Napster Music-Flatrate Napster Music-Flatrate to go Jamba Music Flatrate
verfügbare Songs insgesamt 5 Mio. 5 Mio. 1,5 Mio.
Dateiformat WMA WMA WMA (PC) / AAC (Handy)
Songs mit DRM 5 Mio. 5 Mio. 1,5 Mio.
Songs ohne DRM keine keine keine
abspielbar auf 3 PCs 3 PCs, 3 Player 1 PC / 1 Handy
Monatspreis 9,99 Euro 14,95 Euro 14,95 Euro
Quelle: Herstellerangaben, eigene Recherche

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