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01. Mai 2013, 10:32 Uhr

Bildkritik von fokussiert.com

Drei Profi-Tipps für bessere Fotos

Weniger Rand oben, dunkle Ränder als Halt fürs Auge, kleinere Blendenöffnung für mehr Schärfe: Mit diesen einfachen Handgriffen werden Fotos noch etwas besser. Profis vom Fachblog fokussiert.com zeigen an drei Beispielen, wie man Fotos durch Bildbearbeitung verbessert.

Für das Schweizer Foto-Blog fokussiert.com analysieren Profi-Fotografen regelmäßig herausragende, von Lesern eingereichte Fotos. Die Profis beschreiben die Stärken der Aufnahme und geben Hinweise, wie sich die Bildwirkung verbessern lässt. SPIEGEL ONLINE veröffentlicht einmal im Monat eine Auswahl dieser Bildkritiken.

Entenschatten

Kommentar des Fotografen Martin Göbe:

An einem See ist mir die Grenze zwischen dem noch zugefrorenen Teil und dem schon aufgetauten kleinen Streifen am Rand aufgefallen. Die Spiegelung der Ente sah eher wie ein Schatten aus, welcher für mich imposant und majestätisch wirkte. Nach mehreren Versuchen bewegte sich die Ente an die richtige Stelle. Genau an den Rand der Eisfläche, wo die Spiegelung ihre volle Wirkung entfaltete. Zunächst noch in Farbe geschossen, habe ich mich schon beim Ansehen für eine Entsättigung entschieden, um die Wirkung des Schattens noch zu verstärken.

Profi Thomas Brotzler zum Foto:

Hinsichtlich der Komposition (siehe Skizze unten) bieten sich der Bereich des größten Kontrastumfangs, also die Spiegelung der Ente, als Blickeinstieg an. Von hier aus wandert das Auge zur Spiegelung des Hauses und zur Gestalt der Ente. Es ist somit eine harmonische Blickführung, die Motivgruppe ist als geschlossene Einheit inszeniert. In Richtung der Bildränder ist viel Luft nach oben und wenig nach unten, das angeschnittene Blatt am unteren Bildrand irritiert auch etwas.

Die Tonwerte sind sehr ausgewogen und unterstützen das kompositorische Grundgerüst. Ein Blick auf die Feinstruktur (siehe Bild rechts) lässt uns in der 200-Prozent-Darstellung des Blickfangs (Gestalt und vor allem Gesicht der Ente) etwas erkennen, was vielleicht nicht als Unschärfe, aber doch als Weichheit erscheint. Hier hätte eine Blende von f/5,6 fast die doppelte Abbildungsleistung gebracht.

Die ausführliche Bildkritik auf fokussiert.com


Teehaus am Hemkund Sahib

Kommentar des Fotografen Alexander Kade:

Das Bild habe ich in Indien aufgenommen, am See Hemkund Sahib, einer Pilgerstätte der Sikh im Himalaja. Der Mann auf dem Bild schenkte in einer Hütte neben dem See Tee aus und die verdampfte Atmosphäre schien mir gut für ein Foto geeignet zu sein.

Profi Thomas Brotzler zum Foto:

Zwei Bildteile eignen sich besonders für den Blickeinstieg: zum einen der rechts unten so prominent positionierte und aus dem Halbdunkel hervorstechende Kessel, zum anderen das etwa im Goldenen Schnitt gelegene Gesicht der Hauptperson.

Beginnen wir beim Kessel rechts unten. Von hier aus wird der Blick links oben auf die von der Hauptperson gehaltene Tasse, danach kurz auf den links von der Hauptperson im Hintergrund gelegenen kleineren Kessel geführt. Unser Blick geht weiter zum Gesicht der Hauptperson, schweift vielleicht nochmals kurz zur Tasse, geht dann jedoch weiter zur zweiten Person im Hintergrund.

Hier entsteht eine kurze Irritation durch die Überstrahlung am oberen Bildrand und die angeschnittene dunkle Person am rechten Bildrand, bevor wir den kleineren Kessel am Bildrand wahrnehmen, von dem aus wir wieder zum Blickeinstieg rechts unten zurückfinden. Die dunklen Flächen links unten, links oben und rechts oben stützen die Komposition und halten den Blick im Bild.

Die Blickführung ist außerordentlich gut gelungen. Aus den verschiedenen Zwischenstationen lassen sich zahlreiche kompositorische Dreiecke konstruieren (wie etwa 1-2-6, 2-3-4, 2-4-5 und 2-5-6), die das Bild sehr lebendig werden lassen. Man mag sich den Kessel rechts unten vielleicht etwas schärfer wünschen, doch die Fokussierung auf das Gesicht der Hauptperson ist zweifelsohne richtig. Die halbdunklen Lichtverhältnisse des Innenraums ließen vermutlich keine kleinere Blendenöffnung (etwa f/8) zur Erreichung einer größeren Schärfentiefe zu.

Die ausführliche Bildkritik auf fokussiert.com

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