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19. November 2013, 08:26 Uhr

Bildkritik von fokussiert.com

Drei Profi-Tipps für bessere Fotos

Kleinere Blendenöffnung, manueller Fokus, mehr Mittelkontrast: Mit solchen einfachen Handgriffen werden gute Fotos noch etwas besser. Profis vom Fach-Blog fokussiert.com zeigen an drei Beispielen, wie man Fotos durch Bildbearbeitung verbessert.

Für das Schweizer Foto-Blog fokussiert.com analysieren Profi-Fotografen regelmäßig herausragende, von Lesern eingereichte Fotos. Die Profis beschreiben die Stärken der Aufnahme und geben Tipps, wie sich die Bildwirkung verbessern lässt. SPIEGEL ONLINE veröffentlicht einmal im Monat eine Auswahl dieser Bildkritiken.

Atmosphärische Stadtlandschaft

Kommentar des Fotografen Alex Hafften:

Das Bild mit dem Titel "Rainman" habe ich am 11.09.07 in Chinatown, New York City, mittags um 12 Uhr aufgenommen. Ein plötzlicher Regenguss fegte die Menschen von der vollen Straße. Es entstand eine surreale Atmosphäre mitten am Tag, in einer für Westeuropäer ohnehin schon fremden Welt - Chinatown, die ich mit diesem Foto einfangen wollte.

Profi Thomas Brotzler zum Foto:

Die Grundstruktur des Bildes lässt sich so beschreiben: In der Hierarchisierung der Bildelemente steht der über die Straße eilende und Schutz vor dem Wolkenbruch suchende Mann links unten (rote Linien, Ziffer 1) ganz oben. Um ihn herum gruppieren sich die anderen Bildelemente: Der zweite Mann (rote Linien, Ziffer 2) als eine Art bewegungsanzeigende Doppelung, die einrahmenden Ampeln und Autos (gelbe Linien). Vereinzelte Senkrechten im Mittel- und Hintergrund markieren den Raum und geben der Gesamtkomposition Halt (blaue Linien).

Alex' Arbeit hat eine schöne atmosphärische Anmutung - die Stimmung vor Ort ist in den Tonwerten und Farben gut visualisiert im Bild und macht die Szene für den Betrachter einfühlbar. Die Tonwertabbrüche im Lichterbereich, die bei einer ruhigen Stadtlandschaft eindeutig störend wären, tragen hier zu der dramatischen Stimmung gut bei.

Auch die Komposition ist zu loben. Jener Mann links unten ist der Protagonist des Geschehens, alles andere (die roten Ampeln als endzeitliches Fanal, die Autolichter als Symbol einer latenten Bedrohung) gruppiert sich um ihn herum. Das i-Tüpfelchen, ohne welches das Bild an Kraft verlöre, ist jener schemenhaft erkennbare zweite Mann.

Solche Bilder eignen sich auch gut für eine Konzeptserie und könnten, wenn man 10 bis 15 davon hat, auch in einer Ausstellung eine gute Figur machen

Die ausführliche Bildkritik auf fokussiert.com

Kleines Wesen in großer Welt

Kommentar der Fotografin Jana Polley:

"Ich wollte die Makrofunktion meines neuen Objektives (Sigma 17-70) testen und war in Brandenburgs Seenlandschaft unterwegs, als dieser kleine Kamerad mir die Freude machte und geduldig Modell stand. Nur die Ameise sollte scharf abgebildet werden und ihr Lebensraum verschwimmen … (Foto ist in LR4 leicht nachgeschärft und Bildrauschen wurde etwas reduziert.)"

Profi Thomas Brotzler zum Foto:

Sehr eingängig und gefällig empfängt das Bild den Betrachter. Die kleine Ameise links oben bildet den Blickfang und das Motivzentrum (blaue Linien), wobei die exzentrische Positionierung etwa im Viertel von links unten ihre Kleinheit und Verlorenheit betont. Weitere Linien mit härteren und weicheren Kontrastkanten ordnen und strukturieren das Bild.

Struktur: Ich habe unten die Zone maximaler beziehungsweise ausreichender Schärfe eingezeichnet - diese lässt sich an der Zeichnung der Blattstruktur einigermaßen ablesen (gelbe Linien). Sie ist extrem knapp bemessen, wie so oft in der Makrofotografie. Wie die Schematisierung aufzeigen mag, verfehlte der Fokus die Ameise, die scharfzustellen es gegolten hätte.

Jana verstärkte das Dilemma noch dadurch, dass sie mit der maximalen Offenblende für diesen Brennweitenbereich arbeitete, was die Schärfezone zusätzlich verkleinerte und das Objektiv weit unterhalb der maximalen Abbildungsleistung (die sich typischerweise bei der Idealblende f/8 bis f/11 findet) arbeiten ließ.

Das empfohlene Aufnahme-Setup für diese Situation wäre eine Blende f/11 bis f/14 mit einer Belichtungszeit nicht über 1/200 Sekunde und manueller Fokussierung gewesen. Der Lichtbedarf wäre demnach ein drei- bis vierfacher gewesen, einer Sensorempfindlichkeit von etwa ISO 1600 entsprechend, was neuere Kameras eigentlich mit vertretbarem Qualitätsverlust (Bildrauschen) schaffen sollten. Alternativ wäre ein aufhellender Makroblitz in Frage gekommen.

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Angler unter der Sonne

Kommentar des Fotografen Holger Schmitz:

"Sonniger Abend am Strand von Nieuwvliet, Niederlande. Ich habe versucht, die ruhige, warme Stimmung einzufangen, die dort abends immer vorzufinden ist. Sony a57 mit Sigma 35 mm, 1,4.t=1/500, f=8,0."

Profi Thomas Brotzler zum Foto:

Als Blickfang fungiert der etwa im Bilddrittel links unten platzierte Angler nebst Tasche. Umrahmt wird dieser von einer Ausbuchtung links und den beiden Angeln mit Stativ. Gekontert wird dieses Ensemble von der dramatisch beschienenen Wolke, welche das durchscheinende Licht zu reizvollen Strahlenbüscheln filtert.

Holger hat die Bildelemente in dieser Aufnahme geschickt platziert. Das Zusammenspiel von Angler, Wolke und Strahlenbüschel weiß zu gefallen. Er tat auch gut daran, unter der Sonne durchzufotografieren, sonst wäre angesichts des enormen Dynamikumfangs der Szene eine manierliche Aufnahme unmöglich.

Was unter diesen Gegebenheiten einer überstrahlten Nachmittagssituation herauskam, würde ich als 'artifizielle Sonnenuntergangsstimmung' bezeichnen - die sonst dunklen Mitten fallen in tiefe Schatten (Scherenschnitt), und die Farben tendieren zu den Warmtönen (Sonnenuntergangsanmutung). Daran ist überhaupt nichts Verwerfliches, nur ist die konstruierte Abendsituation keine reale und müsste nicht in solcher Weise herausgestellt werden.

In der Überarbeitung wurde der Mittelkontrast um zehn Einheiten angehoben und die Schatten um zehn Prozent geöffnet. Die Person, desgleichen, und die Strahlenbüschel zeichnen sich so noch besser gegenüber dem Hintergrund ab.

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