Dropbox versus Mega "Unsere Nutzer machen so etwas nicht"

Welche Auswirkungen wird Kim Dotcoms Online-Speicherdienst Mega für andere Speicherplattformen haben? Droht ein Lobby-Angriff aus Hollywood auf Dropbox und Co.? Ruchi Sanghvi von Dropbox sprach mit uns über Kim, Mega und das eigene Verhältnis zur Unterhaltungsbranche.

Dropbox-Logo: "Es ist nicht unsere Absicht, Urheberrechte zu verletzen"
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Dropbox-Logo: "Es ist nicht unsere Absicht, Urheberrechte zu verletzen"

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München - Sie habe den neuen Dienst von Kim Dotcom noch nicht selbst gesehen, sagt Ruchi Sanghvi, beim Online-Speicherdienst Dropbox als Vizepräsidentin fürs operative Geschäft zuständig. Sie könne die Plattform namens Mega also auch nicht kommentieren. Dann aber lässt sie sich doch zu einem Seitenhieb hinreißen: "Was wir tun, sieht sehr einfach aus, ist aber hinter den Kulissen wirklich kompliziert", sagt Sanghvi, und spielt damit auf die kräftigen Aussetzer an, die Mega direkt nach dem Start zu verzeichnen hatte. Auf die Frage, ob die Preise, die Dotcom seinen Nutzern anbiete, Dropbox nicht in Schwierigkeiten bringen könnten, antwortet sie mit einem Lächeln: "Wir hatten schon immer Konkurrenten", Microsofts Skydrive etwa oder Google Drive, "aber unser Wachstum hat das nicht gehemmt."

Sanghvi ist in München und wirbt beim DLD-Kongress von Hubert Burda Media für ihr Unternehmen - 100 Millionen Nutzer in 200 Ländern, jeden Tag werden eine Milliarde Dateien hochgeladen, 250 Mitarbeiter, bald ein eigenes Büro in Dublin. Doch nun muss sie ständig Fragen über den neuen Streich des Mannes beantworten, den die USA für einen Raubkopierer halten und ins Gefängnis bringen wollen. Aus einem einfachen Grund: Dotcoms Mega genannter Service unterscheidet sich im Kern nicht fundamental von dem, den Dropbox seinen Kunden anbietet. Beide vermieten Online-Speicherplatz, versprechen Zugang zu den eigenen Daten von überallher, verlangen für größere Mengen Speicherplatz Gebühren.

Nutzer teilen hauptsächlich private Dokumente, Fotos und Erinnerungen

Zu Musik- und Filmindustrie habe man "ein sehr gutes Verhältnis", sagt Sanghvi, denn dort wisse man, dass Dropbox Urheberrechtsverletzungen "nicht erleichtert". "Es ist nicht unsere Absicht, Urheberrechte zu verletzen." Dropbox werde für private Dokumente, "für Fotos, für Lebenserinnerungen" genutzt. Musik sei "nur ein kleiner Bestandteil davon". Wenn jemand einen Dropbox-Link entdecke, der zu einer urheberrechtlich geschützten Datei führe, könne er sich an den Kundensupport wenden. "Aber wir bekommen da nicht sehr viele Anfragen."

Einen eigenen "Melden"-Knopf für solche Inhalte hat Dropbox nicht. "Wir sind ja kein Unternehmen wie Facebook, wo die Leute Inhalte hochladen und hinaus in die Welt senden." Sanghvi gesteht zu, dass es möglich wäre, eine geschützte Datei, etwa eine Filmkopie, bei Dropbox hochzuladen und über einen öffentlichen Link allgemein zugänglich zu machen, wie das etwa bei Megaupload die Regel war. "Unsere Nutzer machen so etwas nicht", sagt Sanghvi.

Keine Angst vor dem frechen Kim

In einem entscheidenden Punkt aber gleichen sich Dropbox und Mega. "Wir wissen nicht, was für Inhalte hochgeladen werden", sagt Sanghvi, es finde keine Überprüfung und keine Filterung statt. Die Nutzer würden das vermutlich auch kaum tolerieren. Genau das preist Kim Dotcom als zentrale Eigenschaft seines neuen Dienstes an: Weil alle Uploads vorher verschlüsselt würden - anders als bei Dropbox - könnten die Betreiber unmöglich wissen, was die Kunden hochladen. Also auch nicht für Rechtsverletzungen haftbar gemacht werden.

Auf die Frage, ob sie sich Sorgen macht, dass der freche Kim Dotcom mit seinem neuen Dienst mit eingebautem Missbrauchspotential dafür sorgen könnte, dass Hollywood sich für ein generelles Verbot von Online-Speicherdiensten einsetzen könnte, antwortet Sanghvi vorsichtig. Dotcom habe ja in der Vergangenheit "schon einige Erfahrungen gemacht", aber das habe "die anderen in diesem Bereich tätigen Unternehmen nicht betroffen", sei es Skydrive, Google Drive, iCloud oder Dropbox. Die Ereignisse um Megaupload und Dotcoms Verhaftung hätten "wirklich keine Auswirkungen für uns gehabt". Die Debatte um Online-Speicherdienste aber dürfte trotzdem noch lange nicht am Ende sein.



insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
Goldschwund 21.01.2013
1. optional
So, so...die Dropbox User machen so etwas nicht. Vielleicht aus religiösen Gründen? Könnte man vermuten. Dropbox ist ja quasi das Synonym für das Ewige und Gute.
FrankDr 21.01.2013
2. Sie sollte sich aber Sorgen machen...
... ich liebe Dripbox. Sie hat meinen Alltag erleichtert.Ich speichere unzählige Dokumente nur noch in meinem Festplattenordner, den ich auch mit Dropbox synchronisiere. Dadurch habe ich am Notebook, am Tablet, auf Desktop-PC, auf dem Handy überall immer jederzeit die exakt gleichen Dokumente zur Verfügung - und zwar die jeweils aktuellen, egal von wo ich daran gearbeitet habe. Das ist super; funktioniert allerdings nur weil ich schon mehr als 20 Freunde geworben und dadurch etwas mehr Speicherplatz habe und zusätzlich durch den Kauf meines Samsung Galaxy S3 auch nochmals 50GB bekommen habe. Diese 50GB sind aber temporär begrenzt. Sobald diese wegfallen, werde ich mich umsehen müssen. Allerdings muss ich gestehen, dass Mega zwar 50GB dauerhaft gratis anbietet (Dropbox normal lächerliche 2GB), aber nicht annähernd diese Systemintegration bietet und daher für meinen Verwendungszweck weniger geeignet ist. Dies kann aber noch kommen. 10€/Monat ist mir die Dropbox defintiv nicht wert (da synchronisiere ich wieder manuell) und das ist das günstigste Angebot, dass man den Kunden macht.
gaudibrezn 21.01.2013
3. Noch nicht vergleichbar
Derzeit kann man Dropbox und Mega nicht wirklich miteinander vergleichen. Wie FrankDr schon ausgeführt hat gibt es für (fast) alle erdenklichen Plattformen Dropbox Clients (Windows, Linux, iOS, Android, Blackberry, Symbian, usw.). Da muss Mega erst noch nachlegen. Klar, der freie Speicher ist schon um welten größer. Für mich persönlich zählt aber mehr die Funktionalität und da punktet Dropbox (bei derzeitigen 8,5 GB frei Speicher).
spon-facebook-10000191703 21.01.2013
4. optional
"Dropbox User machen sowas nicht".. Selbstverständlich nicht, die 7 GB großen, passwortgeschützten Rar-Archive, enthalten ganz sicher immer nur die im Archivnamen angekündigten 'Urlaubsfotos Sommer 2012'..
Eckhard 21.01.2013
5. Liebe Technik-Fuzzies, es ging um den Vergleich des kriminellen Potenzials, nicht dar
Und beim kriminellen (Missbrauchs-)Potenzial sind Dropbox und Mega durchaus vergleichbar. Wer sich das Interview im Handelsblatt heute durchgelesen hat ( http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/interview-mit-kim-dotcom-hollywood-foerdert-piraterie/7654626.html ) weiß, dass man den Cloud-Betreibern Unterstützung oder Organisation des Hochladens kriminleller Inhalte nachweisen können muss. Dies wird schon bei Megaupload schwierig werden. Dort versuchen die US-Behörden mit dem Bonussystem für Erst-Hochladungen von Dateien unter 100 MB Kim Dotcom einen Strick zu drehen. Dies wird aber wohl nicht aufgehen, da auch kleinste Serien-Teile in gängiger Internetgröße größer als 100 MB sind. Geschweige denn Hollywoodfilme. Vermutlich wird sogar diese Klage scheitern, da die Infrastrukturanbieter unmöglich für private Inhalte verantwortlich gemacht werden können. Über das "Unsere Kunde tun sowas nicht" gibt es von Seiten Dropboxes keine Abgrenzungsargumente. Mega hätte aber Abgrenzungsargumente gegenüber Megaupload UND Dropbox: durch die Verschlüsselung kann ihnen keine Mitwisserschaft nachgewiesen werden. Also ist das Stillegungspotenzial durch Behörden geringer als bei den beiden. Und das interessiert Firmen-Kunden.
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