DVD-Beipacker Die Preiswert-Filme im Juni

Sie haben die Heizung schon abgestellt, obwohl es draußen noch pfeift? Kein Problem, machen Sie es sich gemütlich und das TV-Programm selbst: Mit DVD-Film-Beipacks in Zeitschriften. Auch in diesem Monat gibts es wieder alles - von Trash über Schmalz bis zum cineastischen Highlight.


AudioVideoFoto Bild

"Hard Rain"

, USA 1998. Regie: Mikael Salomon. Darsteller: Morgan Freeman, Christian Slater, Randy Quaid, Minnie Driver. FSK: 16 Jahre. Preis: 3,30 Euro.

Ein guter Regisseur, eine Truppe guter Schauspieler, ein hinreichend sattes Budget und pralle Effekte ergibt - gute Abendunterhaltung. In Mikael Salomons Mixtur aus Thriller und Katastrophenfilm geht es laut genug zur Sache, dass man das Rascheln der Popcorntüre nicht mehr wahrnimmt. Die gehört unbedingt dazu: Das Ding ist keine hehre Filmkunst, aber ein solider Thriller mit guter Tricktechnik. Macht Spaß, und Morgan Freeman kann eh spielen, was er will: Den nimmt man ernst, auch wenn es unwahrscheinlich wird.

Computer Bild

Taschentücher raus: Heulfilm mit schönen Schauspielern

Taschentücher raus: Heulfilm mit schönen Schauspielern

"Aus nächster Nähe", USA 1996. Regie: Jon Avnet. Darsteller: Robert Redford, Michelle Pfeiffer. FSK: 12 Jahre. Preis: 3,30 Euro.

Jetzt macht die "Mutter" auch noch mit: Computerbild wandelt seit einiger Zeit auf den Spuren ihres eigenen Ablegers AudioVideoFoto. Marketingtechnisch scheint das geschickt: Mit "Aus nächster Nähe" erschließt die Computerbild sicherlich völlig neue Käufergruppen.

Der Schinken ist eine Romantik-Schmonzette mit extrem dickem Zuckerguss. Dagegen, urteilte einst "Die Woche", wirke "jede Soap-Opera wie sozialkritisches Autorenkino". Redford und Pfeiffer brillieren als Bussi-Bärchen, die sich trotz und wegen aller Krisen ganz herzig herzen können und zeigen, dass wirklich gute Schauspieler selbst das völlige Fehlen jedes sinnvollen Drehbuchs zumindest zeitweilig übertünchen. Einer von den Filmen also, bei denen Zartbesaitete Papiertaschentücher en Masse brauchen - und nachher nichts zu berichten wissen, wenn man sie fragt, worum es eigentlich ging. Aber gut sahen sie aus, die beiden.

Die großen deutschen Filmklassiker

"Quax, der Bruchpilot", Deutschland 1941. Regie: Kurt Hoffmann. Darsteller: Heinz Rühmann, Karin Himboldt, Lothar Firmans. FSK: ohne. Preis: 9,99 Euro.

"Quax" gehört zu Heinz Rühmanns bekanntesten Filmen, wird heute als locker-flockige Komödie goutiert. Gedacht war die Klamotte einst natürlich als "Durchhaltestreifen" für die Heimatfront, als bonbonsüße Ablenkung vom Kriegsgeschehen - und von Goebbels Ministerium finanziert.

Geht doch: Wer will, der kann - gerade in Kriegszeiten

Geht doch: Wer will, der kann - gerade in Kriegszeiten

Rühmann drehte solche Filme noch, als Bombenangriffe die Filmvorführung unterbrachen - seiner Karriere schadete es nicht. Die schlichte Story des Films trägt durchaus eine damals kriegswichtige Botschaft: Selbst der letzte Trottel kann als Flieger brillieren und erfährt dann Wertschätzung. So was motiviert doch.

Freunde von Rühmanns Filmen dürfte motivieren, dass diese Zeitschriften-Ausgabe knapp die Hälfte des normalen DVD-Preises kostet.

Digital World

"Fargo", USA 1996. Regie: Joel Coen. Darsteller: Frances McDormand, William H. Macy, Steve Buscemi, Harve Presnell. FSK: 16 Jahre. Ton: Deutsch, Dolby Digital 5.1. Preis: 4,90 Euro.

Mit "Fargo" hat die "Digital World" einen Thriller im Gepäck, der Kritiker einst zu Lobeshymnen hinriss - und zu Recht. Klar ist das keine normale Krimi-Ware, wenn Ethan und Joel Coen dahinter stecken: Die krumme Loser-Story rund um grenzdebile Verbrecher, einen hochschwangeren Sheriff und versehentliche Morde ist so spannend wie bizarr-witzig. Natürlich ist der Streifen auch im Fernsehen schon zu sehen gewesen. Wer ihn aber verpasst hat, macht hier keinen Fehler.

Noch im Handel. Nächste Ausgabe: Juli.

freundin

"Ladies Room", Kanada, Großbritannien 1999. Regie: Gabriella Cristiani, Penelope Buitenhuis, Nadine E. Schwartz. Darsteller: Greta Scacchi, Veronica Ferres, Molly Parker, Lorraine Bracco, John Malkovich. FSK 12 Jahre. Preis: 3,90 Euro.

Auch die Frauenzeitschrift setzt weiter auf DVD-Beipacker - wenn auch nur in jeder zweiten Ausgabe. Die Beipacker der "freundin" sind dabei so etwas wie das Kontrastprogramm zum Standard: Handlung statt Rummbumm heißt die Devise. Auch diese Koproduktion kann mit illustren Namen aufwarten und wird als ambitionierte Komödie verkauft - ein Hit war sie aber weder an den Kinokassen noch später im Verleih. Letztlich ist "Ladies Room" mehr Theater als Kintopp, ein filmisches Kammerspielchen, dass das Damenklo zur Vorhölle erklärt.

Noch im Handel. Nächste Ausgabe: 10. Juni (ohne DVD).

Homevision

"Straight Shooter", Deutschland 1999. Regie: Thomas Bohn. Darsteller: Dennis Hopper, Heino Ferch, Katja Flint. FSK: 12 Jahre. Preis: 4,90 Euro.

Dennis Hopper in einem Action-Thriller aus deutschen Landen: Der Film ist ein Hochglanzprodukt, wie es hierzulande nur selten zu sehen ist. Alle sehen eigentlich immer gut aus, sind mächtig cool, die Leichen fallen wie die Blätter im Herbst. Die Handlung hat sogar sinistre Polit-Konnotationen (Leukämie durch Kernkraft) und täuscht so Tiefe vor - nur die flachen Dialoge riechen nach B-Picture. Dieses deutsche "Stirb langsam" ist auch nicht unglaubwürdiger als der ganz normale Bruce-Willis-Schinken, nur fällt das Überzogene in teutonischen Stadtlandschaften eben eher auf als in amerikanischen Wolkenkratzern.

Noch im Handel. Nächste Ausgabe: Mitte Juni.

PC Go

Feuer frei: An "Chinatown" erinnern vor allem die Hüte

Feuer frei: An "Chinatown" erinnern vor allem die Hüte

"Nach eigenen Regeln", USA 1996. Regie: Lee Tamahori. Darsteller: Nick Nolte, Melanie Griffith , Michael Madsen, Treat Williams, John Malkovich. FSK: 16 Jahre. Preis: 6,99 Euro.

Ein knallharter Krimi mit absoluter Top-Besetzung, der manche Kritiker bei seinem Erscheinen an Roman Polanskis "Chinatown" erinnerte. Das ist mit absoluter Sicherheit übertrieben. Wo Chinatown mit einer dichten Story punktete (das Drehbuch bekam einen Oscar und gilt bis heute als eines der besten aller Zeiten), da setzt "Nach eigenen Regeln" auf Eindeutigkeit: Coole Kugeln, harte Helden, Stil statt Zeitkolorit. Trotzdem ein guter Thriller.



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