DVD-Decoder Sieg für Hollywood

Schon wieder hat ein Gericht in den USA die Betreiber von Webseiten dazu verdonnert, ein Programm zur DVD-Entschlüsselung von ihren Seiten zu nehmen. Links auf den Decoder bleiben allerdings erlaubt.

Von Christiane Schulzki-Haddouti


Auch die einflussreiche Motion Picture Association of America, in der die großen Hollywood- Studios vertreten sind, geht jetzt gegen den DVD-Hack vor - mit Erfolg
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Auch die einflussreiche Motion Picture Association of America, in der die großen Hollywood-
Studios vertreten sind, geht jetzt gegen den DVD-Hack vor - mit Erfolg

Die Reihen gegen den DVD-Decoder "DeCCS" schließen sich. Das Programm DeCCS ermöglicht das Abspielen von DVDs unter Linux, indem es die Verschlüsselung durch den CCS-Algorithmus knackt, mit der DVD-Kopien geschützt sind. Nach der Digital Versatile Disc Copy Control Association (DVD CCA) ist Mitte Januar auch die Motion Pictures Association of America (MPAA) in den Ring gestiegen. Damit treten jetzt auch so bekannte Namen wie Buena Vista Pictures (Walt Disney), Metro-Goldwyn-Mayer, Paramount Pictures (Viacom), Twentieth Century Fox Film (News Corp.), Universal Studios (Seagram) und Warner Bros. (Time Warner) gegen den DVD-Hack an.

Zuvor hatte die DVD CCA kurz nach Weihnachten 21 Personen und 72 Websites verklagt. Der Grund: Sie hatten das Programm DeCCS entweder auf ihrer Website gehostet oder auf DeCCS-Websites gelinkt.

In New York entschied der Richter Lewis Kaplan am Freitag in der Hollywood-Klage im Sinne des Klägers. Er untersagte in einer einstweiligen Verfügung drei in New York ansässigen Betreibern von Websites das Programm DeCSS im Netz anzubieten, herzustellen, zu importieren und der Allgemeinheit anzubieten. Obwohl die Kläger gefordert hatten, auch Websites zu verbieten, die Links zu DeCCS anbieten, bleiben diese vom New Yorker Richterspruch unberührt.

Anders als die DVD CCA hatte die MPAA ihre Klage auf dem Copyright-Argument aufgebaut. Die Verteidigung dagegen blieb bei ihrem bekannten Argument, dass "Reverse Engineering auf der Basis von Interoperabilität" nach dem Digital Millennium Copyright Act erlaubt sei. Die Frage drehte sich deshalb darum, ob es sich bei dem DVD-Hack im Wesentlichen um eine Verletzung des Urheberrechts oder um legales Reverse Engineering handelt.

Entscheidend war für das Gericht schließlich, für welche Seite der größere wirtschaftliche Schaden entstehen würde. Die Richter kamen zu dem Schluss, dass dies bei der DVD-Lobby der Fall sein werde.

In der DVD-CCA-Klage sprach ein kalifornischer Richter ebenfalls eine einstweilige Verfügung aus, mit der das Hosten von DeCCS in aller Welt untersagt wird. Auch hier wurden wie in der New Yorker Entscheidung Websites mit Links auf DeCCS-Hosts ausgenommen.

In Europa ist es in den meisten Staaten allerdings erlaubt, Medieninhalte für den persönlichen Gebrauch zu kopieren. Die US-Urteile können deshalb hier nicht durchgesetzt werden. Die EU-Urheberrecht-Richtlinie, die dies untersagen würde, soll frühestens im zweiten Halbjahr 2000 verabschiedet werden - konnten die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Mitgliedsstaaten doch in genau diesem Punkt bislang nicht behoben werden.



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