DVD-Filmbeileger Liebesgrüße aus dem Jugendknast

Film-DVDs kann man, muss man aber nicht kaufen, denn man bekommt sie auch als Beilage zur Magazinpresse. SPIEGEL ONLINE zeigt, was die deutschen Verlage ihren Kunden in der zweiten Märzhälfte gönnen - und wo sich der Magazin-mit-DVD-Kauf am Kiosk lohnt.


Computer Bild

"Ballistic - Ecks vs. Saver", D/USA 2002. Regie: Wych Kaosayananda. Darsteller: Antonio Banderas, Lucy Liu. FSK: 16 Jahre. Format: 2,35:1 (16:9). Heftpreis: 3,70 Euro

Anfang des Monats setzte die "Computer Bild" auf einen Film mit beschaulichen Tönen, jetzt spricht sie vor allem Actionfans an. Schon nach wenigen Minuten startet ein Dauersperrfeuer der Effekte, in dem sich der abgewrackte FBI-Agent Jeremiah Ecks (Antonio Banderas) mit der äußerst kampferprobten Agentin Sever (Lucy Liu) messen muss.

Nach dem Tod seiner Frau ist Ecks total deprimiert in den Suff abgerutscht, als ihm sein Chef aus besseren Tagen eröffnet, dass die Gute noch lebt. Um mehr zu erfahren, soll er die abtrünnige Sever und einen von ihr entführten Jungen finden, doch hinter dem Fall steckt eine gemeine Intrige, die das Schicksal der beiden ungleichen Agenten überraschend miteinander verbindet.

Das alles klingt besser, als es ist: Der analog zum Film entwickelte Ego-Shooter "Ecks vs. Sever" stand nur allzu deutlich Pate bei diesem 70 Millionen Dollar schweren Actiondesaster, das auch nach sieben Jahren noch im Kritikerportal "Rotten Tomatoes" die Liste der am schlechtesten bewerteten Filme aller Zeiten anführt. Trotz Top-Besetzung, fettem Budget und entsprechender Glanzeffekte präsentiert der thailändische Diplomatensohn Wych Kaosayananda mit seinem bislang zweiten Film ein leider selbst für Actionpuristen allzu hirnloses Werk. Selbst eingefleischte Fans Lucy Lius ("3 Engel für Charlie") werden nur wenig Freude an der allzu stoischen Rolle ihres Stars haben. Wer allerdings mit dem Dauergetöse der Explosionen, Gewehrsalven und des fetzigen Scores die Toleranz seiner Nachbarn testen will, liegt hier goldrichtig. Fazit: Action-Fastfood in Hochglanzverpackung.

Ist seit dem 16. März im Handel

ISHQ Bollywood-Special

"Na tum jaano na hum - Nur Dich liebe ich", IND 2002. Regie: Arjun Sablok. Darsteller: Esha Deol, Hrithik Roshan. Sprache: Hindi / Deutsch. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 8,90 Euro

Als ein fernes Echo aus Zeiten, in denen Briefe noch aus Papier waren, finden wir in diesem Monat eine hübsche Verwechslungsromanze á la "E-Mail für Dich" (1998) auf dem Beileger des Bollywood-Magazins. Darin verliebt sich die junge Esha (Esha Deol) so sehr in ihren anonymen Brieffreund Rahul (Hrithik Roshan), dass sie ihre Gefühle zurück hält, als sie ihn zufällig kennen lernt - weil sie nicht weiß, wer er wirklich ist.

Rahul wiederum muss für seinen Pflegbruder eine Frau suchen und wählt dafür Esha aus, obwohl er ähnliches für sie empfindet. Bis er dahinter kommt, wen er da verkuppelt hat, ist die Hochzeit beschlossene Sache und er verschwindet verzweifelt von der Bildfläche. Doch nach vier Jahren erhält er die Chance, seinen Fehler zu korrigieren.

Die Tanz- und Gesangseinlagen choreographierte Vaibhavi Merchant, die seit 1999 bereits mehre Preise gewann und besonders für ihren Song "Kajra Re" aus dem Film "Bunty Aur Babli" (2005) bekannt ist. Hier gelang ihr zwar kein so großer Wurf, jedoch verhalf sie Esha Deol immerhin zu einem Preis als Nachwuchsdarstellerin. Die Tochter des Hindifilm-Urgesteins Hema Malini ("Johny Mera Naam") hinterließ bei den Kritiken des Films auch den besten Eindruck, während der Rest der Crew weniger dick mit Blumen überschüttet wurde. Unter dem Strich ergibt das fast drei Stunden flockig-leichter Musical-Unterhaltung, an denen Genrefreunde ihren Spaß haben werden.

Erscheint am 18. März

PC Action

"Abschaum - Höllenloch der Gewalt", GB 1979. Regie: Alan Clarke. Darsteller: Ray Winstone, Mick Ford. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 7,90 Euro.

Grau sind die Wolken, grau die Klamotten und düster ist die Stimmung der drei eingeschüchterten Jugendlichen, als sie in der berüchtigtsten Erziehungsanstalt auf der britischen Insel ankommen. Carlin (Ray Winstone), der härteste von ihnen, versucht es zuerst mit Ignoranz, doch die brutalen Wärter und die nicht weniger zimperlichen Mitgefangenen spielen da nicht mit. Unterstützt von dem intelligenten, aber seltsamen Archer (Mick Ford) lässt er die Situation schließlich eskalieren, doch das bittere Ende ist vorprogrammiert.

Völlig zu recht warnt die "PC Action" auf ihrem Cover vor den gruseligen 70er-Jahre-Frisuren, doch alle durch den Filmtitel geweckten Splatter-Erwartungen sollte man schleunigst wieder vergessen. Was wir stattdessen mit dem preisgekrönten Amateurboxer Ray Winstone ("Nil by Mouth") in einer seiner ersten Hauptrollen geboten bekommen, ist ein deprimierendes Sozialdrama, das die FSK im Jahr 2006 aufgrund seiner Filmblutarmut endlich auch für Jugendliche freigab. Als harmlos sollte man den Streifen trotzdem nicht bezeichnen, denn seine düstere Atmosphäre kriecht Stück für Stück unter die Haut und ohne Gnade läuft plötzlich der Abspann über den Schirm. Fazit: Sehenswertes Relikt aus einer weniger effektverwöhnten Zeit.

Bis 7. April im Handel

PC Go

"Shattered Day", USA 2005. Regie: Serge Rodnunsky. Darsteller: Matt Baron, Marlon Dunlap. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16. Heftpreis: 6,99 Euro.

Obwohl die beiden Brüder Carl (Matt Baron) und Anthony (Marlon Dunlap) ihren Banküberfall wirklich gut geplant haben, fliegen ihnen in der Schalterhalle bald die Kugeln um Ohren. Womit sie nicht rechnen konnten, sind all die merkwürdigen Motive der mehr oder weniger unfreiwillig Beteiligten, sich in die Geschichte einzumischen. Und deshalb erleben alle zusammen bald einen richtig miesen Tag.

Im Gegensatz zu den Zuschauern, denn dieser kleine, redselige Episodenfilm überrascht, trotz oder vielleicht auch gerade wegen des 150.000-Dollar-Minibudgets, mit dem der Ballett- und Musical-Tänzer Serge Rodnunsky ("Cats") hier eines seiner Independent-Projekte verwirklichte. Zwar geraten ihm dabei die Erzählstränge ab und an etwas durcheinander und die Crew spielt auch nicht immer perfekt auf, doch unter dem Strich kommt dabei trotzdem ein immerhin unterhaltsames Krimi-Drama mit bleihaltigem Finish heraus.

Bis 2. April im Handel

PC Magazin

"Police Story", HK 1985. Regie: Jackie Chan. Darsteller: Jackie Chan, Brigitte Lin. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre

Die schon etwas ältere, dafür aber immer noch sehr schicke Action-Komödie aus dem Hause Jackie Chan ist der erste Teil des gleichnamigen Filmquartetts um einen heldenhaften Polizisten aus Hongkong. Mr. Chan bescherte der Streifen auch international den erhofften Durchbruch, nachdem er in Asien bereits ein Mega-Star war.

Wie in den meisten seiner Filme kämpft Chan wieder weitgehend allein gegen eine Übermacht aus hinterhältigen Schurken um Ruhm, Ehre und Gerechtigkeit, wobei die Handlung eigentlich zweitrangig ist, denn seine einfallsreichen, akrobatischen Künste stellen das eigentliche Highlight seiner Filme dar. Fazit: Lockere Unterhaltung für die ganze, actionbegeisterte Familie.

Bis 2. April im Handel

TV Direkt

"Desert Saints", USA 2002. Regie: Richard Greenberg. Darsteller: Kiefer Sutherland, Melora Walters. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 3,00 Euro

Der zweite Teil des "Action Pack" der "TV Direkt" zeigt uns einen bereits mehrfach auf Filmbeilegern gesehenen Roadmovie, in dem Kiefer Sutherland als Auftragskiller Arthur Banks auf der bösen Seite des Verbrechens mal so richtig den miesen Typen raushängen lassen darf. Bis ihm seine neue Komplizin Bennie (Melora Waters) langsam aber sicher die Show stiehlt, während das FBI ihm auf die Pelle rückt. Und am Tag des nächsten großen Jobs, den wir zwischendurch immer mal wieder kurz in Vorblenden sehen, erwartet nicht nur Arthur schließlich eine böse Überraschung.

Mit über 40 Jahren hat Kiefer Sutherland als Mann an allen Waffen seinen Filmcharakter gefunden. Ob als Weltretter Jack Bauer in "24", als Falscher Fünfziger in "The Sentinel" oder als gnadenloser Bulle in "Break up": Blitzschnell und zielsicher streckt er seine Opfer nieder und sieht dabei immer irgendwie frisch geduscht aus, wenn auch manchmal etwas schlecht rasiert. Hier beschert er uns zusammen mit der vor allem aus diversen Nebenrollen bekannten Melora Walters ("Magnolia") eine gute Stunde solider Krimi-Unterhaltung auf gehobenem TV-Niveau.

Bis 19. März im Handel

TV Movie

"Wehrlos - Die Tochter des Generals", USA 1999. Regie: Simon West. Darsteller: John Travolta, Madeleine Stowe. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro

Kaum ist der obercoole Militär-Ermittler Paul Brenner (John Travolta) einem Mordanschlag entgangen, wird er schon zum nächsten Fall gerufen: Eine Offizierin liegt tot, nackt und gefesselt mitten auf dem Übungsterrain eines Army-Stützpunktes. Zusammen mit seiner Kollegin Sara Sunhill (Madeleine Stowe) gräbt Brenner ohne Rücksicht auf Verluste hinter der Fassade des Militärapparates und stößt auf eine böse Geschichte, in die auch der Vater der Toten, ein hochrangiger General, tragisch verwickelt zu sein scheint.

Wie später in "Basic" (2003) perfektioniert, kann der gereifte Travolta ("Grease") auch hier bereits den gewieften Ermittler mimen, der sich am Ende korrekt entscheidet und für Gerechtigkeit sorgt. Auf dem Weg dorthin macht es richtig Spaß, ihn bei seinen Sticheleien und Hakenschlägen zu beobachten, auch wenn seine Filmpartnerin Stowe ("Twelve Monkeys") dabei manchmal etwas störend daneben gestellt wirkt.

Ohne den moralischen Zeigefinger allzu hoch zu heben zeigte Regisseur Simon West ("Tomb Raider") mit seinem durchweg interessant abgelichteten Krimi nicht nur, dass er sein Handwerk versteht, sondern auch, wie man damit an der Kinokasse noch ein paar gute Dollars verdient. Immerhin übertrafen die Einspielergebnisse das Budget um satte 40 Millionen Dollar.

Bis 19. März im Handel

Widescreen Vision Sonderheft

"Harsh Times", USA 2005. Regie: David Ayer. Darsteller: Christian Bale, Freddy Rodriguez. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 7,99 Euro.

Harte Zeiten erlebt der Irak-Veteran Jim (Christian Bale) nach seiner Rückkehr in die Heimat. Belastet von bösen Erinnerungen hofft er auf einen schlichten Job als Streifenpolizist, der ihm einen Neubeginn mit seiner mexikanischen Freundin erlaubt. Doch alles kommt anders: Er wird abgelehnt und soll stattdessen als Regierungskiller in den Drogenkrieg ziehen. Zusammen mit seinem Kumpel Mike (Freddy Rodriguez) gibt er sich immer mehr dem Alltagsfrust hin, doch die Bombe in ihm tickt und wird irgendwann explodieren. David Ayer machte sich bisher vor allem als Drehbuchautor einen Namen ("Training Day"), hier zeigt er in seinem Regiedebut, dass er auch aus einem Zwei-Millionen-Dollar Budget einiges heraus holen kann, zumal das Skript auf eigenen Erfahrungen beruht. Gekonnt lässt er "Batman"-Star Christian Bale von der Leine und setzt ihm mit Freddy Rodriguez ("Planet Terror") genau den richtigen Widerpart an die Seite. Auch wenn die Story sehr an Ayers bisherige Arbeiten anschließt, kommt dabei unterm Strich ein beeindruckendes Drama heraus, das bis zum bitteren Finale fesselt.

Erscheint am 18. März



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