DVD-Filmbeileger Romantische Cyborgs jagen Terroristen

Die Weihnachtsausgaben der Magazine bieten diesmal ein rundes Paket an DVD-Beilegern zwischen Anspruch, Action und Dramatik. Als Silvester-Schmankerl kann man für einen Euro das "Dinner for One" kaufen. SPIEGEL ONLINE stellt Ihnen die Highlights für die Feiertage vor.


Computer Bild

"Collateral Damage", USA 2002. Regie: Andrew Davis. Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Elias Koteas. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis: 3,50 Euro

Bereits vor zwei Jahren profilierte sich dieser etwas untypische "Arnie-Kracher" als Beileger-Hit des Winters, nun kramt die "Computer Bild" ihn zum Fest wieder aus dem Karton. Der sonst eher für den großen "Rumms" bekannte Actionprofi Schwarzenegger spielt darin einen herzensguten Feuerwehrmann, der nach dem tragischen Tod seiner Familie bei einem Bombenattentat von Polizei und CIA allein gelassen wird. Folglich nimmt er in alltagsheldenhafter Verzweiflung selbst die Spur der Terroristen auf, verzichtet dabei aber auf das übliche Waffenarsenal und wirkt auch textlich etwas bieder. Das macht zwar seine Rolle glaubwürdiger, hat aber seinem Stammpublikum weniger gefallen. Wem das egal ist, der findet hier einen Film mit knöcheltief kritischem Tiefgang. Hätte es davon in Schwarzeneggers Filmkarriere mehr gegeben, wäre ihm die anfänglich von Spöttereien begleitete Umschulung zum Politiker vielleicht schneller gelungen.

Seit dem 10.12. im Handel, nächste Ausgabe am 24.12.

DVD Magazin

"The Hidden – Schatten der Vergangenheit ", USA 2002. Regie: Brett W. Wagner. Darsteller: Kris Carr, Timothy Altmeyer. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis: 3,50 Euro

Mitten in die hoffnungsfrohe Mittelklassexistenz von Eric (Timothy Altmeyer) und Renee (Kris Carr) platzt Erics kleiner Bruder Colson, der nach fünf Jahren Jugendknast für den Mord an einem Drogendealer nun eine feste Bleibe und einen neuen Anfang sucht. Der stille neue Mitbewohner beunruhigt Renee zutiefst und scheint auch ihrem Mann nicht geheuer zu sein, der ihn permanent überwacht. Doch dahinter steckt natürlich eine bittere Wahrheit, die trotz hartnäckigem Schweigen das Bruderpaar irgendwann einholt und nicht nur Renees Welt mächtig durcheinander bringt.

Mit kleiner Crew und begrenzten Mitteln verwirklichte Jungregisseur Brett W. Wagner seine Ende der neunziger Jahre kurz nach der Filmakademie entstandene Idee recht solide, aber wenig überraschend, bevor er in die Werbebranche wechselte. Vielleicht war das der Grund, warum das Psychodrama erst über vier Jahre nach seiner Fertigstellung 2006 auf dem Kölner Fantasy Filmfestival in Deutschland ein größeres Publikum erreichte. Die Begeisterung hielt sich jedoch in Grenzen, was angesichts des vorhersehbaren und viel zu früh aufgeklärten "Geheimnisses" der beiden Brüder wenig verwundert. Trotzdem lohnt der Blick für Liebhaber ungeschliffener Produktionen, die sich gerne etwas abseits vom Mainstream umschauen.

Seit dem 13.12. im Handel, nächste Ausgabe am 31.01.2008

Homevision

"Dancer in the Dark", D/DK/FIN/F/GB/IS/NL/N/S/USA 2000. Regie: Lars von Trier. Darsteller: Björk, Catherine Deneuve. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 12 Jahre. Preis: 4,90 Euro

Zum letzten Mal findet sich die "Homevision" mit einer Film-DVD im Regal, bevor der WEKA-Verlag sie nach etwas über drei Jahren aus dem Reigen der Beileger-Magazine entfernt. Gleichzeitig startet eine fast 10 Euro teurere "Premium-Edition", auf deren High-Defintion-Medien in Form von Bluray- und HD-DVDs jedoch vorerst keine abendfüllenden Spielfilme verteilt werden. Mit dem multinational produzierten Musical-Drama gibt es zum Abschied – wie so oft in den vergangenen Monaten – einen bereits seit mehreren Wochen im Verlagsprogramm rotierenden Film, der auch noch bis Mitte Januar dem "PC Magazin" beiliegt.

Ab Ausgabe 02/08 enthält die "Homevision" keine Filmbeileger mehr.

PC Action

"In the Mind of a Killer", MEX/E 2002. Regie: Isaak-Pierre Racin, Augustín Villaronga, Lydia Zimmermann. Darsteller: Daniel Giménez Cacho, Carmen Beato. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16. Preis 7,90 Euro

Wer von einem Spielemagazin nicht viel mehr als Zombie- oder Schwertkämpferfilme erwartet, erlebt in diesem Monat eine Überraschung. Zwar kommt auch "In the Mind of a Killer" erst einmal als Serienmördergeschichte daher - doch konventionell ist der Film ganz und gar nicht. Es geht um den ungarischen Matrosen Aro Tolbukhin (Daniel Giménez Cacho), der Anfang der achtziger Jahre in einer christlichen Mission in Guatemala sieben Menschen bei lebendigem Leib verbrennt. Nach Festnahme und Todesurteil dürfen ihn drei Journalisten noch ein letztes Mal interviewen. Bereitwillig erklärt Aro ihnen, wie er zum Mörder wurde.

Auf diesen nur scheinbar realen Ereignissen beruhend konstruiert das Regisseur-Trio aus quasi-authentischen Filmdokumenten, Interviewpassagen und offensichtlich nachgestellten Szenen das tragische und grausame Leben Aros sowie die Ereignisse rund um die sieben Morde. Dabei entsteht eine Art hyperrealistische Doku-Soap, die den Zuschauer im Unklaren lassen will, wie weit die Ereignisse real oder fiktiv sind.

Gleichzeitig machen die Filmemacher aber durch die eingesetzten Stilelemente immer wieder deutlich, dass hier nie authentisches Material zum Zuge kommt, also eigentlich alles erfunden ist. Daraus entsteht am Ende ein spannendes Medienexperiment, das seinen Unterhaltungswert vor allem aus der Verwirrung zieht, die es beim Zuschauer stiftet. Ein echter Leckerbissen für Filmfans, die gerne ihre Sehgewohnheiten auf die Probe stellen.

Erscheint am 19.12. im Handel

TV Movie

"Der menschliche Makel ", USA 2003. Regie: Robert Benton. Darsteller: Anthony Hopkins, Nicole Kidman. FSK: 12 Jahre. Format: 2,35:1 (16:9). Preis: 3,30 Euro

Zum 70. Geburtstag von Anthony Hopkins am 31.12. gibt es bei der "TV Movie" Weltliteratur. Neben seiner wohl bekanntesten Rolle als Serienkiller Hannibal Lecter hat der Star bekanntlich noch ein stattliches Repertoire gänzlich anderer Typen im Angebot. Hier verkörpert er in einer Verfilmung des gleichnamigen Romans von Philip Roth den angesehenen Literaturprofessor Coleman Silk, der nach einer zweideutigen Äußerung des Rassismus verdächtigt wird und daraufhin empört seinen Job kündigt.

Das Prekäre daran: Er hat selbst schwarze Vorfahren, hat das aber seit seiner Jugend verheimlicht. Als kurz darauf seine Frau stirbt, sucht er zuerst Genugtuung, erlebt dann aber eine überraschende Romanze mit der wesentlich jüngeren Faunina (Nicole Kidman), die ihre ganz eigenen, düsteren Geheimnisse verbirgt. Spätestens mit Auftauchen ihres gestörten Ehemanns (Ed Harris) wird schnell klar, dass diese Geschichte kein gutes Ende nehmen wird.

In Anspielung auf die zeitgenössische Lewinsky-Affäre, bei der die "Makel" auf dem Kleid der Praktikantin für den damaligen Präsidenten Clinton eine so entscheidende Rolle spielten, schuf der Schriftsteller Roth 1998 mit seinem Roman über die Unmöglichkeit eines perfekten Lebens ein hoch gelobtes Meisterwerk, dessen Verfilmung umso kritischer begutachtet wurde. Trotz aller Mühen konnte Robert Benton ("Kramer gegen Kramer") solch hohe Erwartungen nur begrenzt erfüllen und scheiterte für viele Kritiker am Vergleich mit der großen Buchvorlage.

Wer sich davon nicht irritieren lässt, erlebt ein vielschichtiges Drama mit durchgängig hautnah agierender Crew, die richtig Lust auf das vielleicht noch nicht gelesene Original macht.

Seit dem 14.12. im Handel

Vanity Fair

"Dinner for One", D 1963. Regie: Heinz Dunkhase. Darsteller: Freddie Frinton, May Warden. Sprache: Englisch. FSK: ohne Beschränkung. Format: 1,33:1 (4:3). Preis: 1,00 Euro

Wer diese kleine Posse aus den sechziger Jahren nicht kennt, hat noch nie richtig Silvester in Deutschland gefeiert. Jedes Jahr verfolgen unzählige Augen traditionsbewusst auf diversen ARD-Sendern zum Neujahrswechsel den knapp 18 Minuten langen alkoholischen Verfall des Butlers James (Freddie Frinton).

Als treuer Diener schlüpft er in die Rolle all jener Freunde seiner Chefin Miss Sophie (My Warden), die bereits gestorben sind. Da die greise Dame mittlerweile ihren 90. Geburtstag feiert, ist er als einziger lebendiger Gast übrig geblieben und trinkt sich pflichtbewusst durch dementsprechend zahlreiche Glasfüllungen hindurch.

Die Auswirkungen sind bekannt und passen bis heute wohl immer noch perfekt zur feuchtfröhlichen Silvesterlaune nicht nur deutscher Eingeborener, wovon eine internationale Fangemeinde zeugt. Dank der wirklich sehr günstigen DVD mit dem NDR-Original in voller Länge können sich jetzt auch alle ans Ende der Welt Verschlagenen diesem Kult heimatverbunden anschließen.

Seit dem 14.12. im Handel.

Widescreen Vision Sonderheft High Definition

"Cyborg 2", USA 1993. Regie: Michael Schroeder. Darsteller: Elias Koteas, Angelina Jolie. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis: 7,99 Euro

Cash Reese (Angelina Jolie) ist ein cooler, wohlgerundeter Cyborg und zur Prostitution zusammengebaut worden. Ihre Grundausbildung in Kampfkunst erhält sie von ihrem Personal Trainer Colt Ricks (Elias Koteas), der mittlerweile jedoch einen Narren an ihr gefressen hat. Als der Mutterkonzern seinen Cyborg in eine wandelnde Bombe umbauen und für Attentate auf die Konkurrenz nutzen will, streikt Colts schwärmendes Herz und er brennt mit Cash durch. Doch es dauert nicht lange, und üble Kopfgeldjäger sind ihnen auf den Fersen.

Im Gegensatz zu seinem kultigen Vorgänger von 1989 mit Jean-Claude Van Damme steht hier nicht nur die stellenweise sehenswerte Action, sondern vor allem der Blick auf die damals gerade mal 18 Jahre junge Frau Jolie im Mittelpunkt des Geschehens. Schließlich verdiente sie sich mit dieser ersten Hauptrolle wertvolle Sporen auf dem Weg zur ausgewachsenen Actrice bei späteren Turn-Abenteuern (Lara Croft etc.).

Wer jedoch mehr als das sucht, wird wenig finden. Neben durchaus solider Kulisse und ein paar netten Tricks krankt der Film doch sehr an seinem sehr dünnen Plot und den misslungenen Versuchen, an den ersten Teil anzudocken. Fazit: Hirnfreie Unterhaltung für frostige Tage.

Seit dem 12.12. im Handel.



insgesamt 431 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
christian simons 14.06.2005
1.
Der größte Segen der DVD besteht für mich nicht in der oft brillianten Bild und Tonqualität, den vielen Extras und den sorgfältig restaurierten, originalgetreuen Fassungen der Filme. Nein, es ist die Sprachauswahl die mich immer wieder beglückt. Vor ca. zehn Jahren mußte ich noch, um Filme im Original geniessen zu können, ins sechzig Kilometer entfernte Landstuhl fahren, auf halblegalen Wegen britisches Pay-TV ordern oder überteuerte Videos aus dem Ausland importieren. Die einzigen Haare in der Suppe sind für mich nur noch deutsche DVD-Editionen, wie zB "Magnolia" und "Pulp Fiction", bei denen man die Zwangsuntertitelung nicht ausschalten kann. Dazu noch ein Videobeamer und eine Dolby Surround-Anlage, die heutzutage auch nicht mehr die Welt kosten, und man kommt dem Kino-Erlebnis zu Hause sehr sehr nahe. Ich meine, die Filmtheater haben Grund sich Sorgen zu machen. BTW, Meine DVDs (http://www.intervocative.com/dvdcollection.aspx/Garak)
prefec2 14.06.2005
2. Das Kino?
Die sogenannten großen Blockbuster sollen nun also auch zeitgleich auf DVD und im Fernsehen zu haben sein. Das soll (mal wieder) das Ende des Kinos sein. Ich denke das wird (wieder) nicht eintreten. Un das hat ganz einfache Gründe. 1. Es gibt Filme, die egal wie gross die Leinwand ist, zuhause nicht gut rüberkommen. Das hat auch nichts mit dem Sound in 5D-Quattro Surround Dolby Qäck zu tun. Es geht hier um Atmosphäre. 2. Das Autorenkino oder andere schöne Kleinode werden auch weiterhin vom Publikum im Kino bevorzugt. Nur eine Sorte von Kino wird in Zukunft seine Schwierigkeiten haben. Das sind diese Cinemaxx-/Mutliplex-Volx-Kinos, welche Hollywood Weichware an die Wand werfen, welche Handlungsfrei ist. Dieser Personenkreis ist sowieso in "Geiz ist Geil"- und "konsumieren noch viel geiler"-Stimmung. Die werden dann lieber "Zapp das Monster 5" oder "Batman 500" zuhause ansehen, wo die Cola nur 50 cent kostet und das Popcorn aus der Microwelle kommt. Man könnte es auch einfach so sagen. Konsumkino hat mit dieser neuen Vertiebsform seine Probleme. Ein ordentliches Progammkino indes nicht. Oder noch drastischer. Unterschichtenkino wird darunter leiden.
DJ Doena 14.06.2005
3.
---Zitat von christian simons--- Meine DVDs (http://www.intervocative.com/dvdcollection.aspx/Garak) ---Zitatende--- Mist, deiner is länger wie meiner (http://www.intervocative.com/dvdcollection.aspx/DJ%20Doena) Bei mir sind es mehrere Gründe: O-Ton ist einer, die Soundqualität ein anderer, neulich bei Star Wars 3 wieder Quatscher im Publikum gehabt und die Boxen haben gedröhnt. Ausserdem kostet ein Kinobesuch in Offenbach 11€ (7,50€ Karte, 3,30€ Fahrkarte), nach 3 Monaten bekommt man die DVD für 15€. Zu empfehlen ist auch dieser Thread hier: http://www.areadvd.de/vb/showthread.php?s=&goto=lastpost&threadid=22637 Ausserdem bekomme ich auf DVD das zu sehen, was im Kino fehlt, z.B. bei der Herr der Ringe SEE, die je Film(!) 35 bis 50 Minuten länger ist, als die Kinofassung
christian simons 14.06.2005
4.
---Zitat von DJ Doena--- Mist, deiner is länger wie meiner (http://www.intervocative.com/dvdcollection.aspx/DJ%20Doena) ---Zitatende--- Das scheint nach oberflächlicher Durchsicht daran zu liegen, dass es für mich auch schon vor 1980 gute Filme gegeben hat. *evil grin*
DJ Doena 14.06.2005
5.
---Zitat von christian simons--- Das scheint nach oberflächlicher Durchsicht daran zu liegen, dass es für mich auch schon vor 1980 gute Filme gegeben hat. *evil grin* ---Zitatende--- Vor 1980 gab es Filme?! *bauklötze staun*
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.