E-Books und Buchpreisbindung Schuss in den eigenen Fuß

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2. Teil: Schreckstarre hilft nicht


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Angefasst: iPad im SPIEGEL-ONLINE-Schnell-Check
"Wer hat Angst vorm Elektrobuch?" fragte kürzlich die "Zeit" treffend und schickte das Fazit schon voran: "Konkurrenzkämpfe und kulturelle Vorurteile verhindern, dass das E-Book sich in Deutschland durchsetzt." Und weiter: "Beinahe jede Neuheit wird, und das seit Jahrhunderten, von Panik begleitet."

Wie sich so etwas äußert, kann man beim "Börsenblatt" des Buchhandels nachlesen, das mal wieder den drohenden Untergang prognostiziert. "Preissturz ins Bodenlose" heißt der Artikel aus dem Dezember vorigen Jahres, der seine Leser auf folgende Weise lockt: "Die Dumping-Strategie im Online-Buchgeschäft und bei E-Books gefährdet nicht nur den unabhängigen Buchhandel in den USA, sondern bedroht auch die Geschäftsgrundlage der Verlage."

Korrekt beschrieb der Artikel die Situation als Rabattschlacht, bei der kleinere Ketten und Einzelläden zwischen den Großhändlern Amazon und Barnes & Noble zerrieben zu werden drohen. Amazon ist dabei das, was Apples iTunes für die Musikbranche wurde: das richtige digitale Angebot aus Sicht der Kunden. Ein Angebot, dass der etablierte Handel zu lang ignorierte. Auch dass das Internet einen medieninhärenten Trend zu Monopolen besitzt, ist nicht wirklich eine Überraschung. In einem globalen, ortlosen Medium nutzt man für einfache Dienstleistungen wie Einkauf, Nachschlagen, Internetsuche oder Auktion im Zweifelsfall eben nur einen guten Anbieter.

Offenbar sickert diese Erkenntnis inzwischen durch. "Europäische Buchhändler, die von der Buchpreisbindung profitieren, wie in Deutschland und Frankreich, verfolgen die Entwicklung mit Entsetzen", heißt es im "Börsenblatt". "Aber sie wird auch an ihnen nicht vorbeigehen, insbesondere dann, wenn Google alle gewünschten Bücher nach Belieben digitalisieren kann."

E-Book deutscher Machart hat kaum eine Chance

Die Ausgangslage ist also klar: Das Angebot an billigen legalen wie kostenlosen E-Books wird schnell steigen, das an Raubkopien ebenfalls. Film-Streams mit ihrem Datenvolumen von 700 MB bis 1,5 GB kann man mit Geo-IP-Technik noch effektiv blockieren. Ein Buch aber mit einer Dateigröße von wenigen hundert KB bis zu wenigen MB dagegen nicht: Im Zweifelsfall bezieht man es eben über einen Proxy, der die geografische Herkunft des Bestellenden verschleiert - oder lässt es sich von Social-Network-Freunden per Messenger schicken.

Aber das ist ja noch nicht einmal nötig. Importbücher unterliegen auch in Deutschland nicht der Buchpreisbindung. Clevere Amazon-Afficionados bestellen ihre fremdsprachigen Bücher nicht im deutschen Shop, sondern mit Preisvorteil in England. Und E-Books bekommt man dann eben sofort.

So mag auch ein Großteil der bisher in Deutschland verkauften E-Books fremdsprachig sein. Mit wachsender Nachfrage ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis E-Book-Shops irgendwo im Ausland beginnen, auch E-Books in deutscher Sprache anzubieten. Gegen die dann zu erwartenden Sonderangebote wird das buchpreisbindungsgeschützte E-Book deutscher Machart dann wohl kaum eine Chance haben.

iPad hin oder her - es ist Zeit, dass die druckende Branche begreift, dass man sich selbst schadet, wenn man die digitale Version verhindert, um das Druckwerk zu schützen.



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Herz_aus_Stahl 01.02.2010
1. mehr als einmal
mehr als einmal habe ich schon Bücher in anderen Ländern gekauft in denen es auf Grund der Wechselkurse deutlich billiger war, das betrifft natürlich nicht nur Bücher sondern alle Dinge, sebst den Ladergler den man in Australien kauf weil er da nur einen Bruchteil des hier aufgerufenen Preises kostet.
ChriDDel 01.02.2010
2. IT Verpennt
Tja, in De wird mal wieder ein IT trend verpennt. Und dass, wo doch Zuse den Computer in DE erfunden hat. Buchpreisbindung war mir schon immer ein Dorn im Auge, obwohl ich kaum Bücher lese. Bei E-Books ist es da schon anders. Ich habe auf meinem Android Handy einen e-Book reader. Der stellt Bücher im epub Format dar. Find ich super. Da lese sogar ich. Musik kauf ich allerdings noch immer als CD. 1. Ich habe gerne eine Schöne CD in der Hand 2. Warum soll ich für ein MP3 das gleiche bezahlen wie für die schöne CD mit Booklet? 3. Mp3s ripp ich mir dann selber. So oft ich will. Die CD bleibt danach als Backup im Schrank Von mir aus können die auch gleich MP3s (oder bessere Qualität) auf ne CD/DVD legen. Dann sparr ich mir das rippen.
der_durden 01.02.2010
3. Status Quo
Zitat von ChriDDelTja, in De wird mal wieder ein IT trend verpennt. Und dass, wo doch Zuse den Computer in DE erfunden hat. Buchpreisbindung war mir schon immer ein Dorn im Auge, obwohl ich kaum Bücher lese. Bei E-Books ist es da schon anders. Ich habe auf meinem Android Handy einen e-Book reader. Der stellt Bücher im epub Format dar. Find ich super. Da lese sogar ich. Musik kauf ich allerdings noch immer als CD. 1. Ich habe gerne eine Schöne CD in der Hand 2. Warum soll ich für ein MP3 das gleiche bezahlen wie für die schöne CD mit Booklet? 3. Mp3s ripp ich mir dann selber. So oft ich will. Die CD bleibt danach als Backup im Schrank Von mir aus können die auch gleich MP3s (oder bessere Qualität) auf ne CD/DVD legen. Dann sparr ich mir das rippen.
Der klassische deutsche Weg: Digital Trends verschalfen und dann mit Klagen alle Energie verschwenden. Es darf nicht sein, dass der Status Quo verloren geht. Dabei könnten die Verlage schon alles unter Dach und Fach haben. Aber schlaft weiter, schärft Eure Anwälte, stärkt Eure Lobby. Dann dürft Ihr sicher sein, dass andere das Geschäft für Euch machen.
ocinator 01.02.2010
4. zustimmung
Ich kann dem SPON Autor nur zustimmen. Wenn die dt. Verlage nicht bald die Kurve kriegen, wird es einige Pleiten geben. Nur von den konserativen-, "ich will ein richtiges Buch in der Hand haben wenn ich schon Geld dafür bezahle" Lesern wird man langfristig nicht überleben können, und mit Kindle, IPad & Co wird das E-Book lesen (und kaufen) immer komfortabler. Wieso man für ein E-Book genausoviel bezahlen soll, wie für ein gedrucktes Buch, ist mir völlig unklar und ich weiß auch nicht, wie man so eine These bei vollem Verstand überhaupt vertreten kann. Mindestens die vollen Druck-, Transport- und Lagerungskosten müssten vom Preis abgehen.
JWG 01.02.2010
5. e-books sind keine Bücher
e-books sind keine Bücher sondern Dateien, die ich mit einem etnsprechenden Lesegerät lesen kann. Was hat also die Preisbindung für solchen Dateien für eine rechtliche Grundlage? Leider verschlafen die Verlage diesen Vertriebsweg: Ein e-book Leser ist nicht daran interessiert, ein schönes Buch sondern einen Text zu lesen, Aufmachung egal eher zu vergleichen mit paperback. Einmal gelesen dann in den Papierkorb oder ins Datengrab. Ein solcher Leser ist grundsätzlich an brandneuem Text interessiert; an diesem Markt- also Bestseller und Neuerscheinungen für den e-Leser- geht das deutsche Verlagswesen fast vollständig vorbei. Natürlich ist der normale e-Leser (als normalen e-Leser betrachte ich nichtkriminelle Leser, die Diebstahl verabscheuen) bereit, für die Leistung "interessanter Text" zu zahlen; aber der Preis sollte deutlich unter dem Buchpreis liegen, da der Aufwand für diese Vertriebsseite ja wesentlich geringer ist. Ich kann mir allerdings eine Preisgestaltung orientiert am Aktualitätswert des Textes vorstellen also Neuerscheinung teurer als ältere Texte. Ärgerlich finde ich die DRM Verschlüsselung nicht wegen des Schlüssels, den habe ich ja mit der Erwerbung, sondern dass ich an Digital Editions gebunden bin mit deren lausigem Reader -keine Hochformat, kein fullscreen- . Ich möchte mir meine software und damit Gestaltung am Bildschirm selber aussuchen so wie ich eigene Texte aussuche; also epub ohne Verschlüsselung oder ein Verschlüsselungspaket das verschiedenen Leseprogramme zulässt. Ansonsten finde ich die Preisbindung für Bücher verständlich aber nicht dem Marktgeschehen angemessen. Wieso sollen Verlage geschützt werden und und Bäcker und Tante Emma läden nicht: Nur weil sie die bessere Lobby haben?
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