E3-Schlaglichter Sony unterdrückt den Schmerz

Die Aussteller auf der E3 in Los Angeles machen sich warm, während Spieleriese Sony den von Microsoft servierten Tritt vors Schienbein verdaut: Dass das kommende GTA-Spiel nicht zuerst auf der Playstation laufen wird, findet Sony-Spielechef Phil Harrison nicht weiter schlimm. Sagt er.

Von mit Christian Stöcker, Los Angeles


Noch hallen die Vorab-Pressekonferenzen der "großen Drei" Sony, Microsoft und Nintendo nach und wirbeln Stäubchen auf. Insbesondere die Sony-Vertreter, die von Microsofts Coup, das kommende GTA-Spiel als Erstveröffentlichung auf die XBox-Plattform gezogen zu haben, augenscheinlich kalt erwischt wurden, bemühen sich nach Kräften, nicht zu husten.

Bisher hatte GTA ja als kräftiges Kaufargument für die kommende Spielekonsole PS3 gegolten. Das hatte schließlich früher auch ganz prächtig funktioniert: So wirkte selbst die Veröffentlichung von "GTA - San Andreas" für die das betagte PS2 bis ins letzte Jahr noch einmal verkaufsbeflügelnd. Aus der Traum: Exklusiv erscheint die nächste Folge nicht mehr.

Das, versichert Phil Harrison, Chef der Spieleentwicklung bei Sony, sei aber halb so wild.

Harrison im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: "Ich glaube, dass GTA in der PS2-Ära einen sehr großen Einfluss auf den Markt hatte. Aber ich glaube nicht, dass es für die nächste Generation der Konsolenspiele eine vergleichbare Wichtigkeit haben wird. Natürlich respektieren wir die Entscheidung der GTA-Entwickler Take2, das Spiel jetzt für verschiedene Plattformen anzubieten. Das ist deren Entscheidung, kein Problem. Die gute Nachricht ist doch, dass es nach wie vor auch auf ihrer Lieblingskonsole erscheinen wird, und das ist die PS3."

Die verspricht beeindruckende technische und grafische Fähigkeiten und hat nur einen Schönheitsfehler: Man kann sie - im Gegensatz zu Microsofts XBox - noch nicht kaufen. Microsoft hofft - auch mit der Aussicht auf Spiele-Blockbuster wie GTA - bis Weihnachten zehn Millionen XBox 360 unters Spielervolk zu bringen. Das soll bis dahin für die Zusammenstellung des Wunschzettels satte 160 Spieletitel zur Auswahl haben. Bei aller souverän demonstrierten Ruhe beginnt man sich zu fragen, woher Sony die nimmt.

World of Warcraft: Endlich neue Rassen

Von den Geräteherstellern und ihren Fehden zu den Spieleentwicklern und ihren Novitäten: Blizzard Entertainment erlaubte am Mittwochnachmittag (US-Ortszeit) einen ersten Blick auf die Spieleerweiterung "Burning Crusade" zu "World of Warcraft". Darauf haben die Fans des Online-Rollenspiels tatsächlich seit längerem gewartet, denn bei inzwischen sechs Millionen zahlenden Abonnenten, die die Welt von WoW als Zwerge, Menschen, Elfen, Orks, Gnome, Trolle oder Untote bevölkern, erscheint deren Verbreitung inzwischen doch leicht inflationär.

Dass mit den "Draenei" und den "Blutelfen" nun zwei weitere - zumindest für kurze Zeit - exotische Rassen hinzukommen, dürfte da als gute Nachricht durch die WoW-Welt schallen. Schnürt Eure Schwerter, Ihr Möbelverkäufer, Unterprimaner, Hausfrauen und sonstige Helden: Jetzt kommt neuer Schwung in Euer Doppelleben!

Trend: Veraltete Spiele

Microsoft bedient derweil den wohl stabilsten und langlebigsten Trend überhaupt: die sogenannten Klassiker. Im Gegensatz zu modernen, aufwändigen Spielen mit Halbwertszeiten von mitunter nur wenigen Monaten, finden die Primitiv-Daddeleien, die uns alle schon als Halbwüchsige begeisterten, weiter ihr Publikum. Dank Deals mit Konami, Midway, Namco und Sega wird man in Kürze so veraltete Spielchen wie "Sonic the Hedgehog", "Pac Man oder "Dig Dug" auf der XBox 360 spielen können. Und zwar "live", denn das ist bei MS inzwischen Programm: Online soll der MS-Spieler daddeln, und am besten kreuz und quer über alle denkbaren Spieleplattformen.

Nokia: Nächster Anlauf

Fast vergessen hat man mittlerweile, dass es neben Nintendos und Sonys mobilen Spielegeräten auch noch was von Nokia gab: das Spielehandy N-Gage. Das blieb zwar im Vergleich zur Konkurrenz ziemlich erfolglos, doch glauben die Finnen offenbar daran, das noch ändern zu können.

Helfen soll da ein Schwüngchen neuer Spiele: Gerade mal sechs frische Titel quer über verschiedene Genres (eine Weltraum-Ballerei, ein Rennspiel, Pokern, Angeln, Golfen, ein Actionspiel) sollen Kaufanreize bieten, eine Kooperation mit Gameloft, die einige ihrer Mobil-Spiele für die N-Gage aufbereiten wollen, ihr Übriges tun. Spätestens dann soll es aber abgehen auf der lang versprochenen Multiplayer-Mobil-Plattform, die das N-Gage prinzipiell ermöglichen soll. Ob die Spieler aber bereit sind, darauf noch bis zur "ersten Jahreshälfte 2007" zu warten?



insgesamt 57 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Pinarello, 10.05.2006
1.
Ein völlig unpassendes Thema, vielmehr sollte man sich dringend Gedanken über die spielsüchtigen Jugendlichen und Erwachsenen machen, die sich mittelrweile vom realen Leben weitgehend abgekoppelt haben und in einer völlig fremden Traumwelt leben. Wer solche Menschen mal gesehen und erlebt hat, der kann nicht verstehen, wie man sich so aus der normalen Welt ausschließen kann und nur noch seiner Spielsucht nachgeht. Die Folgen werden schon in wenigen Jahren dramatisch sein, wenn die Kosten dieses Unsinns von der Allgemeinheit bezahlt werden müssen, also kein Schulabschluß, keine Lehre, kein Leben einfach nichts. Von der immer weiter um sich greifenden Verblödung der Jugend gar nicht erst zu reden. Die PISA-Studie läßt grüßen, dabei war das erst der Anfang. Die richtigen, weil komplexen und völlig einfordernden Rollenspiel fangen jetzt erst an, siehe Warcraft Online.
Haio Forler 10.05.2006
2.
---Zitat von sysop--- Wer macht das Rennen ... ? ---Zitatende--- Microsoft ... Geld gewinnt.
Schluesselmeister, 10.05.2006
3.
Letztendlich kam es immer darauf an, welche Konsole die beliebtesten Spiele bietet und nicht darauf, was die Konsole selbst kann. Ich fuer meinen teil bin gespannt, welche der angekuendigten Features auch voll genutzt werden. Und hoffe darauf, dass nicht nur die grossen Videospielefirmen zum Zug kommen.
Bumblefoot, 10.05.2006
4. Meine persönliche Analyse...
Ich finde den Konsolmarkt seit geraumer Zeit äußerst interessant! Es ist spannend zu beobachten, wie die 3 Hersteller versuchen, sich gegenseitig auszustechen. Vor einigen Jahren zeigte Sega, dass man durchaus so grobe Fehler in diesem Business machen kann, dass man am Ende mit leeren Händen und roten Zahlen dasteht. Damals lag es nicht wirklich am Produkt selbst (die Sega Dreamcast gilt unter Konsolen-Fans bis heute als eine der besten und innovativsten Konsolen), sondern vielmehr am schlecht gewählten Veröffentlichungsdatum. Man kann sich die Frage stellen, ob auch Sony in diese Falle tappen könnte. Der angeschlagene Konzern setzt alles auf den Videospiel-Sektor. Wenn die Rechnung nicht aufgeht, bis Ende März 2007 sechs Millionen PS3 an den Mann/die Frau zu bringen, hat Sony ein ernstzunehmendes Problem. Ich kann nicht einschätzen wie genau solche Verkaufsprognosen sind. Doch ich weiß, dass es viele Spieler gibt, die nicht bis Mitte November auf die "Next Generation" warten wollen und zuvor zur XBOX360 greifen. Auch der Preis spielt hier natürlich eine große Rolle. Wenn man vom jeweiligen Premium-Modell ausgeht, liegen 200€ zwischen den beiden Konkurrenten und 600€ für eine Konsole sind einfach ein Haufen Geld. Zudem ist die Fachwelt alles andere als begeistert von den gezeigten Spiel-Demos der Sony-Konferenz. Im letzten Jahr wurden noch aufgeblasene Tech-Demos gezeigt, die angeblich die In-Game-Graphik zeigen sollten. Nun herrscht Ernüchterung denn man konnte feststellen, dass die graphischen Unterschiede zur XBOX360 (bisher) marginal sind. Dazu die verplante Präsentation eines Online-Dienstes, der noch lange nicht fertig zu sein scheint. Microsoft ist in diesem Bereich schon erfahrener und hat das "online Zocken" (lange Zeit mit roten Zahlen) nach und nach etablieren können. Die Rechenleistung der PS3 liegt über der, der XBOX360 und wird auch über der des Nintendo Wii liegen. Doch das ist noch lange keine Garant für Erfolg. Vor einiger Zeit brachte Sony die PS2 heraus. Ein Jahr später folgte die technisch überlegene XBOX...und verkaufte sich nicht... Ich bin sicher, dass Sony es schwer haben wird auch, obwohl sie das neue BluRay-Laufwerk besitzt. Mit Sicherheit ist es ein Grund für den hohen Preis. Für Videospiele braucht man keine Rohlinge, die 50GB Daten fassen (siehe XBOX360). Dafür kann man natürlich HD-Filme schauen...ja kann man...wenn man einen HD-Fernseher besitzt...und wenn man dann auch noch Wert darauf legt jede einzelne Hautpore von Brad Pitt zu sehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das neue Laufwerk einen Kaufgrund für die Konsolenkäufer darstellt. Diese sind ca. 14-25 Jahre alt, männlich und wollen zocken. Das ist auch gut so, denn wenn die PS3 nur als HD-Player benutzt wird, geht Sony endgültig bankrott. Kauft man nämlich keine Spiele, schadet man Sony lediglich mit dem Kauf einer Konsole. Bleibt noch Nintendo: Vielleicht sind sie am Ende die Gewinner. Das Konzept erscheint schlau: Man macht das "Wettrüsten" der anderen beiden Konkurrenten nicht mit, verbaut günstigere (und auch weniger leistungsfähige Hardware), erzielt dadurch einen günstigeren Preis, beschränkt sich auf das "Daddeln" (spart sich den Versuch eine "Multimedia-Zentrale" zu bauen) und versucht vor allen Dingen innovative Ideen umzusetzen. Ein wirklich neuer Controller, neue Spiele (nicht nur Fortsetzungen), Spiele für Jedermann. Zwar kann ich mir nicht vorstellen, dass meine Oma demnächst vor dem Fernseher sitzt und das neueste "Mario" spielt, doch es gibt viele Zielgruppen die mit Videospielen noch nicht erreicht wurden (Frauen zum Beispiel...). Problem bei Nintendo ist, dass noch immer kein Veröffentlichungstermin feststeht. Daher ist es denkbar, dass Nintendo seine Position letztlich nicht verändert und auf dem 3. Platz bleibt.
Monochrom, 10.05.2006
5.
Es ist doch immer wieder schön anzusehn, wie die Presse den "Krieg" mit oberflächlichen und teils falschen Aussagen beeinflussen kann. Nintendo wird mal wieder in die typische Kinder-Sparte abgeschoben, obwohl auf der PK gestern gleich drei neue Nintendo-Franchise vorgestellt wurden, die aber nun garnichts mit einem Kiddie-Image zu tun haben (Disaster, H.A.M.M.E.R und dieses Truck-Game). Daneben wurde sich ausgiebig Ubisofts Exklusiv-Titel "Red Steel" gewidmet, welcher nicht nur (überraschenderweise) graphisch, sondern auch gameplay-technisch absolut überzeugen konnte. Die neue Funktion des Wii-Controllers ist bahnbrechend und ermöglicht phantastische Möglichkeiten, die garantiert nicht mit einem Tennis-Spiel erschöpft sind (ein Beispiel Red Steel: Die Waffe des Spielheldens neigt sich so, wie man den Kontroller hälr, man hält die Waffe praktisch in der Hand, der Schwertkampf, wo man mit dem Controller die Klinge führt...) Nintendo schafft es mal wieder, eine neue Innovation auf den Markt zu bringen, um letztendlich daran wieder scheitern zu müssen. Denn ich wette, in den nächsten Jahren wird Sony und MS dieses Feature ("feel" instead of "see") in ihre Konsolen ebenfalls einbauen. Sony hat ja schon jetzt den kläglichen Versuch gestartet, mit einer 6°-Neigetechnik den Wii abzukupfern. Zusammen mit den Medien wird das passieren, was schon immer passiert ist. Die Masse schwimmt mit dem Strom und wird sich das kaufen, was angeblich das tollste ist. Was ist das tollste? Beispiel HD-ready... Wer in Europa hat denn bitte schon ein HDTV? Die Technik hat in Europa noch nichtmal einen gemeinsamen Standard. Absoluter Unfug sowas jetzt schon zu benutzen, vor allem weil es einen Großteil der Prozessorleistung frisst - unnötig. Die Nintendo PK verspricht viel neues, und auch altes im neuen Mantel. Aber nein, Nintendo ist ja ein Spielzeughersteller und Sony und MS kloppen sich um die Vorherschaft im Konsolengeschäft, welches Nintendo für seine Konkurenz erweitert.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.