Kampf gegen Cybergrooming Ebay-Kleinanzeigen plant Verifizierung für Nutzer

Kinder und Jugendliche werden im Netz oft belästigt, offenbar auch auf Plattformen wie Ebay-Kleinanzeigen. Das Unternehmen reagiert nun.
Ebay Kleinanzeigen auf dem Smartphone: Bald nur noch mit blauem Haken?

Ebay Kleinanzeigen auf dem Smartphone: Bald nur noch mit blauem Haken?

Foto: Rüdiger Wölk / imago images

Das Verkaufsportal Ebay Kleinanzeigen plant, ab Sommer 2021 eine Verifizierung für Nutzerinnen und Nutzer einzuführen. Das teilte das Unternehmen dem Nachrichtenportal »Heise« mit . Wer Anzeigen erstellen oder Kontakt aufnehmen möchte, müsse demnach seine Identität durch eine SMS-Tan bestätigen. Durch die Identifikationspflicht sollen dem Unternehmen zufolge vor allem Kinder und Jugendliche geschützt werden, die auf Onlineplattformen schnell Opfer von Belästigung werden. Die Verifizierung soll stufenweise eingeführt werden, beginnend mit den Kategorien, die besonders relevant für Kinder und Jugendliche sind.

Die Ankündigung kommt kurz nach der Ausstrahlung einer RTL-Sendung zum Thema Cybergrooming. Als Grooming wird die gezielte Kontaktaufnahme von Erwachsenen zu Minderjährigen bezeichnet, deren Ziel es ist, Vertrauen aufzubauen. Oft findet dies auf Onlineplattformen statt.

Hunderte übergriffige Anfragen in wenigen Tagen

In der Sendung mit dem Namen »Angriff auf unsere Kinder und was WIR dagegen machen können« hatten sich drei Erwachsene als zwölfjährige Kinder ausgegeben. Sie wollten herausfinden, wie schnell Minderjährige zur Zielscheibe von Übergriffen werden. Dafür bewegten sie sich unter anderem auf der Chatplattform Knuddels, aber auch auf Ebay Kleinanzeigen. Innerhalb von drei Tagen bekamen die Schauspieler laut RTL über 500 übergriffige und sexualisierte Anfragen. Das Material wurde inzwischen der Staatsanwaltschaft übergeben. Im »RTL Spezial« war am Montag der Pressesprecher von Ebay Kleinanzeigen, Pierre Du Bois, eingeladen, um über die Vorfälle zu sprechen.

Ebay Kleinanzeigen gibt an, die SMS-Verifizierung schon länger geplant zu haben. Man wolle nun aber auf den RTL-Beitrag reagieren. Die stufenweise Einführung soll bei den Kategorien »Babysitter & Kinderbetreuung« oder »Nachhilfe« beginnen, später auf »Damenkleidung« und anschließend auf das ganze Portal ausgeweitet werden. Langfristig sollen so nur noch verifizierte Nutzerinnen und Nutzer die Plattform nutzen können. Wie genau die Verifikation sichtbar gemacht werden soll, stehe noch nicht fest, heißt es aus dem Unternehmen.

Das Onlineverkaufsportal ist eines der Unternehmen, die von der Coronakrise profitieren: Die Zahl der Inserate stieg – wohl auch, weil Menschen während der Lockdowns viel Zeit zu Hause verbrachten. Im April 2020 zählte das Portal 40 Millionen Inserate, so viele wie noch nie. Das Unternehmen war im Sommer 2020 von dem norwegischen Medienkonzern Schibsted übernommen worden.

jlk
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