EC-Karten-Betrug Polizei sprengt Bande von Automatentricksern

Sie spähen heimlich EC-Kartendaten aus - und heben später Geld ab: Skimmer verunsichern Bankkunden in ganz Deutschland. Jetzt hat die Polizei eine bundesweit agierende Bande festgesetzt. Die Geldautomatentrickser sollen Hunderttausende von Euro ergaunert haben.

Mikko H. Hypponen

Es ist ein kleiner Erfolg gegen die Skimmer-Szene: Die Polizei hat sieben mutmaßliche Mitglieder einer rumänischen Bande festgenommen, die sich auf den EC-Karten-Betrug spezialisiert hatte. Bei Hausdurchsuchungen fanden die Beamten Minikameras und Kartenlesegeräte. Dank einer Zusammenarbeit mit der rumänischen Polizei konnten außerdem zwei mutmaßliche Bandenchefs in Rumänien festgesetzt werden.

Laut Wuppertaler Staatsanwaltschaft beläuft sich der durch die Bande entstandene Schaden vermutlich auf "mindestens mehrere Hunderttausend Euro". In Dortmund, Lüdenscheid und Aschaffenburg wurden Verdächtige verhaftet. Den Männern werden banden- und gewerbsmäßiger Computerbetrug sowie die Fälschung von Zahlungskarten vorgeworfen.

Beim Skimming werden mit Hilfe manipulierter Geldautomaten EC-Karten-Daten sowie die dazugehörigen Geheimnummern ausgespäht. Anschließend erstellen die Skimmer eine Kopie der EC-Karte und räumen mithilfe der erbeuteten PIN - oft an Geldautomaten im Ausland - die Konten der Opfer leer. Das Bundeskriminalamt hatte erst vor kurzem über eine starke Zunahme der Skimming-Fälle berichtet.

Allein im ersten Halbjahr wurden fast 2000 Daten-Attacken gezählt, was fast schon der Zahl des gesamten Vorjahres entsprach. Schwerpunkte seien im ersten Halbjahr Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Berlin gewesen. BKA-Präsident Jörg Ziercke sagte, die Umrüstung der Karten von Magnetstreifen auf Chiptechnologie sei dringend geboten.

Alles zum Thema Skimming und Kartenbetrug
Sie sind Skimming-Opfer geworden?

1. Benachrichtigen Sie sofort Ihre Bank, lassen Sie die betroffene Karte sperren.

2. Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei - gehen Sie zur Wache, dort erhalten Sie im Gegensatz zur Online-Anzeige sofort ein Aktenzeichen, das Sie Ihrer Bank mitteilen können.

3. Beobachten Sie Ihr Konto, Abbuchungen aus dem Ausland können dort ein paar Tage verspätet auftauchen - aktualisieren Sie gegebenenfalls Ihre Anzeige, informieren Sie Ihre Bank.

4. Bei erfolgter Anzeige sollten Sie problemlos Ihr Geld wiederbekommen.

So schützen Sie sich vor Skimmern

1. Achten Sie auf Ihre PIN: Geben Sie die Nummer nur komplett verdeckt ein – nutzen Sie die freie Hand oder einen Geldbeutel. Eine versteckte Kamera im Automatendach könnte Ihre Finger beobachten. Ohne PIN sind Ihre Kartendaten für Skimmer wertlos.

2. Untersuchen Sie den Geldautomaten auf merkwürdige Anbauten, Erhebungen, Löchern und wackligen Bauteilen. Kontrollieren Sie besonders den Kartenschlitz. Leichtes Rütteln erlaubt. Nutzen Sie möglichst immer denselben Automaten. Fallen Ihnen Veränderungen auf, benachrichtigen Sie die Bank, bei Schalterschluss die Polizei.

3. Meiden Sie freistehende Automaten, nutzen Sie weniger frequentierte Automaten Ihrer Bank.

4. Benutzen Sie keine Geldautomaten, die mit spezieller Beschilderung oder ungewöhnlichen Warnungen versehen sind. Das könnte ein Ablenkmanöver sein.

5. Verwenden Sie zum Betreten der Filiale und zum Geldabheben, wenn möglich, verschiedene Karten.

6.Geben Sie die PIN nie an Türöffnern ein. Keine Bank oder Sparkasse verlangt dies.

7. Haben Sie einen Skimming-Verdacht? Benachrichtigen Sie sofort die Bank, bei Schalterschluss die Polizei.

8. Kontrollieren Sie regelmäßig Ihre Kontoauszüge, Ihren Umsatz mittels Onlinebanking. Kontaktieren Sie sofort Ihre Bank bei merkwürdigen Abbuchungen.

9. Beobachten Sie, was Personen, denen Sie Ihre EC-Karte geben mussten (etwa im Supermarkt) mit der Karte tun: vielleicht verstecken sie einen Skimming-Automaten unterm Tisch.

Hier sind Skimmer besonders aktiv

1. Achten Sie besonders bei Reisen in die Türkei, in den Libanon und nach Südafrika auf Ihre EC-Karte. Hier sind Skimmer besonders aktiv – und können direkt Geld abheben.

2. In Deutschland gibt es nach LKA-Angaben kein Skimming-Muster, generell gefährdet sind stark frequentierte Geldautomaten. Wo sich das Skimming lohnt, wird geskimmt.

3. Touristenzentren sind Skimming-Zentren.

4. Egal ob Stadt oder Land: Es herrscht Skimming-Gefahr.

Weitere Automaten-Betrugstechniken

1. In etwa einem Prozent der Skimming-Fälle greifen die Täter mit eigenen Tastenfeldern die PIN-Nummer ab. So ein Angriff ist äußerst schwer zu entdecken.

2. Skimmer tauschen bei einem Einbruch EC-Terminals in Supermärkten mit manipulierten Terminals aus - so ein Angriff ist sehr selten. 2007 erbeutete eine Bande so 4,5 Millionen Euro.

3. Die Täter verhindern die Kartenausgabe im Automaten, der Automat verweigert die Auszahlung - und gibt es dem nächsten Kunden das Geld zusätzlich aus. Ein Klassiker des Geldautomatenbetrugs.

4. Die Täter fangen mit einem Geldschaft-Aufsatz die Geldscheine ab und sammeln sie später ein.

5. Ein Täter beobachtet die PIN-Eingabe des Opfers, ein anderer lenkt es im Moment der Kartenausgabe ab und klaut die Karte. Am Automat nebenan heben die Täter sofort so viel Geld ab wie möglich.

Hier finden Sie weitere Informationen

1. Skimming auf Cyberfahnder.de: Hintergründe, juristische Handhabe, Erfahrungsberichte und ein Arbeitspapier zu den technischen, organisatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen des Skimming

2. "Setzen Sie nicht auf die falsche Karte" - Präventionsprogramm der Polizei

3. "Vorsicht Kartentricks" – Faltblatt der Polizei

4. Kartensicherheit.de - Portal zu "Aufklärung, Vernetzung, Information" der Banken- und Sparkassenverbände

Dass die Skimming-Manipulationen häufig kaum von außen zu erkennen sind, musste auch SPIEGEL-ONLINE-Autor Felix Knoke feststellen. Auch er wurde Opfer der Abzockmasche und verzeichnete erstaunt Abhebungen aus dem Libanon, während er sich in Berlin aufhielt.

Wie dreist die Täter vorgehen, zeigt dieses Video, das SPIEGEL ONLINE vom Bundeskriminalamt zur Verfügung gestellt wurde.

Überwachungsvideo: Geldautomat in 20 Sekunden präpariert
Foto: BKA

insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
roflem 19.07.2010
1. .
Zitat von sysopSie spähen heimlich EC-Kartendaten aus - und heben später Geld ab: Skimmer verunsichern Bankkunden in ganz Deutschland. Jetzt hat die Polizei eine bundesweit agierende Bande festgesetzt. Die Geldautomatentrickser sollen Hunderttausende von Euro ergaunert haben. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,707343,00.html
Das gleiche wird auch mit den POS in Tankstellen und shops gemacht, ganze Ladenketten werden infiziert( vor 2 Jahren eine Baumarktkette in Ruhrgebiet) Die Täter bauen bluetotth chips in die POS und empfangen die Kreditkarten Daten inkl. PIN per SMS auf ihrem Handy. Mittlerweile kommen die infizierten POS direkt aus der Fabrik in China, sammeln nur noch Gold und Platin Karten und sandten die Daten per SMS nach Lahore ( letztes Jahr in England). Noch besser sind die Profis, die sich in die Netzwerke hacken, die brauchen die PIN nicht mehr, die kriegen sie an den Netzwerk Knotenpunkten der Kreditkarten Datenleitungen geliefert weil sie dort erst entschlüsselt werden bevor sie verschlüsselt wieder weiter reisen....
franxinatra 19.07.2010
2. Das ist doch erst der Anfang
Es gibt Satiren, die liefern Steilvorlagen: http://ksta.stadtmenschen.de/blogs/mod_blogs_eintrag/blog/kstablog/thema/vermischtes/eintrag/wenn_sich_wirklichkeit_und/ocs_ausgabe/ksta_blogs/index.html
sushbone 19.07.2010
3. Chip auf der Karte - was bringts..
BKA-Präsident Jörg Ziercke sagte, die Umrüstung der Karten von Magnetstreifen auf Chiptechnologie sei dringend geboten. -> Und was nutzt dass solange nicht auch alle Automaten im Ausland umgerüstet sind? Solange nicht weltweit alle Automaten auf Chip umgerüstet sind (und das wird wohl nicht so schnell passieren) sind die Banken doch gezwungen Chip und Magnetstreifen auf einer Karte zu platzieren. Und solange existiert auch das Problem, egal ob mit Chip auf Karte oder ohne.
ralfmdx 19.07.2010
4. Letzte Woche...
...erst meine beiden EC Karten, bzw. neue, zurück bekommen da beide an einem manipulierten Automaten eingesetzt worden waren und zwei Tage später eingezogen wurden, da die Manipulation entdeckt worden war und sicherheitshalber alle Karten gesperrt wurden die dort benutzt worden sind. Ich hatte mir den Automat noch genau angesehen und nach Manipulationsmerkmalen gesucht - nichts augenfälliges bemerkt.
Peter Sonntag 20.07.2010
5. Schande über Schland !
Warum müssen diese Betrüger eigentlich immer Ausländer sein ? Kriegen wir Deutschen so etwas nicht auch hin ? Wir sollten uns schämen.
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