eCHIRP Der Twitter-Klon der US-Geheimdienste

US-Geheimdienste bauen für ihre Mitarbeiter das Internet nach. Mit abgeschotteten Diensten, die öffentlich zugänglicher Software wie Twitter nachempfunden sind, kontrollieren sie den Nachrichtenfluss. Lieber "sicher chirpen" statt twittern, werben sie.
intelink.gov: Bloggen, "chirpen" und chatten - eine Plattform für Nachrichtendienstler

intelink.gov: Bloggen, "chirpen" und chatten - eine Plattform für Nachrichtendienstler

Offenbar trauen die US-Geheimdienste dem Mikroblogging-Dienst Twitter nicht über den Weg. Zumindest nicht, wenn es um die Verbreitung der eigenen Informationen unter Angestellten geht. Sie bauen für diesen Zweck seit Jahren lieber viele erfolgreiche Web-Dienste und Social-Media-Anwendungen nach. So können sie den Informationsfluss kontrollieren und intern die Vorteile der modernen und schnellen Kommunikationsformen auskosten.

Ironischerweise wirbt das führend beteiligte Informationsnetzwerk  der US-Geheimdienste Intelink  damit, dass ihr Programm zum Chatten, eine Art Geheimdienst-Wikipedia namens Intellipedia oder auch der Twitter-Klon eCHIRP (abgeleitet von chirp: etwa zwitschern oder tschilpen) besonders sicher sind. Intelink existiert seit 1994 und stattet die Geheimdienste im Namen der U.S. Intelligence Community (IC) mit Mitteln zur Kommunikation aus. Die Aufgabe der IC ist es, als Zusammenschluss von beispielsweise CIA, NSA und Homeland Security die Arbeit der Dienste zu koordinieren.

Der Twitter-Klon eCHIRP soll seit 2009 als Pilotprojekt existieren und seit 2010 breit eingesetzt werden, berichtet die "Washington Post" . Dabei sei das Werkzeug vor allem für Analysten interessant, die so in einem sicheren Umfeld auf Informationen schnell reagieren und sich beraten könnten.

Software-Klone besser kontrollierbar als Vorbilder

Mit der hauseigenen Software stopfen die Geheimdienste und Behörden, ähnlich wie viele Firmen in der Wirtschaft, lästige Sicherheits- und Informationslecks, die Angestellte aufreißen könnten, würden sie das öffentliche Internet benutzen.

Beispielsweise ist normales Twittern in vielen US-Behörden für die Angestellten tabu, da in den vergangenen Jahren immer wieder Social-Media-Dienste zum Problem wurden. Unbedachte Äußerungen von Behördenvertretern selbst oder falscher und fahrlässiger Umgang mit den Diensten sorgten für Schlagzeilen - und boten Stoff für peinliche Skandale, wie im Fall von Anthony Weiner. Der Demokrat hatte über Twitter versehentlich an seine Tausenden Follower Nacktfotos verschickt, statt diese als private Nachricht zu versenden. Jüngst wurde dem Ex-NSA-Chef Michael Hayden ein twitternder Zuggast zum Verhängnis. Ein Sitznachbar verbreitete über den Mikroblogging-Dienst den Inhalt eines vertraulichen Gesprächs, das er zufällig mitgehört hatte.

Da sich die großen Internetdienste, wie der NSA-Skandal um Edward Snowden und Programme wie Prism zeigen, zwar gut überwachen lassen, aber nicht in Gänze kontrollierbar sind, bietet selbstproduzierte und betriebene Software Vorteile. So heißt es offiziell immer wieder, dass die Sicherheit und der Schutz der Behördencomputer und Mobiltelefone vor Viren und Trojanern eine wichtige Rolle spielen würde. Sicherlich legen die US-Geheimdienste auch auf die vollständige Kontrolle der Kommunikation ihrer Mitarbeiter großen Wert.

Mitarbeiter vor Öffentlichkeit schützen

In einer Präsentation aus dem Jahr 2010  wirbt Intelink mit dem Slogan: "Warum in der Öffentlichkeit tweeten ... wenn du auch sicher eCHIRPEN kannst!". eCHIRP ist nur für registrierte Nutzer über eine Regierungsseite  zugänglich und gehört zu einer Reihe abgeschirmter Programme, die von der US Intelligence Community (IC) eingesetzt werden. Zu den Nutzern gehören laut der zum 15. Geburtstag von Intelink entstandenen Folie neben Geheimdiensten auch Personen aus den Bereichen "Diplomatie und Auslandsbeziehungen".

Offenbar sind die Dienste auch auf mobilen Geräten einsetzbar, suggerieren die Verantwortlichen. Einer Abbildung eines typischen App-Bildschirms auf einem Smartphone steht eine Übersicht von Geheimdienst-Apps gegenüber. Für die beliebten Dienste wie WordPress, YouTube oder Flickr ist dabei jeweils ein Geheimdienst-Pendant mit simplen Namen wie Blogs, iVideo oder Gallery genannt.

Bis August 2010 zählte Intelink etwa 12.000 Nutzer von eCHIRP, die ungefähr 100.000 Chirps abgesetzt haben. Und auch die Geheimdienst-Wikipedia Intellipedia ist durchaus beliebt: Fast 200.000 Behördenmitarbeiter sollen gut geschützt vor der Öffentlichkeit rund 1.3 Millionen Wissenseinträge beigesteuert haben.

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