Webbrowser Edge Microsoft verärgert Windows-Nutzer mit Zwangs-Update

Mit einem Update wird der neue Edge-Browser derzeit auf Windows-Rechnern installiert. Microsoft geht dabei ziemlich brachial vor - und lässt den Nutzern keine große Wahl.
Downloadseite für Microsofts Edge-Browser

Downloadseite für Microsofts Edge-Browser

Foto: Microsoft

Im Januar hatte Microsoft angekündigt, dass der neue auf Googles Chromium-Technologie basierende Edge-Browser bald an Windows-Nutzer ausgespielt werde. Ein halbes Jahr später ist es nun soweit: Seit einigen Wochen wird der neue Internetbrowser per Update  an die Kunden verteilt. Doch das Update kommt nicht bei allen Anwendern gut an. 

Denn der Konzern verschickt nicht etwa den freundlichen Hinweis, dass ein neuer Browser zur Verfügung steht. Ganz im Gegenteil: Microsoft drängt die Nutzer regelrecht, den neuen Browser zu installieren. Nach dem Neustart in Folge der Update-Installation öffnet sich ein Fenster mit dem Hinweis, dass der bisherige Edge-Browser durch die neue Version ersetzt wird. Das Problem: Man kann die Installation nur fortsetzen und wird aufgefordert, einen neuen Standardbrowser auszuwählen. Wegklicken lässt sich das Installationsfenster nicht. Wer den Vorgang abbrechen will, muss die Installation ruppig im Taskmanager abwürgen. 

Doch das kann zu weiteren Schwierigkeiten führen. Denn der Chromium-Edge-Browser hat zu diesem Zeitpunkt bereits sein Icon in die Taskleiste kopiert, ein Symbol auf dem Desktop abgelegt und Daten von anderen auf dem Rechner installierten Browsern, wie etwa Mozillas Firefox, übernommen. Das berichten Nutzer im Onlineforum "Reddit"  und beklagen sich darüber, dass ihre Lesezeichen im Hintergrund kopiert werden, obwohl sie dem nicht zugestimmt haben. 

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Das Dialogfeld mit der Frage, ob der Microsoft-Browser die Lesezeichen kopieren soll, wird demnach erst später angezeigt. Wenn der Nutzer den Import der Browserdaten ablehnt, werden die bereits übernommenen Lesezeichen wieder aus Edge gelöscht. 

"Taktiken wie bei Anbietern von Adware, Schadsoftware und Ransomware" 

Das Techmagazin "The Verge"  geht mit den Windows-Entwicklern hart ins Gericht. "Ich hätte nie gedacht, dass Microsoft sich selbst ins Knie schießen würde, indem es so tief sinkt und Taktiken anwendet, die ich bisher nur bei Anbietern von Adware, Schadsoftware und Ransomware gesehen habe", schreibt ein Autor in einem Bericht über den Chromium-Zwang. Damit hätten Windows-Updates einen neuen Tiefpunkt erreicht. 

Auf eine SPIEGEL-Anfrage am Freitag hat Microsoft nicht reagiert. Gegenüber dem Portal "Windows Central"  sagte ein Sprecher: "Wir sind überzeugt, dass Browserdaten den Kunden gehören und sie alle Rechte haben, damit zu tun, was sie wollen." Wie bei allen anderen Browsern biete auch Microsoft die Möglichkeit an, bei seiner Installation die Daten anderer Browser zu übernehmen. 

Zwangsupdate überschattet Leistung 

Wer den Chromium-Browser nach dem Windows-10-Update nicht verwenden will, hat keine Möglichkeit, das Programm zu löschen. Das ist den Nutzern vorbehalten, die den neuen Browser bereits vor dem Update manuell installiert hatten. Laut "Chip"  können auch Anwender von Windows 7 und 8 den per Windows-Update eingespielten Chromium-Edge wieder löschen. 

Die Zwangsinstallation überschattet dabei die Vorteile des Browsers. Denn der neue Edge bietet deutlich mehr Leistung als sein Vorgänger, was sich vor allem bei der Darstellung von Onlinegrafiken zeigt. Im Vergleich mit dem Google-Konkurrenten Chrome muss er sich nur knapp geschlagen geben und verweist Firefox in unserem Test auf den dritten Platz. 

Es ist nicht das erste Mal, dass Microsoft seinen Kunden einen Browser aufzuzwingen versucht. Auch mit dem Internet Explorer hatte das US-Unternehmen immer wieder versucht, seine Marktmacht auszunutzen und Mitbewerber zu verdrängen. Die Internetsoftware war zeitweise so fest mit dem Windows-Betriebssystem verzahnt, dass die EU deswegen sogar ein Kartellverfahren gegen Microsoft einleitete.

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