Internationale Umfrage Snowden ist in Deutschland bekannter als in den USA

Fast alle Deutschen wissen, wer Edward Snowden ist. In Italien dagegen kennt nur rund jeder zweite Bürger den ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter. Und selbst in den USA ist Snowden längst nicht so bekannt wie hierzulande.
Plakat mit Bild von Edward Snowden (in Kiel): In Deutschland sehr bekannt

Plakat mit Bild von Edward Snowden (in Kiel): In Deutschland sehr bekannt

Foto: Carsten Rehder/ dpa

Fast jeder Bürger in Deutschland kennt Edward Snowden. Seit der Whistleblower die Dokumente über Spähmaßnahmen der internationalen Geheimdienste veröffentlicht hat, ist Snowden etwa 94 Prozent der Deutschen ein Begriff. Das geht aus einer Umfrage des Centre for International Governance Innovation (CIGI)  hervor. Demnach ist Snowden in Deutschland bekannter als in allen anderen Ländern, die bei der Umfrage berücksichtigt wurden.

Die Mitarbeiter der kanadischen Denkfabrik hatten insgesamt mehr als 23.000 Nutzer gefragt, ob sie schon einmal etwas von dem ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter gehört haben. In Deutschland und 23 weiteren Ländern wurden dafür jeweils knapp 1000 Menschen befragt.

Den Ergebnissen zufolge ist Snowden hierzulande sogar bekannter als in seinem Heimatland, den USA. Dort können nur 76 Prozent der Menschen etwas mit seinem Namen anfangen. Auch in Großbritannien kennen nur 72 Prozent den Whistleblower. Noch unpopulärer ist Snowden in Frankreich, wo ihn 62 Prozent der Befragten kennen. In Italien hat nur ungefähr jeder zweite Bürger (54 Prozent) jemals etwas von Snowden gehört. Schlusslicht der Liste ist Kenia, wo nur 14 Prozent den Namen des Ex-Geheimdienstmitarbeiters kennen.

Konsequenzen aus Enthüllungen gezogen

Viele Nutzer, die über Snowden informiert sind, haben der Umfrage zufolge Konsequenzen aus seinen Enthüllungen gezogen. Durchschnittlich 39 Prozent der Befragten haben erste Schritte eingeleitet, um ihre Privatsphäre zu schützen, in Deutschland kommt die Umfrage zum gleichen Ergebnis. Im Vergleich zum vergangenen Jahr meiden nun 43 Prozent der Nutzer einige Websites und Anwendungen, während 39 Prozent ihr Passwort seither regelmäßig ändern.

Bei der Frage, ob die Teilnehmer ihre Daten im Netz für sicher halten, sind vor allem die Deutschen skeptisch: Lediglich 15 Prozent meinen, dass private Informationen im Netz gut aufgehoben sind. In keinem Land misstrauen die Nutzer den Onlinedienstleistern stärker. Nimmt man die Ergebnisse aus allen Ländern zusammen, dann ergibt sich ein etwas optimistischeres Bild: im Durchschnitt halten immerhin 36 Prozent die privaten Daten im Internet für sicher.

Einig sind sich die Befragten aus aller Welt in erster Linie bei der Frage, ob ein bezahlbarer Zugang zum Internet ein grundlegendes Menschenrecht sein sollte. 83 Prozent der Befragten sehen das so. In den Ländern mit einem politisch autoritären Hintergrund wie Ägypten, Indonesien und Nigeria stimmten sogar mehr als 90 Prozent der Befragten dieser Aussage zu.

jbr