Umgang mit Datenleaks Edward Snowden tadelt WikiLeaks

Nach den Veröffentlichungen über die US-Demokraten und die türkische Regierungspartei AKP steht WikiLeaks in der Kritik. Jetzt tadelt auch Edward Snowden die Enthüllungsplattform.
Edward Snowden in einer Videoschalte (Archivbild)

Edward Snowden in einer Videoschalte (Archivbild)

Foto: FREDERICK FLORIN/ AFP

Der NSA-Whistleblower Edward Snowden hat die Enthüllungsplattform von Julian Assange, WikiLeaks, in ungewohnt scharfen Worten kritisiert. Snowden stört sich laut einer Twitter-Nachricht am WikiLeaks-Prinzip, auch riesige Datensätze unbearbeitet im Netz zu veröffentlichen.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

WikiLeaks hat im Juli mit zwei größeren Veröffentlichungen auf sich aufmerksam gemacht, die beide umstritten sind:

WikiLeaks wirft Snowden "Opportunismus" vor

Auf welche der beiden Veröffentlichungen Snowden sich mit seiner Kritik bezieht, lässt er offen - vielleicht ärgern ihn auch beide. Bei WikiLeaks reagierte man auf seinen Tweet dünnhäutig - und warf Snowden, ebenfalls auf Twitter , "Opportunismus" vor.

Edward Snowden selbst ist für eines der größten Datenlecks der jüngeren Vergangenheit verantwortlich. Seine Datensätze über den US-Auslandsgeheimdienst, die National Security Agency (NSA), stellte er aber nie selbst online. Er übergab sie Journalisten, zum Teil auch Mitarbeitern des SPIEGEL, damit die Dokumente vorher durchgesehen und auf relevante Informationen durchleuchtet werden.

WikiLeaks hatte von Snowden keine Dokumente erhalten. Die Organisation unterstützte ihn aber bei seiner Flucht nach Russland und half ihm, dort Asyl zu bekommen. Dass er öffentlich so harte Worte für WikiLeaks findet, ist daher bemerkenswert. "Die Demokratisierung von Informationen war nie wichtiger als jetzt", schreibt Snowden nun in seinem Tweet.

Nach Leaks zur Türkei ist WikiLeaks in der Kritik

Edward Snowden ist nur einer von zahlreichen Kritikern, die innerhalb der letzten Tage WikiLeaks scharf angegriffen hatten. Die heftigste Kritik provozierte das Türkei-Leak. Die Veröffentlichung sei angesichts des harten Vorgehens der Behörden nach dem Umsturzversuch vorgezogen worden, hatten die WikiLeaks-Aktivisten auf ihrer Website erklärt.

Nur wenige Tausend der 300.000 geleakten E-Mails stammen aber offenbar tatsächlich von Politikern der AKP, heißt es von Nutzern, die die Datenbank ausgewertet haben. Die Mehrzahl der E-Mails hätten Türken ohne offizielles Amt an diese Politiker verschickt.

Persönliche Daten vieler Türkinnen online

Nach der Veröffentlichung zweifelten Journalisten aus der Türkei  bald daran, dass überhaupt etwas Brisantes in dem Leak zu finden sei. Türkische Behörden hatten den Zugang zur Enthüllungsplattform dennoch vorsorglich gesperrt.

Im Kontext der WikiLeaks-Veröffentlichung zur AKP gelangte außerdem eine Datenbank ins Netz, die aktuelle persönliche Informationen zu fast allen Wählerinnen der Türkei und zu allen AKP-Mitgliedern enthält . Allein für Istanbul fänden sich darin fünf Millionen Einträge, heißt es. Betroffene Frauen seien darin mit Name, Name des Vaters, Geburtsort, Geburtstag, Adresse und teils sogar der nationalen Identifikationsnummer aufgelistet.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Datenbank wurde nicht von WikiLeaks, sondern einem privaten Hacker  online gestellt. WikiLeaks habe aber in sozialen Medien darauf aufmerksam gemacht, kritisierte zum Beispiel Zeynep Tufekci, Techniksoziologin an der University of North Carolina und Journalistin. Die Datenbank enthalte kritische Informationen, die von keinerlei öffentlichem Interesse seien, hatte sie in einem Blogeintrag  für die "Huffington Post" geschrieben.

Weil das Leck Daten bis kurz vor der Veröffentlichung einschließe, seien die meisten Informationen noch aktuell und ließen sich von Kriminellen nutzen. "Wir sprechen hier von Millionen Frauen, deren persönliche Informationen einfach so in der Öffentlichkeit abgeladen worden sind", schreibt Tufekci. "Ihre Adressen sind jetzt bekannt, für jeden Stalker, ehemaligen Partner oder missgünstigen Verwandten."

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Mittlerweile ist die Datenbank gelöscht worden, teilte der Hacker, der sie online gestellt hatte, per Blogbeitrag  mit. Er habe nicht gewusst, was genau der Inhalt sei. WikiLeaks sei nicht für die Veröffentlichung verantwortlich, betonte er.

Schelte auch für DNC-Leaks

WikiLeaks hat mittlerweile auch wegen der Veröffentlichung von E-Mails der US-Demokraten Ärger. Die "New York Times" etwa  warf Julian Assange vor, dass er die auf Twitter unter dem Hashtag #DNCLeaks diskutierten Veröffentlichungen extra bis zum demokratischen Parteitag zurückgehalten habe. Auf diesem wurde Hillary Clinton offiziell zur Präsidentschaftskandidatin gekürt. Assange habe ihr gezielt schaden wollen, kritisierte die "New York Times".

Per Twitter forderte WikiLeaks empört eine Berichtigung von der Zeitung, doch dort blieb man stoisch  und hielt die Vorwürfe aufrecht.

mit Material von dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.