eG8-Forum Sarkozy lädt zum Internet-Gipfel

Kurz vor Beginn des Weltwirtschaftsgipfels lädt Frankreichs Staatspräsident Sarkozy zum Netzgipfel. Mark Zuckerberg, Eric Schmidt, Rupert Murdoch und mehr haben zugesagt, wollen über ein "zivilisiertes Internet" diskutieren - doch die Veranstaltung ist umstritten.

AP

Hamburg - Vor den Staatschefs kommen die Firmenchefs: Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy betritt Neuland. Für den Weltwirtschaftsgipfel, der am 28 Mai im französischen Deauville beginnt, hat er die Entwicklung eines "zivilisierten Internets" auf die Agenda geschrieben. Noch nie zuvor wurde dem World Wide Web beim Treffen der G-8-Staaten so viel Raum beigemessen.

Zur Vorbereitung auf das Treffen der Staatschefs lädt Sarkozy für den 24. und 25. Mai prominente Vertreter der Internet- und Medienbranche zu einem Vorab-Gipfeltreffen nach Paris. Etliche Spitzenkräfte der Branche haben ihr Kommen bereits zugesagt, darunter Facebook-Chef Mark Zuckerberg, Google-Verwaltungsratsvorsitzender Eric Schmidt und Medien-Mogul Rupert Murdoch.

Wie es auf der Website zum G-8-Gipfel heißt, sollen diese hochkarätigen Meinungsführer bei der eG8-Forum genannten Veranstaltung zwei Tage lang Erfahrungen austauschen und über aktuelle Entwicklungen im Internet diskutieren. So wird Rupert Murdoch einen Vortrag über Erziehung halten. Auf ihn folgt eine Plenumsdiskussion, bei der sich die Chefs von Unternehmen wie HTC, Qualcomm und Eutelsat über ihre Zukunftspläne austauschen. Für den zweiten Veranstaltungstag sind neben weiteren Vorträgen und Diskussionsrunden mehrere Workshops geplant.

Die Ergebnisse aus diesem Gruppen-Brainstorming sollen dann am 26. Mai den G-8-Staatschefs vorgelegt werden und ihnen als Diskussionsgrundlage dienen - auch wenn die Grundlinien offenbar bereits fertig formuliert sind: Unter anderem sollen Verstöße gegen das Urheberrecht stärker verfolgt werden. Nicht auf der Liste ist das Thema Netzneutralität, das derzeit für nicht konsensfähig gehalten wird.

Maßnahmen zur Kontrolle und Zensur des Interets

So löblich die Einbindung des Themas Internet in das Treffen der acht großen Industrienationen sein mag, so kontrovers wird das eG8-Forum aufgenommen. Allein der Umstand, dass ausgerechnet Sarkozy zu dem Internet-Gipfel geladen hat, stößt etlichen Bloggern sauer auf. Schließlich hat er in Frankreich das Hadopi-Gesetz durchgesetzt, das es möglich macht, beispielsweise Nutzer illegaler Filesharing-Angebote nach mehrfachen Zuwiderhandlungen aus dem Netz auszusperren. Das Sarkozy den Beschluss, das Internet zum Top-Thema des Gipfels zu machen, nicht allein, sondern in Abstimmung mit den übrigen Staatschefs auf die Agenda hob, wird dabei oft außer acht gelassen.

Trotzdem fürchten Kritiker, das eigentliche Ziel des Gipfels könnte es sein, Maßnahmen zur Kontrolle und Zensur des Internets zu verhandeln, wie die "Taz" berichtet. Beispielsweise, indem man die Internet Service Provider zu einer Selbstverpflichtung anregt, Verstöße gegen das Urheberrecht zu melden, ihre Kunden also zu kontrollieren und Inhalte gegebenenfalls zu zensieren.

Kritisiert wird auch die undurchsichtige Finanzierung des Treffens. So habe Sarkozy die Werbeagentur Publicis, bei der sein jüngerer Bruder Francois seit einigen Monaten in hoher Position arbeitet, mit der Organisation des Events beauftragt. Die Gelder, mit denen der Gipfel bezahlt wird, werden einem Bericht des ORF zufolge von den teilnehmenden Unternehmen selbst eingezahlt. Der französischen Tageszeitung "La Tribune" zufolge soll die Einstiegsschwelle dafür bei 100.000 Dollar liegen. Gegen entsprechend höhere Kostenbeteiligungen, sollen auch bestimmte Titel zu haben gewesen sein. Informationen darüber, welche Teilnehmer für ihre Einladung auf diese Weise bezahlt haben und welche tatsächlich eingeladen wurden, gibt es nicht.

Die Schlüsselpositionen dürften ohne finanzielle Hilfen besetzt worden sein: Die Eröffnungsrede hält Nicholas Sarkozy am Dienstagmorgen selbst, für das Abschlussgespräch hat sich Facebook-Mitgründer Marc Zuckerberg verpflichten lassen.

mak



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
takeo_ischi 24.05.2011
1. .
Zitat von sysopKurz vor Beginn des Weltwirtschaftsgipfels lädt Frankreichs Staatspräsident Sarkozy zum Netzgipfel. Mark Zuckerberg, Eric Schmidt, Rupert Murdoch und mehr haben zugesagt, wollen über ein "zivilisiertes Internet" diskutieren - doch die Veranstaltung ist umstritten. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,764437,00.html
Und wieder wird nur Zensur und Strafe diskutiert werden um die alten analogen Pfründe zu schützen und nicht zukunftsfähige Onlinegeschäftsmodelle.
saako 24.05.2011
2. zivilisiertes Internet
ist das das, das den Milliardären nützt?
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