Einbruch in US-Militärrechner Briten wollen UFO-Hacker ausliefern

Großbritannien folgt dem Auslieferungsantrag der USA gegen Gary McKinnon, den angeblich "größten Militärhacker aller Zeiten". Der fürchtet, in den USA kein faires Verfahren zu bekommen - und sieht sich als Opfer einer "UFO- Verschleierungsaktion".


Noch eine letzte Chance hat Gary McKinnon, bevor man ihn in den Flieger setzt: 14 Tage hat er Zeit, gegen die Auslieferungsentscheidung des britischen Innenministers John Reid Einspruch zu erheben. Der hatte am Donnerstag ein vier Jahre dauerndes Hickhack um die Frage, ob der "größte Militärhacker aller Zeiten" an die USA ausgeliefert werden soll, vorläufig beendet. Seine Entscheidung: Der Brite wird ausgeliefert.

Gary McKinnon: "größter Militärhacker aller Zeiten" - oder Skript-Kiddy auf der Suche nach UFOs?
REUTERS

Gary McKinnon: "größter Militärhacker aller Zeiten" - oder Skript-Kiddy auf der Suche nach UFOs?

Der fühlt sich nun von der eigenen Regierung im Stich gelassen und akut bedroht, zu bis zu 70 Jahren Haft und einer Geldstrafe von 1,75 Millionen Dollar verurteilt zu werden. Denn ein faires Verfahren, so McKinnon, erwarte ihn in den USA nicht.

Die US-Staatsanwaltschaft wirft McKinnon vor, mehrere Jahre lang in Systeme der Regierung eingedrungen zu sein und dabei einen Schaden von 700.000 bis 900.000 Dollar angerichtet zu haben. Nicht durch Vandalismus, wohlgemerkt, sondern allein durch die Tatsache, dass ihm seine zahlreichen Einbrüche überhaupt gelungen waren: Da wurden kostspielige Updates der Sicherheit fällig. Aufgefallen war McKinnons Eindringen, als er kurz nach dem 11. September 2001 in den Datenbanken der Earle Naval Weapons Station herumgeschnüffelt hatte: Angeblich soll sein Eindringen die Funktionen "kritischer Systeme" behindert haben, die daraufhin für drei Tage abgeschaltet wurden. Im Jahr 2002 wurde McKinnon schließlich von britischen Fahndern identifiziert und verhaftet.

Spinner oder Spion?

Doch McKinnon sieht sich nicht als Saboteur oder Spion. Eigentlich habe er sich in den Militärnetzen nur umgesehen, und das mit einem sehr klar definierten Ziel: Zwei Jahre lang habe er vor allem nach Beweisen für die Existenz so genannter UFO-Technologien gesucht, sagte er in einem Interview mit der BBC. McKinnon glaubt, die US-Regierung unterdrücke Informationen über Technologien, mit denen sich unter anderem weitgehend kostenlos Energie erzeugen lasse - zum Schaden der Welt und finanziellen Nutzen einiger Weniger. Er will in den Datenbanken eines "Disclosure Project" unter anderem fotografische Beweise und glaubwürdige Zeugenaussagen für Kontakte mit Außerirdischen gefunden haben, für die Existenz von Anti-Schwerkraft-Technik und für "freie Energie".

Auch den Vorwurf, er habe durch seine Hacks Schäden verursacht, will McKinnon nicht stehen lassen. Die Pentagon-, Armee- und Nasarechner, auf denen er sich herumgetrieben habe, seien regelrechte Treffpunkte für Hacker aus aller Welt gewesen. Kaum verwunderlich, so McKinnon, da der Zugang ja kinderleicht gewesen sei: Er selbst habe nur im Internet frei verfügbare Skripte benutzt, mit denen sich unzureichend gesicherte Rechner aufspüren ließen. Die Skripte probierten einfach so genannte Default-Passworte aus, die von den Nutzern der Rechner nicht geändert worden seien. Die Rechner, in die er eingedrungen sei, seien also nicht schlecht, sondern gar nicht gesichert gewesen.

Jetzt fürchtet der voll geständige McKinnon, dass ihn in den USA kein fairer Prozess erwarte. Zum einen stehe er in Gefahr, zum Opfer der fortlaufenden Verschleierungen des UFO-Themas zu werden, zum anderen fürchtet er zu Recht die Härte der US-Gesetze gegen Hacker: Die werden dort seit einigen Jahren wie Terroristen behandelt. McKinnons Anwalt hatte im letzten Verfahren dementsprechend argumentiert, es stehe zu befürchten, dass McKinnon in "Guantanamo weggesperrt und nie wieder gesehen" werde. McKinnons Anwälte fordern einen Prozess in Großbritannien.

pat/AFP/rts



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