Einfacher Blogdienst Das Jahr des Tumblr

Mit einer besonderen Funktion ist ein Blog-Anbieter in den USA dieses Jahr sehr erfolgreich gewesen: Auf Tumblr lassen sich Beiträge anderer Nutzer per Klick ins eigene Blog übernehmen. Rechtlich ist das Copy-Paste-Bloggen allerdings problematisch.
Tumblr: Einfacher Blog-Dienst mit rechtlichen Problemen

Tumblr: Einfacher Blog-Dienst mit rechtlichen Problemen

Alles teilen - das ist das Prinzip von Tumblr, einer sehr leicht zu bedienenden Blogging-Plattform aus New York. Mehr als 38 Millionen Tumblr-Blogs beheimatet der 2007 gestarteten Dienst derzeit. Damit ist Tumblr trotz des späten Starts zu einem der größten kostenlosen Blog-Anbieter aufgestiegen. In sein Tumblr-Blog soll man nicht nur eigene Texte und Fotos veröffentlichen, sondern alles, was einem im Web über den Weg läuft.

Ein Tumblr-Blog  sei dazu da, sich persönlich auszudrücken, sagt  Firmengründer David Karp. Etwas Einzigartiges, auf das man stolz sein könne - im Vergleich dazu sei Facebook mehr wie ein Ausweis. Sprich: ziemlich langweilig. In den USA ist das Angebot populär, auch große Medienmarken wie "Newsweek" oder "Life" setzen auf die einfache Blog-Plattform und posten dort Fundstücke und eigenes Material.

Tumblr-Nutzer können mit Hilfe der sogenannten "Reblog"-Funktion Bilder, Videos und Texte einfach in das eigene Tumblr-Blog übernehmen, dabei wird automatisch ein Verweis auf die Quelle gesetzt. Copy-Paste-Bloggen, könnte man Tumblr deswegen nennen - auch wenn sich der Dienst natürlich ebenso dazu nutzen lässt, nur selbst geschossene Fotos zur Schau zu stellen.

Auf Tumblr sind einige der besten Blogs des Jahres 2011 zu finden: "Animals being dicks" sammelt Clips von Tieren, die sich reichlich daneben benehmen. Dann gibt es noch Foto-Remixe von Menschen, die ihre eigenen Frisuren als Bart tragen. In unserer Fotostrecke haben wir zehn schöne Tumblr-Blogs zusammengestellt.

Fotostrecke

Ausgesucht: Tolle Tumblr-Blogs 2011

Beliebte Tumblr-Blogs bestehen hingegen oft einfach aus zusammengesuchtem Material - hier ein Foto von der Seite eines Künstlers, da eines von einer Galerie oder Nachrichtenseite, die "reblog"-Funktion macht es denkbar einfach. Streng juristisch gesehen stellt das allerdings in vielen Fällen eine Verletzung des Urheberrechts dar - wenn der Fotograf nicht ausdrücklich die Weitergabe seiner Bilder erlaubt.

Auf Tumblr und in vielen anderen Blogs hat sich eine Art Kavaliersregel etabliert: Einem Fotografen ein Bild zu klauen gilt als in Ordnung, solange man nur den Urheber nennt und einen Link zum Original setzt. Viele Urheber tolerieren diese Nutzung, bedanken sich sogar für die Verbreitung ihrer Werke. Dennoch ist Copy-Paste-Bloggen problematisch - privaten Blogbetreibern flattern in solchen Fällen schon mal Abmahnungen oder Rechnungen ins Haus, wenn sie einfach Bilder übernehmen.

"Unser Grundsatz ist es, allen Fällen mutmaßlicher Rechtsverletzungen des US-amerikanischen Digital Millennium Copyright Act nachzugehen, die uns angezeigt werden", heißt es dazu bei Tumblr. Das ist das YouTube-Modell: Die Nutzer machen praktisch, was sie wollen, erst wenn sich jemand beschwert, wird zügig eingegriffen und beispielsweise ein beanstandetes Bild gelöscht.

In Deutschland ist Tumblr bisher noch nicht richtig durchgestartet. Sollte Tumblr populär werden, könnte manchem deutschen Tumblr-Blogger juristisches Ungemach drohen - zwischenzeitlich wurde man hierzulange ja selbst für die Nutzung eines banalen Tomaten-Fotos ohne jeden Wiedererkennungswert abgemahnt.

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