Eingesammelt Die besten Aprilscherze unserer Leser

Fingierte Steuerformulare, Hirnscanner im Handy und ein neuer Job für Hartmut Mehdorn: SPIEGEL-ONLINE-Leser haben die drolligsten Aprilscherze gesammelt. Hier sind die besten zehn - darunter ein wahrer Wahnwitz aus der Schweiz.

Vor langer, langer Zeit, als mein Haar noch voll, Kohl Kanzler und ich im Nachrichtengeschäft gerade frisch angekommen war, da träumte ich von einer Hospitanz bei "Frau im Koma", bei "Ulrike" oder wie diese pro-monarchistischen Frauenmagazine voller Fürsten-Bildchen auch heißen mögen.

Der Grund? Eine tiefe Sehnsucht danach, die Fesseln der Tatsachen, die Pflichten der Recherche, die Last der Seriosität einmal hinter mir lassen und die Kreativität so richtig ausleben zu können. Geschichten zu schreiben, bei denen erst das (am besten ausgiebig manipulierte) Foto und dann die Geschichte kommt und nicht umgekehrt. Eine Redaktionssitzung zu erleben, die mit den genüsslichen Worten begänne: "Nun, wen schwängern wir denn diese Woche?"

Denn im normalen Journalistenleben behindert nun mal Recherche den kreativen Prozess - außer zum 1. April. Mit wie viel innerer Befreiung, wahrer Erleichterung und euphorisierender Begeisterung die lieben Kollegen diese Gelegenheit auch dieses Jahr wieder aufnahmen, lassen die zahlreichen Zuschriften erahnen, die uns nach dem gestrigen Aufruf, die besten Aprilscherze zu suchen, ins Postfach lawinten. Darin: Hunderte von Geschichten, Links und Videos, die wir natürlich nicht alle wiedergeben können.

Die folgenden Top Ten haben wir anhand der ersten 150 Zusendungen ausgezählt. Mehr wäre schön gewesen, mit dem Arbeitsvertrag aber kaum mehr vereinbar: Redakteure werden nicht für stundenlanges Lachen bezahlt.

Also Vorhang auf:
Die Top 10 der meistempfohlenen Aprilscherze unserer Leser

Platz 10: Die Steuererklärung für Top-Manager

Der Frühling ist da, es sprosst, grünt und droht auch allerorten: Das Finanzamt verlangt Rechenschaft darüber, wie man es geschafft hat, über das Jahr zu kommen. Und das gilt - anderslautenden Gerüchten zum Trotz - natürlich nicht nur für uns Normalverdiener, sondern auch für die unverschämten Einsacker mit der Steuernummer in Liechtenstein.

Reichlich bissiger Gag, aber trotzdem schön: Steuererklärung mit integrierter Selbstanzeige für miese Manager

Reichlich bissiger Gag, aber trotzdem schön: Steuererklärung mit integrierter Selbstanzeige für miese Manager

Den Scherzkeksen bei Geld-kompakt.de ist es gelungen, eines der neuen Steuerformulare in die Finger zu bekommen. Für alle Steuerflüchtlinge (und solche, die das werden wollen) gibt es das schöne Formular dort auch zum Download. 

Platz 9: Ein Klassiker - die Pinguine der BBC

Immer wieder flatterte uns auch ein Klassiker ins Postfach, der eigentlich gar kein aktueller Aprilscherz ist - sondern einer aus dem vergangenen Jahr: Alle Jahre wieder gönnt die BBC ihren Zuschauern ein ganz besonderes Bonbon und beweist dabei höchste Kompetenz. Der Beitrag 2009  fiel allerdings weniger witzig aus als der aus dem vergangenen Jahr, der schon jetzt ein Klassiker ist. Mit über 550.000 Aufrufen gehört er zudem zu den erfolgreichsten YouTube-Videos der BBC. Das, finden auch wir, verdient er - und zeigen ihn hier nochmal:

Platz 8: Googles Scherzchen - Autopilot und Hirnscanner

Google hat am 1. April gleich mehrere Male zugeschlagen. Applaus gab es für den " Gmail Autopilot ", der besonders lästige Zuschriften künftig souverän selbst beantwortet.

Die Chance, regelrecht Kult-Charakter zu bekommen, hatte dagegen die "Google Gehirnsuche", die Google aber leider bereits am Folgetag wieder deaktivierte. Das schicke "Mobile App" für Windows Mobile, Android und iPhone nutzte das Smartphone (nennt man so) als Gehirn-Scanner, den man sich gegen die Stirn drücken sollte, um dort eventuell fündig zu werden. Das wäre dann zwar nicht sehr wahrscheinlich gewesen, hätte aber zumindest bewiesen, dass es durchaus einen Markt für so ein Programm gäbe.

Wenn man so will, wäre der Hirnscanner fürs Handy auch das erste Programm, dass gerade durch sein Nicht-Funktionieren tatsächlich funktionieren würde.

Platz 7: Endlich da - iPhone2Mac

Auf Bildschirmen herumzugrabschen liegt ja mächtig im Trend - und keine Form des Touchscreens ist so populär wie die patentierte Apple-Technik, das gleich mit mehreren Fingern zu tun, die sich in verschiedenen Richtungen bewegen. Doch das ist nicht das einzige, was Menschen an Produkten wie beispielsweise dem iPhone begeistert: Man kann damit auch trefflich in der Luft herumfuchteln, um virtuelles Bier zu trinken oder primitive Spielchen zu spielen, in denen man Rennwagen per Bildschirm-Kippen mehr oder weniger steuert.

Wäre es nicht schön, wenn man diese Innovationen endlich auch auf dem heimischen Rechner genießen könnte? Aber sicher wäre es das, fand die Firma ASH und machte daraus einen April-Werbegag der besseren Art . Unsere Leser fanden es klasse:

Platz 6: Neuer Job für Mehdorn

Die Fans des langjährigen Bahn-Chefs Hartmut Mehdorn, möglicherweise sogar alle beide, wird eine Meldung des Berliner "Tagesspiegel"  vom Mittwoch erleichtert haben: Der bewährte Top-Manager wäre auch nach einem Ausscheiden von der Bahn nicht dazu verurteilt, von einem eventuellen goldenen Handschlag zu zehren, sondern fände direkt einen neuen Job - als Chef der Berliner Verkehrsbetriebe.

Meldete die Zeitung in bester 1.-April-Pressetradition - und erntet dafür auch unseren Beifall für eine der schönsten April-Enten dieses Jahres. Straßenbahn statt ICE - das fanden auch so einige Leser von SPIEGEL ONLINE einen ganz prächtigen Plan.

Platz 5: Darauf hat die Welt gewartet - Alpine Legend für Xbox 360

Von Singstar bis Guitar Hero - Musikspiele für Konsolen sind absolute Verkaufsknaller. Doch sie alle dürfen sich nun warm anziehen, denn von den Bergen herab weht ihnen ein scharfer Wind entgegen - Alpine Legend for Xbox schickt sich an, Millionen von Wohnzimmern und völlig neue musikalische Welten zu erobern. Endlich, gaukelte uns am Mittwoch eine Sonderseite der Xbox-Website vor, gibt es ein Musikspiel für Hobby-Jodler und Alphorn-Bläser.

Beeindruckend sind vor allem die Netzwerk-Fähigkeiten des Spiels, das sich natürlich auch via Internet zum Multiplayer-Contest aufblasen lässt. Na, dann mal tief Luft geholt:

Platz 4: Die lila Plakette

Angeblich eine ganze Reihe von Radiostationen, schrieben uns etliche Leser, berichteten am Mittwoch über die Lila Plakette : Schon bald sollte man auf Frauenparkplätzen nur noch Parken dürfen, wenn man den nötigen Weiblichkeits-Ausweis an der Innenseite der Windschutzscheibe aufgeklebt hätte.

Eine Idee, die durchaus plausibel klingt und sich zum Beispiel bestens für eine nach dem Subsidiaritätsprinzip in nationales Recht umzusetzende EU-Richtlinie eignen würde. Frau Reding, übernehmen Sie!

Platz 3: Die Bundesagentur für Einkommen

Jetzt ist endlich Schluss mit Zukunftsängsten und teutscher Jammerei: Nach den Banken und der Autoindustrie erreicht nun auch uns Bürger die liebende Fürsorge des Staates. Die Bundesagentur für Einkommen versorgt uns seit dem 1. April mit dem nötigen Formblatt , um ein "bedingungsloses Grundeinkommen" beantragen zu können. Ab sofort, suggeriert der Schrieb, gibt es 1000 Euronen "auf die Kralle" für jedermann - auch und gerade für alle Untätigen. Möglich macht das eine kleine Feinkorrektur des Grundgesetzes, die gleich mitgeliefert wird.

Viele unserer Leser hielten das für einen ganz besonders prächtigen Aprilscherz - wohl, weil sie sich die Web-Seite der Bundesagentur für Einkommen  nicht so genau angesehen haben. Denn dahinter steht die " Bürgerinitiative bedingungsloses Grundeinkommen ", und die meint das völlig ernst.

Amtlich, aber nicht echt: Die Agentur für Einkommen will Geld für Alle - ohne Gegenleistung

Amtlich, aber nicht echt: Die Agentur für Einkommen will Geld für Alle - ohne Gegenleistung

Dass sie ihr berechtigtes Anliegen nun so humorig mit einem sozusagen amtlichen Plagiat vorbringen, zeugt von Humor und visualisiert auch sehr schön, von wem sie denn das Geld künftig beziehen wollen: Vom Arbeitsamt - hier eher von einer Art Keine-Arbeit-Amt, was der Realität für noch immer viel zu viele Menschen leider recht nahe kommt.

Satire sticht halt eben gerade dann, wenn sie sich nah an der Wahrheit bewegt. Das gilt übrigens auch für die gestrige Pressemitteilung der Straßenbauer aus NRW  oder der erfreulichen Mitteilung der Pressestelle des Hamburger Senats. Darin hieß es: "Die Nordseeinsel Sylt ist ab dem 1.7.2009 Teil der Freien und Hansestadt Hamburg. Sie gehört dann zum Bezirk Hamburg-Nord."

Hereingefallen ist darauf natürlich niemand. Das weiß schließlich jeder, dass das schon lange so ist. Sylt ist ein Vorort von Hamburg.

Platz 2: YouTube Flip

Wenn man sich die Masse der Einsendungen ansieht, könnte man das Gefühl bekommen, Deutschlands Unternehmens-PR-Abteilungen hätten in Sachen 1. April Überstunden geschoben. Und wenn man sich die Qualität der Resultate ansieht, muss man anerkennen, dass die Kollegen dort offenbar echte Profis darin sind, sich einfach mal was auszudenken: Das ist schon Spitze.

Eines der schönsten Beispiele dafür ist YouTube, die ihre Fans gestern mit einem ganz neuen Seherlebnis verwöhnten  (siehe Anleitung links). Auch das ist eine beliebte Variante des Aprilscherzes, die gerade im Internet richtig erfolgreich ist: Höherer Blödsinn, professionell verpackt und auf "virale" Verbreitung setzend. "Hey", soll da ein YouTube-Fan zum anderen sagen, "schon gesehen?"

Und damit der dann auch was zu sehen bekommt, gibt es natürlich auch schon entsprechende Angebote: Diesen Link hier sollten Sie unbedingt einmal ausprobieren . Könnte Ihre Sicht der Welt nachhaltig verändern.

Platz 1: Felsenputzer - wo Sauberkeit noch zählt

Wenn man es recht bedenkt, muss die Schweiz von alters her mit so einigen Mankos fertig werden: Der Grund ist meist huckelig, oft viel zu felsig, wenn nicht gebirgig. Das liebe Vieh muss man auch vertikal auf die Weide treiben, was die Arbeitswege so verlängert, dass viele Viehhalter nur noch einmal im Jahr zur Arbeit gehen, dafür aber ziemlich lang.

Die Schweizer haben das Beste daraus gemacht, nämlich jede Menge Geld - ein Kunststück, das ihnen dereinst mit Banken gelang und später mit Hilfe des "Fremdenverkehrs" (das Wort gab es wirklich einmal) ausgebaut werden konnte. Heute tragen auch jede Menge Touristen ihr Geld in die Schweiz, die tagsüber über offizielle Grenzübergänge einreisen und auch über Nacht bleiben.

Und damit das so bleibt, weiß man bei Schweiz Tourismus, der nationalen Marketing- und Verkaufsorganisation für das Reise-, Ferien- und Kongressland Schweiz, muss man etwas tun, um das Image zu pflegen - ach was: zu polieren. Wie unsere lockeren Nachbarn das zum 1. April hinbekamen, fanden zahlreiche unserer Leser ganz besonders gut - kein Tipp erreichte uns so häufig wie der Link zu den Schweizer Felsenputzern .

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