Einigung Datenschützer erringen Sieg über Facebook

Das Netzwerk Facebook pflegt einen laxen Umgang mit der Privatsphäre seiner Nutzer. Warnungen zum Trotz tut dies seiner Popularität keinen Abbruch. Deutschen Datenschützern gelang es nun nach SPIEGEL-Informationen, die Verbraucher wieder ein Stück vor sich selbst zu schützen.
Mark Zuckerberg: Macht Zugeständnisse an den Datenschutz, wenn es nicht anders geht

Mark Zuckerberg: Macht Zugeständnisse an den Datenschutz, wenn es nicht anders geht

Foto: Franz-Peter Tschauner/ dpa

Hamburg - Deutsche Datenschützer haben einen Etappensieg gegen den Internet-Giganten Facebook und dessen Chef Mark Zuckerberg errungen. Das Unternehmen sagte nach Informationen des SPIEGEL im umstrittenen "Friend-Finder"-Verfahren weitgehende Änderungen zu. Bisher bekamen Personen Einladungen zu einer Mitgliedschaft bei Facebook per E-Mail zugeschickt, selbst wenn sie niemals mit dem Online-Netzwerk zu tun gehabt hatten. Diese Einladungen enthielten oft auch Bilder von Personen, die sie teilweise tatsächlich kannten - was viele Adressaten beunruhigte.

"Vielen ist überhaupt nicht klar, woher Facebook wissen kann, dass sie diese Mitglieder im echten Leben kennen", sagte Johannes Caspar, Datenschutzbeauftragter der Stadt Hamburg, im Gespräch mit dem SPIEGEL.

Des Rätsels Lösung: Facebook-Mitglieder, die in ihren Konteneinstellungen Facebook einen Zugriff auf ihr Adressbuch erlauben, autorisieren das Netzwerk damit auch, diese Adressen für die Akquise neuer Mitglieder zu nutzen. Um die Glaubwürdigkeit der unverlangten Werbepost zu erhöhen, pappt Facebook mitunter Fotos der Menschen in die Mitgliedswerbung, von denen es die Adressen bekommen hat - der Freund oder Bekannte aus dem wahren Leben wird so oft unwissentlich zum Leumund der Kundenakquise des US-Unternehmens. Die Behörde des Hamburger Datenschutzbeauftragten leitete wegen dieses Vorgehens ein Bußgeldverfahren gegen Facebook ein.

Die Datenschützer handelten Facebook nun ab, zukünftig jedem Mitglied eine "transparente Kontrolle über die von ihm importierten Adressen" zu ermöglichen. Dafür soll es ein Adressbuch geben, mit dessen Hilfe der Nutzer auswählen kann, wer eingeladen werden soll. Auch soll es Warnungen geben, bevor man Facebook das eigene Adressbuch anvertraut oder eine Einladung verschickt wird: Der Nutzer wird künftig also ausdrücklich darauf hingewiesen, was für Nebenwirkungen die Datenfreigabe hat.

"Facebook muss einblenden, dass der Nutzer nur Kontakte einladen soll, die er persönlich kennt und die seiner Meinung nach eine Einladung wollen", sagt Caspar. Der eingeladene Nicht-Facebook-Nutzer muss ebenfalls informiert werden, warum er diese E-Mail erhält. Auch kann er verfügen, nie wieder von Facebook zu hören, und seine Adresse sperren. "Wir hätten es besser gefunden, wenn ohne Zustimmung der Betroffenen überhaupt keine Adressen gespeichert werden", sagt Caspar.

Ob die in Deutschland nun erreichten Änderungen auch in weiteren Ländern angeboten werden, vermochte Facebook nicht zu sagen.

Die Datenwächter warnen, doch die Netznutzer interessiert es kaum

Mark Zuckerberg

Facebook stand vor Jahresfrist unter zeitweilig vehementer Kritik durch deutsche Datenschützer und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner, aber auch international. Diverse Features erlaubten Facebook einen weitgehend willkürlichen Umgang mit den persönlichen Daten seiner Mitglieder. Facebook-Chef selbst sorgte im Januar 2010 für eine Eskalation des Streits, als er in einem öffentlichen Statement den Schwund der Privatsphäre als "zeitgemäß" bezeichnete. Im Mai 2010 gab Facebook der internationalen Kritik dann in etlichen Punkten nach und stellte neue Datenschutzregeln für das Social Network vor.

Deutschen Datenschützern und vor allem Ilse Aigner gingen die aber nicht weit genug: Im Juni beendete die Verbraucherschutzministerin als Zeichen ihres persönlichen Protestes ihre Mitgliedschaft in dem Social Network. Zuletzt hatte ein für wenige Tage freigeschaltetes Facebook-Feature zu internationaler Kritik geführt, das es Drittfirmen erlaubte, auf Adressdaten von Facebook-Mitgliedern zuzugreifen.

Bereits im April hatten Verbraucherschutzverbände zum Boykott des Netzwerkes aufgerufen - natürlich ohne irgendeinen merklichen Effekt: Facebooks Mitgliederzahl und Marktanteil steigt auch in Deutschland weiter rasant, während Konkurrenznetzwerke aus deutschen Landen Mitglieder verlieren. Der Popularität von Facebook tat auch der Kinofilm "The Social Network" keinen Abbruch, obwohl darin die Facebook-Macher und namentlich Mark Zuckerberg alles andere als positiv dargestellt wurden.

In den letzten sechs Monaten stieg die Mitgliederzahl von Facebook in Deutschland von rund zehn Millionen auf rund 14 Millionen. Damit gehört das Land, in dem sich Facebook mit der vehementesten Kritik konfrontiert sieht, zugleich zu den Regionen mit dem stärksten Zulauf. Weltweit liegt die Mitgliederzahl bei angeblich 600 Millionen, eine Steigerung von 20 Prozent in den letzten sechs Monaten. Facebook ist damit das unangefochten populärste Social Network der Welt.

pat
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.