Elektronische Bücher Amazon und HP wollen E-Books drucken

Es gibt zu wenige gedruckte Bücher - das scheint man zumindest bei Amazon und Hewlett-Packard so zu sehen. Gemeinsam wollen die Konzerne vergriffene Bücher, die elektronisch noch zu haben sind, wieder auf Papier bringen. Die beiden Riesen machen damit Google Konkurrenz.

Leserin: Künftig gedruckte Bücher aus Internet-Datenbanken?
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Leserin: Künftig gedruckte Bücher aus Internet-Datenbanken?


Ironischerweise sind die Bücher, die HP und Amazon nun als Papierversion wiederbeleben wollen, zum Großteil von Google digitalisiert worden - das Projekt tritt damit gewissermaßen in direkte Konkurrenz zu einem von Google selbst initiierten, sehr ähnlichen Unterfangen. Es handelt sich vorerst um Bücher aus den Beständen der Bibliothek der University of Michigan, alles in allem etwa 500.000 Titel. Eingescannt wurden die auf Kosten von Google. Alle sind inzwischen gemeinfrei, unterliegen also nicht mehr dem Urheberrechtsschutz. Von diesen Werken soll man über Amazon und einige andere Händler künftig also gedruckte Versionen bestellen können.

Der Druckerspezialist HP wird dabei offenbar die Hardware-Seite übernehmen, Amazon dagegen soll sich wohl ums Verkaufen kümmern. Die Initiative macht deutlich, wohin die digitale Zukunft die Welt des Buches wohl auch führen wird: Ein vergriffenes Werk, das man früher nur noch in einer oder zwei Bibliotheken irgendwo auf dem Planeten finden konnte, wird womöglich bald überall auf dem Globus wieder verfügbar sein - "On Demand", also ganz nach Wunsch des Konsumenten.

Google hat mit einem Unternehmen namens On Demand Books kürzlich ein ähnliches Projekt angekündigt: Etwa zwei Millionen von Google digitalisierte Bücher soll man künftig auch als Taschenbuch bestellen können. Auch in diesem Fall handelt es sich um vergriffene Titel, deren Copyright abgelaufen ist. In der Google-Variante sollen solche Nachdrucke im Schnitt acht US-Dollar kosten. Bei HP schätzt man, ein 250 Seiten starkes Taschenbuch werde etwa 15 Dollar kosten.

Besonders viel Geduld soll man für die Daten-auf-Papier-Bestellungen nicht aufbringen müssen. Ein 300-Seiten Buch schaffe die bis zu 900 Kilo schwere Schnelldruckmaschine in weniger als fünf Minuten, erklärte On Demand Books vor einiger Zeit - inklusive Bindung.

Neben der Papierversion werden digitalisierte Bücher zweifellos auch auf digitalen Lesegeräten künftig wesentlich einfacher verfügbar sein als bislang. Amazons E-Reader Kindle ist seit kurzem auch von Deutschland aus bestellbar - die ersten Exemplare werden dieser Tage ausgeliefert. Neben dem Kindle, der fest an Amazon als Händler gebunden ist, gibt es aber noch eine Vielzahl anderer Lesegeräte, die zum Großteil auch E-Bücher in nicht-proprietären Formaten wie dem Epub-Format wiedergeben können. Der Gründer des Internetarchivs hat eben erst angekündigt, eine Vielzahl von Titeln in diesem Format künftig für Verkauf und Verleih vorzubehalten.

cis/AP

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