Mobiles Fernsehen EM beschert Mobilfunkern Download-Rekorde

Sommerwetter und Fußball – die Kombination treibt die Mobilfunknutzung in die Höhe. Viele Deutsche schauen die Europameisterschaft wohl auf Handy und Tablet.
Thomas Müller am Ball. Wer das Spiel streamt, sieht erst bis zu 27 Sekunden später das Ergebnis

Thomas Müller am Ball. Wer das Spiel streamt, sieht erst bis zu 27 Sekunden später das Ergebnis

Foto: Eibner-Pressefoto / imago images/Eibner

Die großen Leinwände zum Public Viewing fehlen – dennoch hält es viele Deutsche zur EM nicht auf der heimischen Couch. Telefonica, Telekom und Vodafone melden für den vergangenen Dienstagabend Downloadrekorde in ihren Mobilfunknetzen. Nicht mal zur Silvesternacht gab es so viel Datenverkehr.

Allein O2 transportierte am Dienstagabend während der Laufzeit des Spiels Deutschland gegen Frankreich insgesamt 800.000 Gigabyte über seine Mobilnetze. Ein neuer Rekord. Auch bei Vodafone und im Netz der Telekom sorgte der erste Auftritt der deutschen Nationalmannschaft bei der EM für mehr Datenverkehr als jemals zuvor, wie die Konzerne dem SPIEGEL bestätigten.

Fußballspiele haben damit Silvester als Belastungshöhepunkt der Mobilfunknetze abgelöst. Zuvor hatte das EM-Eröffnungsspiel zwischen Italien und der Türkei diesen Rekord gehalten und davor das Champions-League-Finale zwischen Manchester City und Chelsea, Ende Mai. Auch bei aktuellen Ereignissen greifen die Deutschen zunehmend zum Handy: Auf Platz drei der Downloadrekorde der Telekom ist der 24. März. An diesem Tag nahm Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einer Pressekonferenz die »Osterruhe« zurück.

Möglich wird dies durch die steigende Leistung der Mobilfunknetze: Der 5G-Ausbau schreitet voran, Funkmasten werden immer häufiger durch eine Glasfaser-Anbindung für Spitzenlasten aufgerüstet. Auch die Streaminganbieter haben nach anfänglichen Problemen ihre Kapazitäten ausgebaut. Zudem hat die Hardware aufgeholt: Selbst Mittelklasse-Smartphones können Fußballspiele mittlerweile gut wiedergeben.

Doch auch das neueste Handy kann eines nicht ändern: Bis der Torschuss auf dem Gerät ankommt, dauert es je nach verwendetem Streamingdienst bis zu einer halben Minute, wie ein aktueller Test der Fachzeitschrift »c't« ergeben hat . Besonders gut schnitten hier die Apps von ARD und ZDF ab. Die Tester bekamen das Bild mit gerade einmal drei Sekunden Verzögerung auf ihr Smartphone. Das ist eine gute Sekunde schneller als beim normalen Kabel-TV-Anschluss. Beim Streaminganbieter Waipu dauerte es hingegen 27 Sekunden, bis Fans mitjubeln oder enttäuscht aufstöhnen konnten.

tmk/dpa
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