Kampagne bei Twitter #EMMAistfürmich "Emma" kriegt ordentlich was ab

Auf Twitter sollten Leserinnen der "Emma" unter dem Hashtag #EMMAistfürmich schreiben, weshalb die feministische Zeitschrift für sie wichtig ist. Das ging gründlich nach hinten los.
Von Katrin Gottschalk
Alice Schwarzer: Kritik von beiden Seiten

Alice Schwarzer: Kritik von beiden Seiten

Foto: JOHANNES EISELE/ AFP

Vergangenen Freitag startete die Zeitschrift "Emma"  eine kleine Twitter-Kampagne: Unter dem Hashtag #EMMAistfürmich  postete das Heft ein Foto von einer Abonnentin, die ein Schild hoch hält, auf dem steht: "EMMA ist für mich die Nachricht, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine bin."

In den nächsten Tagen folgen noch ein paar Bilder, ein, zwei Videos. Nichts Spektakuläres, das Ganze versickert im Twitter-Boden. Die eher ältere Hauptleserinnenschaft des Heftes tummelt sich offenbar weniger in sozialen Netzwerken. Im Gegensatz zu den jungen Netzfeministinnen.

Die wurden hellhörig, als die "Emma"-Redaktion am Dienstag eine Ankündigung zweier Debattenbeiträge veröffentlicht hat, in denen sie fragt: "Emanzen oder Schlampen?"  Gemeint sind Musikerinnern wie Beyoncé oder Taylor Swift. Auf die Nachfrage einer Nutzerin kommt diese Antwort:

Fortan beginnt die Reversion des Hashtags #EMMAistfürmich . Einen Abend lang erklären vorrangig Frauen auf Twitter, was EMMA für sie ist - nämlich vor allem kritikwürdig:

Es gibt sicher viele Gründe, "Emma" und die Politik, die Alice Schwarzer mit diesem Heft betreibt, zu kritisieren. Die Aufregung des Dienstagabends zeigt aber auch, mal wieder, die Eigendynamik der Twitter-Spirale, die sich mitunter in Gang setzt: So leicht es ist, der eigenen Empörung auf Twitter Raum zu geben, so unberechenbar ist der Weg, den diese im Laufe eines Abends nehmen kann.

Schnell gibt es Applaus von der falschen Seite

Nicht zuletzt nämlich mischten sich in die Kritik am Blatt nämlich auch noch diejenigen ein, die vom Untergang des Feminismus träumen. Im Aufregen über EMMA und Alice Schwarzer geeint mit Männerrechtlern - das will keine Netzfeministin.

Das Problem ist nicht neu. Schon Hashtags wie #Aufschrei  oder #SchauHin , die netzaktivistische Werkzeuge gegen Sexismus und Rassismus sind, werden immer wieder in sexistischen und rassistischen Kommentaren genutzt.

Der Unterschied ist allerdings: Ein rassistischer Kommentar, der sich des Hashtags #SchauHin bedient, bleibt ein rassistischer Kommentar. Bei #EMMAistfürmich hingegen sind plötzlich Feministinnen und Maskulinisten vereint in ihrer Kritik an einem Magazin, das eigentlich kaum noch relevant ist.

Am Mittwochmorgen versucht eine Bloggerin schließlich, das Ganze in eine positive und damit eventuell auch produktivere Richtung zu drehen und startete #MeinFeminismus  - eine neue Stufe der Debatte ist erreicht, der Verlauf steht in den Twitter-Sternen. Was von #EMMAistfürmich  vorläufig bleibt, ist also diese einfache Erkenntnis:

Zur Autorin

Katrin Gottschalk ist Chefredakteurin des "Missy Magazine"  und freie Kulturjournalistin in Berlin. Sie schreibt über Musik, Theater, Politik, Alltag und das Netz. Für SPIEGEL ONLINE berichtet sie im Wechsel mit Chris Köver und Sonja Eismann als netzfeministische Korrespondentin.

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