Endspiel Kramnik liegt vorn

Kurz vor dem 40. Zug schien Kramnik die Zeit auszugehen - und der Weltmeister schaltete um auf "Blitzschach". Kurzzeitig gelang es Fritz, seine Stellung zu verbessern, doch inzwischen scheint der Sieg des Menschen über die Maschine nur noch eine Frage der Zeit.



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Was bisher geschah:

Dramatisches Endspiel in der dritten Partie Mensch gegen Maschine: Kramnik (Schwarz) hat sich in die Offensive gekämpft, Fritz wehrt nur noch ab. Doch dem Weltmeister geht langsam die Zeit aus, während Deep Fritz davon ein Übermaß hat. Schachgroßmeister Julian Hodgson im Spielkommentar: "Ich habe gerade ausgerechnet, dass Fritz zwischen zwei Zügen mehr Stellungen überprüft, als Kramnik in seinem ganzen Leben. Ein erschreckender Gedanke."

Erschreckend oder nicht: Kramnik scheint eine Strategie gefunden zu haben, die verblüffend gut verfängt gegen seinen in der Rechenleistung übermächtigen Gegner. "Hat er gelernt", fragt einer der Kommentatoren, "wie Fritz zu denken?"

Der Eindruck kann aufkommen: Bei manchen Zügen, meint Hodgson, sei es überraschend, "dass ein Mensch auf solch einen Zug kommt". Auch zeichnen sich erste Muster ab: Kramniks Grundrezept gegen den Rechner scheint - wie in Partie Nummer 2 - der frühzeitige Damentausch zu sein. Die offerierte Kramnik bereits mit dem 8. Zug - und nahm Deep Fritz auf diese Weise erfolgreich zahlreiche strategische Möglichkeiten.

Und Kramnik liegt vorn. Elisabeth Vlasov: "Fritz überprüft 3,5 Millionen Stellungen in der Sekunde, Kramnik nur zwei. Und doch gewinnt Kramnik. Irre!"

Eine Meinung, die mittlerweile fast alle Kommentatoren teilen. Zwar gelingt es Fritz überraschend, das eigene Standing wieder etwas zu verbessern, doch noch immer hat Kramnik die Initiative. Alexander Kure vom Fritz-Team: "Kramnik hat die Fähigkeiten, das nach Hause zu schaukeln."

Gegen 17 Uhr kommen Großmeister Julian Hodgson Zweifel daran: "Wenn Kramnik noch zwanzig Minuten auf der Uhr hätte, würde er wahrscheinlich gewinnen. Aber er hat nicht genügend Zeit, den optimalen Plan zu finden."

Um 17.02 Uhr bleiben Kramnik noch knapp 17 Minuten Bedenkzeit. Fritz verfügt noch über 44 Minuten. Ab dem 31. Zug schafft es Fritz, die eigene Position weiter zu verbessern. Hodgson sieht die Remis-Chancen des Rechners "deutlich erhöht".

Kramnik forciert das Tempo, geht bis zum 40. Zug zu einer Art "Blitzschach" über. Fritz schließt auf, doch als Kramnik den 40. Zug innerhalb des Limits von zwei Stunden abschließt, nimmt er das Tempo heraus und sich wieder Zeit: Fast umgehend verbessert er seine Position wieder. Der Abend wird lang, denn beide Spieler haben kaum noch Möglichkeiten für schnelle Offensiven: Fast alles läuft über die verbleibenden Bauern. Stück für Stück nähert sich Kramnik dem Sieg Mensch über Maschine.

Großmeister Danny King: "Das war wieder eine herrliche Leistung. Ich bin gespannt, ob er das so weitermachen kann, denn diese Partien haben Kraft gekostet!"

Und noch ist das Spiel nicht beendet...

Die Kommentatoren der Live-Übertragung:

Anna Dergatscheva, russische Schachmeisterin
Julian Hodgson, Schach-Großmeister, Großbritannien
Daniel King, Schach-Großmeister, Großbritannien
Nigel Short, Großmeister und ehemaliger Kasparov-Herausforderer
Frederic Friedel, ChessBase (Deep-Fritz-Entwickler)
und andere...

Die Match-Termine:

Freitag, 4. Oktober
Sonntag, 6. Oktober
Dienstag, 8. Okober
Donnerstag, 10. Oktober
Sonntag, 13. Oktober
Dienstag, 15. Oktober
Donnerstag, 17. Oktober
Samstag, 19. Oktober

Die Partien beginnen jeweils um 14 Uhr MEZ

Ort der Veranstaltung: Manama, Bahrein

Aktueller Spielstand: Kramnik 1.5 / Deep Fritz 0.5



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