Erotikmesse "Venus" Sexbranche schwärmt vom Pornpad

Für die Erotikbranche sind Handys und Tablets ein Glücksfall. Wie bei jeder neuen Unterhaltungs-Technologie ist Porno auch auf Smartphones und iPads ein verlässlicher Umsatzbringer. Die deutsche Branche träumt vom Pad - und das, obwohl Apple-Chef Steve Jobs doch saubere iGeräte will.

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Wenn auf der Berliner Erotikmesse "Venus" Dutzende Männer ihre Kameras in die Luft recken und hektisch zoomen, legt vor ihren Augen meist eine Dame die letzten Kleidungsstücke ab. Diesmal auf dem Podest: Erotiksternchen Biggi Bardot. Normalerweise zieht sie sich in nächtlichen Fernseh-Quizsendungen aus - neuerdings auch auf dem Handy.

iPhone-Nutzer können sie über den Anbieter Strip2go beobachten. Die Verknüpfung zur Seite erscheint auf dem Display wie das Icon einer App, ist aber nichts anderes als ein ganz normaler Web-Link. Spezielle Mobilanwendungen mit erotischen Inhalten sind noch relativ selten, die Erwartungen, die sie wecken, jedoch groß. "Im vergangenen Jahr hat sich technisch einiges geändert", sagt Peter Bübel, der Chef der Erotikmesse. Vor allem die Steigerung der Streaming-Geschwindigkeiten für Videos auf dem Handy mache der Branche Hoffnung. Selbst der Branchenriese Vodafone bietet eine "Erotik Handy Flat" für private Momente mit dem eigenen Mobiltelefon an.

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Sexmesse: Haut auf dem Handy
Erschwert wird den Betreibern das Geschäft allerdings von Apple. Denn wer Software für iPhone oder iPad anbieten will, der muss sie im App-Store verkaufen. Nackte Haut oder gar Pornofilme hat Apple bislang aus dem Angebot verbannt. Apple-Chef Jobs selbst versprach, iPad und iPhone würden pornofrei bleiben - doch solange man mit den Geräten auf das offene WWW zugreifen kann, ist es damit trotz des kontrollwütigen Konzernchefs nicht weit her. Nur als App dürfen Sex und nackte Haut eben nicht auf die Geräte mit dem "i". "Apples Entscheidungen sind völlig intransparent", kommentierte "Playboy"-Verlagschef Vernon von Klitzing die Situation vor einigen Monaten. "Das ist Zensur. Was am Kiosk verkäuflich ist, muss auch im App Store angeboten werden können." Auch die "Bild"-Zeitung hatte schon Probleme mit dem Konzern: Ihre App flog zeitweilig aus Apples Download-Laden, weil es darin unter anderem nackte Brüste zu sehen gab.

In den USA sind die Anbieter von Sexfilmen schon einen Schritt weiter als ihre deutschen Kollegen. Die Produktionsfirma Digital Playground verkauft ihre Filme längst auf einer für Handys optimierten Website - und die läuft auch auf dem iPhone. Diese Abrufe machen ein Fünftel des Online-Geschäfts aus. In Deutschland sind solche Zahlen noch schwer vorstellbar. Digital-Playground-Darstellerin Kayden Kross sagt: "Da wir immer weniger DVDs verkaufen, setzen wir mehr auf den Direktvertrieb über unsere Website." Den Erfolg der Mobil-Seite erklärt sie mit Psychologie: Sexfilme bringen auf einem schicken Mobilgerät mehr Spaß als auf dem Computer, an dem sonst Büroarbeit wartet. Außerdem lassen sich die Inhalte beispielsweise auf dem iPhone unkompliziert mitnehmen - jederzeit zum Abspielen bereit. Man könne dann, "wo man will, damit tun, was man will", formuliert Kross mit einem züchtigen Lächeln.

Display von innen geputzt

Der Digital-Playground-Gründer schwärmte schon im Sommer davon, man habe kurz nach Einführung der iPad-Pornoseite 20 Prozent mehr Besucher und einen Zuwachs von 30 Prozent, was die Anmeldungen zur kostenpflichtigen Videoplattform angehe. Gegenüber der "Wirtschaftswoche" pries er das Gerät, das Steve Jobs doch eigentlich sauber halten wollte, als "Heiligen Gral der Pornobranche".

Der Branchenriese YouPorn, schon lange eine der meistgenutzten Websites der Welt, hat bereits vor Monaten begonnen, das eigene Angebot auf den neuen Web-Standard HTML5 umzustellen - denn die Flash-Videoclips, die dort normalerweise zu sehen sind, lassen sich auf iPhones und iPads nicht abspielen. Weil Steve Jobs Flash nicht mag. Auch der Anbieter Pornhub, laut den Web-Statistikern von Alexa sogar noch reichweitenstärker als YouPorn und in der Rangliste sogar vor dem Online-Angebot von CNN, betreibt eine Flash-freie Mobilseite.

Stripperin Biggi Bardot hat den Kampf um die Handys ihrer Fans nicht aufgegeben und bietet ihnen als Download-Anreiz kurze Videos an. In einem Studio hat sie dafür eigene Clips produziert. Die zeigen zum Beispiel, wie sie von innen das Display putzt.



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