Erst Zeuge, dann Angeklagter Intel-Ingenieur wegen al-Qaida-Verdacht verhaftet

In den USA beginnt der Prozess gegen den Ex-Intel-Ingenieur Maher "Mike" Hawash, dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, ein weiterer amerikanischer Taliban gewesen zu sein. Seine Verteidiger behaupten, er habe lediglich die falschen Freunde gehabt. Breiter Widerstand regt sich gegen die Umstände seiner Verhaftung.

Am Montag wurde aus dem Zeugen Maher Hawash ein Angeklagter, und nicht nur das bringt seine Freunde, Verwandte und ehemaligen Arbeitskollegen in Rage. Bereits seit einem Monat saß Maher Hawash, genannt Mike, hinter Gittern, interniert als angeblich fluchtverdächtiger Zeuge im Prozess gegen sechs muslimische Amerikaner, denen Verbindungen zu den Taliban und al-Qaida vorgeworfen werden. Hawash hingegen wurde bisher nichts vorgeworfen: Ihn hielt man ohne Angabe von Gründen fest.

Jetzt ist das anders: Ganz offiziell erhob die US-Bundesstaatsanwaltschaft Anklage gegen den 38-jährigen ehemaligen Intel-Ingenieur. Er sieht sich nun mit dem Vorwurf konfrontiert, mit den als "Portland Six" bekannten Angeklagten geplant zu haben, auf Seiten von Taliban und al-Qaida in Afghanistan am Krieg gegen die USA teilzunehmen.

Gelungen ist das weder ihm noch seinen Mitangeklagten. Und bisher ist die Behauptung, sie hätten versucht, nach Afghanistan zu gelangen, unbewiesen.

Die Anklage gegen Hawash gründet sich auf Indizien: So soll Maher Hawash im Oktober und November 2001 mehrere Reisen nach China unternommen haben, um von dort aus zu versuchen, nach Afghanistan zu gelangen. Hawash hält dagegen, er habe dort nach geschäftlichen Möglichkeiten für sein Software-Business gesucht. Die Staatsanwaltschaft stößt sich dagegen an dem vermeintlichen Zufall, dass er in den gleichen Hotels abgestiegen sei, wie seine unter Terrorismus-Verdacht stehenden Freunde.

Komplizen oder falsche Freunde?

Unter deren Unterlagen hatte sich auch Hawashs Telefonnummer gefunden. Zudem lässt sich eine Überweisung Mahers an einen der Portland Six nachweisen: An diesen zahlte er aus bisher nicht geklärten Gründen die allerdings nicht gerade astronomische Summe von 105 Dollar. Kurz vor seiner Abreise hatte Hawash sein Haus auf seine Ehefrau überschrieben: Das alles, meint die Staatsanwaltschaft, seien schwer wiegende Verdachtsmomente, die er nun vor Gericht wird erläutern müssen. Aus dem angeblichen Zeugen wurde ein mutmaßlicher verhinderter Terrorist.

Doch gegen die Umstände seiner Verhaftung regt sich Widerstand. Bürgerrechtler bemängeln den Umgang der Staatsanwaltschaft mit der so genannten "Material Witness"-Regelung: Sie erlaubt es der Staatsanwaltschaft, als besonders wichtig klassifizierte Zeugen festzuhalten, bei denen man vermutet, sie könnten sich sonst absetzen.

In Hawashs Fall, argumentiert David Fidanque, Kopf der American Civil Liberties Union Oregon, sei die Regelung missbraucht worden, einen Verdächtigen festzusetzen, gegen den keine Beweise vorgelegen hätten. "Wenn sie ihn anklagen wollten, hätten sie es zum Zeitpunkt seiner Festsetzung tun sollen."

Fidanque kritisiert, hier würden Bürgerrechte unterlaufen - und warnt vor einer gezielten Hatz auf Amerikaner arabischer Herkunft. Ob der Staat auf bloßen Verdacht hin Menschen festsetzen darf, indem er sie für wichtige Zeugen erklärt, ist für ihn keine Frage: Der Missbrauch der Zeugenregelung wiegt für ihn schwerer als die Schuldfrage.

"Lasst Mike Hawash frei"

Dass Maher Hawash unschuldig ist, glauben dagegen seine ehemaligen Arbeitskollegen. Steven McGeady, bis zum August 2001 Maher Hawashs Vorgesetzter bei Intel, lehnt sich ganz weit aus dem Fenster: Er ist von Mahers Unschuld so überzeugt, dass er eine Website veröffentlichte, über die er für Hawashs Freilassung lobbyiert.

Die Anklage laufe auf eine "Schuld durch Bekanntschaft" hinaus, sagt McGeady: Maher habe schlicht die falschen Freunde gehabt. Die Anklage, Maher habe geplant, in Afghanistan gegen US-Soldaten zu kämpfen bezeichnet er schlicht als "absurd". McGeady: "Wir stehen weiter zu ihm und glauben daran, dass die Geschworenen das alles durchschauen werden, wenn man ihnen den Fall präsentiert."

Maher werde freikommen, sagt McGeady. Für den Prozessauftakt in Portland hat er eine Demonstration vor dem Gericht angemeldet.