Zukunft der Bildung Was die Schule von YouTube lernen kann

Woher haben unsere Kinder ihr Wissen über den Klimawandel? Nicht aus der Schule, glaubt Sascha Lobo. Dort müsse es künftig eher um Erziehung als um Bildung gehen. Im Podcast beantwortet er Leserkommentare.

Schule der Zukunft? "Kindern beibringen, wie sie sich die digitale Lernkultur aneignen" - Sascha Lobo
Friso Gentsch / DPA

Schule der Zukunft? "Kindern beibringen, wie sie sich die digitale Lernkultur aneignen" - Sascha Lobo


Sascha Lobo: der Debatten-Podcast #101 - Schule der Zukunft: Weniger Bildung für die nächste Schüler-Generation!

Die Bundesregierung könne "noch so viel mit Exzellenzclustern jonglieren oder KI-Kindergärten in Berlin Mitte fördern", schrieb Sascha Lobo in seiner jüngsten Kolumne "Weniger Bildung für die nächste Schülergeneration!" - aber ein Schulsystem sei nur dann gut, wenn es auch diejenigen mit den größten Schwierigkeiten mitnimmt. Gemeint waren damit nicht nur Lernschwierigkeiten, sondern vor allem Schwierigkeiten mit jenem "zivilisatorischen Wertegerüst, dessen Vermittlung man bisher von den Eltern erwartet hat".

Lobo spricht von einem Erziehungsvakuum in der Gesellschaft. Gefüllt werden solle es von den Schulen. Die hätten schließlich einen staatlichen Erziehungsauftrag, der "dem elterlichen Erziehungsrecht nicht nach-, sondern gleichgeordnet" ist, wie es das Bundesverwaltungsgericht 2008 formulierte.

Mehr Erziehung, weniger Wissensbildung - so lässt sich Lobos Standpunkt zusammenfassen. Schließlich hätten sich die Schüler von heute schon selbst eine neue Lernkultur erarbeitet - auf YouTube. Der Bildungsauftrag der zukünftigen Schulen könne deshalb darin bestehen, "Kindern beizubringen, wie sie sich diese selbstbestimmte Lernkultur aneignen und weiterentwickeln."

Im Debatten-Podcast reagiert Lobo auf die Leserreaktionen zu seiner Kolumne.

Wie und wo kann ich den Podcast abonnieren?

Sie finden "Sascha Lobo - Der Debatten-Podcast von SPIEGEL ONLINE" regelmäßig sonntags auf SPIEGEL ONLINE (einfach oben auf den roten Play-Button drücken) und auf Podcast-Plattformen wie iTunes, Spotify, Deezer oder Soundcloud. Sie können den Podcast aber auch auf Ihr Smartphone, Tablet oder Ihren Computer herunterladen. So können Sie ihn jederzeit abspielen - auch wenn Sie offline sind.

Wenn Sie keine Folge verpassen wollen, sollten Sie den Sascha-Lobo-Podcast abonnieren, er kostet nichts.

Falls Sie diesen Text auf einem iPhone oder iPad lesen, klicken Sie hier, um direkt in Apples Podcast-App zu gelangen. Klicken Sie auf den Abonnieren-Button, um gratis jede Woche eine neue Folge direkt auf Ihr Gerät zu bekommen.

Falls Sie ein Androidgerät nutzen, können Sie sich eine Podcast-App wie Podcast Addict, Pocket Casts oder andere herunterladen und dort "Sascha Lobo - Der Debatten-Podcast von SPIEGEL ONLINE" zu Ihren Abos hinzufügen.



insgesamt 27 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kalsu 14.07.2019
1. Falsche Frage
Es nicht wichtig WO wir lernen. Wichtig ist, WAS wir lernen.
ex_Kamikaze 14.07.2019
2. Einer Privatplattform
die nur dem Profit verpflichtet ist sollten unsere Kinder nicht überlassen bleiben. Kinder sollen für das Leben vorbereitet werden und Techniken erlernen sich weiter auf eigene Faust zu bilden, Nachrichten und Informationen zu sieben, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und sich eine eigene Meinung bilden lernen. Sie sollen aber nicht blind auf einer belibiegen privaten Plattform Videos konsumieren (nichts anderes ist das) bei denen man genauso wichtige Dinge weglassen oder manipulieren kann. Videoplattformen können ein Baustein einer richtigen Bildung sein - gemeinsam mit älteren Bildungsformen und künftig weiteren neuen Informationsquellen.
serdna 14.07.2019
3. spannendes Thema
Es ist unstrittig richtig, dass es inzwischen Millionen von digitalen Lehrmedien zu allen Fächern, allen Klassenstufen in hervorragender Qualität gibt, die weit über dem liegen, was das klassische Schulbuch bietet. Das reicht von Einzelaspekten, Mitose / Meiose - Energieerhaltungssatz- binomische Formeln - detaillierter (mit audio Beispielen) Beschreibung der Phonetik verschiedener Sprachen bis zu kompletten Lehrbüchern, die eine Gesamtschau des Faches bieten, alles kostenlos. (Ob videos für alle Zwecke das optimale Lehrmedium ist, das wirklich alle Möglichkeiten digitaler Lehrmedien ausschöpft, kann man dann diskutieren.) Alles natürlich kostenlos, auf allen Kanälen, web, iBook, eBook, pdf, zip, kindle etc. wir machen das z.B. www.spanisch-lehrbuch.de etc.. Allerdings ist der Lehrbuchmarkt einer der vermachtesten Märkte überhaupt. Es gibt nur drei Anbieter, Cornelsen, Westermann, Klett. Das Gesamtvolumen für Schulbücher beträgt 1,5 Milliarden Euro. Das werden die nicht kampflos abgeben. Wir werden Zusammenschlüsse haben, etwa mit der Schulcloud von SAP, massive Lobbyarbeit und Beeinflussung der Lehrerschaft.Die Schulcloud zielt darauf ab, nur die Materialien der drei verdächtigen in Schulen zuzulassen und dafür abzukassier. Hinzukommt, dass Lehrer mit dem klassischen Lehrbuch, oft über mehrere Jahre dasselbe, gut vertraut sind und ihre Unterrichtsplanung auf diesem Lehrbuch beruht. Eine Optimierung des Unterrichts bedeutet für Lehrer estmal eine Umstellung, von der sie persönlich, ausgedrückt in Euro, das ist das einzige was interessiert, nichts haben. Man wird das System also nicht mit rationalen Argumenten verändern können. Verändern kann man es nur, wenn an allen Schulen in allen Fächern ein Internetzugang besteht und auf die Materialien tatsächlich zugegriffen werden kann. Dann sind alternative Lehrmedien so präsent wie das Schulbuch, was langfristig den Tod des Schulbuches herbeiführen würde. Man würde 1,5 Milliarden Euro pro Jahr sparen, und hätte bessere Qualität. Verändern kann man das nur über die Schüler, die Schulbücher nicht mehr nutzen, weil es bessere Quellen gibt, bzw. Eltern, die nicht mehr bereit sind für etwas zu bezahlen, was ihre Kinder nicht nutzen. Der Spiegel könnte hier helfen und den Prozess beschleunigen, wenn er über Initiativen wie der z.B. Schulcloud berichtet. Solange die Lehrer und andere interessierte Gruppen hartknäckig Widerstand leisten, sind auch die 5 Milliarden Euro für die Internetanbindung der Schulen rausgeschmissenes Geld. Es macht keinen Sinn, die Möglichkeit zu bieten, auf Millionen von kostenlosen Angeboten zugreifen zu können, wenn man nur auf Cornelsen, Westermannn und Klett zugreifen will.
shrufu 14.07.2019
4.
Meiner Meinung nach müssen als aller erstes Kapazitäten bei den Lehrern freigesetzt werden, damit überhaupt etwas neues entstehen kann. Leider habe ich nichts dazu gefunden aber ich glaube ein möglicher Weg wäre Korrekteure von bspw Klassenarbeiten und vllt Hausaufgaben einzusetzen, die in Kooperation mit den Lehrern arbeiten. So werden auch Sympathien beim Ergebnis vermieden und ein Korrekteur könnte nochmal ein längeres einfühlsames Statement schreiben dazu wo er glaubt formal schwächen erkennen zu können. Diese Kapazitäten die bei Lehrern freigesetzt werden können dazu genutzt werden um erstens die Lehrqualität zu steigern, Lehrer zu entlasten und eben einen Teil der Zeit dazu verwenden extra Angebote und Themen einfließen zu lassen. Korekteure könnten sich auch endlich Mal stark auf Aufgabendesigns konzentrieren und auch dort die Qualität steigern, wenn Zeit bleibt auch extra Kurse geben die andere Blickpunkte hineinbringen. So könnte man vllt sogar eine wirklich sehr unterschwellige Trennung herbeiführen in der Korrekteure die formalen Kriterien von Bildung pushen und Lehrer als Hauptakteure etwas mehr Variabilität hätten "Erziehung" hinein zu bringen. Wobei ich es sehr kritisch sehe wenn Lehrer versuchen Werte in den Unterricht zu bringen.. entweder es herrscht ein so freier Umgang das es große Meinungsräume in entspannter Atmosphäre gibt, was nicht der Fall ist bei den meisten Frontalunterricht oder der Lehrer muss als Hauptakteur jegliche Werte und Einflüsse zurückschrauben und im Sinne der Aufklärung Fakten als Basis liefern bei denen dann jeder relativ still seine eigenen Muster zu entwickeln kann. Letzteres klingt gut wird nur mMn selten vom einzelnen kultiviert da das autoritäre einer Schule und eines Lehrers gerne Mal so etwas überstrahlt. Wenn man sich etwas von den Waldorfschulen und anderen abgucken sollte dann flache Hyriarchiementalität der Lehrer die mMn eng mit der internen Organisation zusammenhängt und entspannte harmonische Impulse und Umgebung... also keine bröckelnde Struktur und kaputte Lehrer. Es macht einen Unterschied in der sixtinischen Kapelle ein Buch zu lesen oder unter einen Wellblech in nem Getho. Digitalisierung nicht Mal erwähnt.. für jugendliche werden Handys und Internet eine Rolle spielen wie für die meisten..wenn man ihnen beibringt es klüger zu nutzen als wir es tun kann es mE nur positiv sein (alles im Maß).
kumi-ori 14.07.2019
5. Stimmt nicht!
Zitat von kalsuEs nicht wichtig WO wir lernen. Wichtig ist, WAS wir lernen.
Wichtig ist, zumindest, was den Schulunterricht betrifft, WIE wir lernen. Die Curricula der Schulen greifen aus dem gigantischen Wissensschatz der Menschheit ein paar kleine Punkte heraus und üben daran verschiedene Methoden, um sich Wissen punktuell, für zwischendrin oder festverankert zu erwerben. Diese Inhalte kann man in der Regel bald wieder vergessen, wichtig ist, dass man lernt, wie man sie wieder bzw. andere Inhalte neu, findet und sich aneignet. Niemand wird in seinem Erwachsenenleben wieder auf das Problem stoßen, einen Fasskreis um ein Dreieck zeichnen zu müssen, es sei denn er wird Mathematiklehrer. Was die Kinder von diesem Unterricht lernen, ist, angelernte Techniken manchmal kreativ, manchmal stupide, aber immer wieder sachgerecht zu kombinieren, um ein Problem zu lösen. Dies kann uns später helfen, wenn wir eine Deckenlampe anbringen wollen, ohne einen Stromschlag zu erleiden. Das Wissen wächst heute bekanntlich mit rasanter Geschwindigkeit und selbst die Spezialisten haben Schwierigkeiten, auf ihrem Gebiet Schritt zu halten. Deshalb ist es obsolet, von den Schulen zu erwarten, dass sie Informationen aktuell und umfassend vermitteln könnten. Schließlich müssten die Schulen nicht nur den Wahrheitsgehalt selbst, sie müssten die Informationen auch noch auf politische Korrrektheit überprüfen, müssen sie nach politischem Sprengstoff untersuchen, von jeder Art von Anstößigkeit frei halten, und das Ganze dann auch noch mit der unbefleckten Empfängnis Mariä unter einen Hut bringen. Dazu kommen noch die ganzen Lobbygruppen, die fordern, dass ihre eigenen Interessen dringend im Unterricht verankert werden müssen, am besten als eigenes Schulfach, von der Beherrschung der örtlichen Dialekte über die künstliche Intelligenz bis hin zu Toleranz und Lebensmittelampel. Das Einzige, was die Schulen den Kindern in die Hand geben können, ist das Werkzeug, Informationen selbst zu suchen, zu kombinieren und sie nach Sinnhaftigkeit und Herkunft kritisch zu überprüfen. Bis z. B. der aktuelle Wissensstand der Klimaforschung die ständige Kultusministerkonferenz passiert hätte, wären die Erkenntnisse ohnehin nicht mehr aktuell. Daher ist es heute auch gewünscht, dass sich die Kinder Informationen selbst beschaffen, früher aus dem großen Brockhaus, heute von You-Tube. Aber da ist natürlich auch viel Müll dazwischen, bei You Tube noch mehr als im Brockhaus, und deshalb müssen die Kids eben lernen, wie man damit umgeht. Die vermittelten Inhalte sind für die Schule nur Übungsbeispiele.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.