EU-Kommission Google-Konkurrenten beschweren sich über Android

Microsoft, Nokia und 15 weitere Firmen haben sich bei der EU-Kommission über Googles kostenloses Smartphone-Betriebssystem Android beschwert. Ihr Vorwurf: Der Konzern nutze das erfolgreiche Android als "trojanisches Pferd" und verbreite so seine eigenen Apps.

Google-Manager Andy Rubin mit Android: Freies Betriebssystem, Google-Apps inklusive
AFP

Google-Manager Andy Rubin mit Android: Freies Betriebssystem, Google-Apps inklusive


Hamburg - Fairsearch Europe, die Lobbyvereinigung mehrerer IT-Unternehmen, wirft Google vor, seine führende Stellung bei den Smartphone-Betriebssystemen einer wettbewerbswidrigen Strategie zu verdanken. "Google nutzt sein Android-Betriebssystem als 'trojanisches Pferd', um Partner hereinzulegen, den Mobilfunkmarkt zu monopolisieren und die Nutzerdaten zu kontrollieren", zitiert Fairsearch in einer Pressemitteilung den Anwalt Thomas Vinje, der die Lobbygruppe vertritt.

Vor diesem Hintergrund hat sich Fairsearch nun bei der Europäischen Kommission beschwert. Google und der EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia haben die Beschwerde bislang nicht konkret kommentiert.

In der Fairsearch-Mitteilung heißt es, Google hätte seine Marktmacht - in vielen Ländern ist Android das meistgenutzte Smartphone-Betriebssystem - dadurch erreicht, dass es Android den Geräteherstellern "kostenlos" zur Verfügung stellt, Fairsearch setzt das englische "free" hierbei bewusst in Anführungszeichen. Denn wer als Android-Gerätehersteller Must-have-Apps wie YouTube und Maps einbinden wolle, so die Argumentation der Gruppe, komme nicht darum herum, einer Reihe von Google-Mobil-Diensten prominenten Platz auf dem Gerät einzuräumen. Dies benachteilige andere Anbieter, findet Fairsearch.

Zusammenschluss auch von direkten Konkurrenten

Fairsearch ist eine Initiative von insgesamt 17 Firmen, darunter befinden sich etwa Online-Reiseportale. Auch Microsoft und Nokia, die eigene Smartphone-Betriebssysteme anbieten, zählen zur Lobbygruppe. Gegen Microsoft hatte die EU-Kommission im März eine Geldbuße in Höhe von 561 Millionen Euro verhängt, wegen unlauterer Geschäftspraktiken.

Auf seiner Website präsentiert sich Fairsearch als Gruppe mit dem Ziel, "das wirtschaftliche Wachstum, die Innovation und Auswahl im gesamten Internet-Ökosystem durch die Pflege und den Schutz des Wettbewerbs bei Internet- und mobilen Suchanwendungen zu fördern". Die Frage, die Fairsearch aufwirft: "Kann Google vertraut werden?"

Die EU-Kommission geht bereits seit längerem einer Beschwerde gegen Google nach. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, bei seinen Suchergebnissen firmeneigene Angebote zu bevorzugen. Mit diesem Thema hatte sich auch die amerikanische Federal Trade Commission (FTC) beschäftigt, von der Fairsearch härtere Auflagen für Google gefordert hatte. Im Januar entschieden die US-Kartellwächter aber, ihre Untersuchungen einzustellen.

mbö



insgesamt 44 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
D3kkard 09.04.2013
1. Die Klage ist absolu gerechtfertigt!
Denn Google nutzt seine Postion wesentlich mehr aus, als MS wenn sie ihrem OS einen Browser beifügen! Von Apple will ich mal gar nicht reden, dass MS hier immer geklagt wird und sie anderen Kartellrechtlich unbehelligt bleiben mehr als nur unfair!
alex300 09.04.2013
2. "Microsoft, Nokia und 15 weitere Firmen "
Zitat von sysopAFPMicrosoft, Nokia und 15 weitere Firmen haben sich bei der EU-Kommission über Googles kostenloses Smartphone-Betriebssystem Android beschwert. Ihr Vorwurf: Der Konzern nutze das erfolgreiche Android als "trojanisches Pferd" und verbreite so seine eigenen Apps. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/europaeische-kommission-fairsearch-uebt-kritik-an-google-android-a-893324.html
Die Verlierer. Allerdings ist es schon schrecklich, dass man sich zuerst immer bei google anmelden MUSS bevor man android ueberhaupt starten darf!
hanfiey 09.04.2013
3. Hmm
Es darf davon ausgegangen werden das der Kunde der Dumme ist wenn die sich zanken. Ich habe allerdings auch meine Zweifel ob ich wirklich mein androiden weiter nutzen möchte, eher nicht da zu geschwätzig. Es wird der Tag kommen an dem es ein freies OS auf dem Handy gibt ohne Rooten oder ähnliches.
flyahead 09.04.2013
4. optional
windows phone kommt also ohne bing maps und internetexplorer? wenn man einen nachteil am markt hat weil sein eigenes produkt mist ist muss man natürlich versuchen seinen Marktanteil durch Klagen zu verbessern bzw den anderen zu schaden..armseelig.
blubb321 09.04.2013
5.
Zitat von D3kkardDenn Google nutzt seine Postion wesentlich mehr aus, als MS wenn sie ihrem OS einen Browser beifügen! Von Apple will ich mal gar nicht reden, dass MS hier immer geklagt wird und sie anderen Kartellrechtlich unbehelligt bleiben mehr als nur unfair!
Ich weiß nicht, warum es bei jedem dieser wettbewerbsrechtlichen Verfahren erneut lang und breit erklärt werden muss: Es geht um die Ausnutzung einer marktbeherrschenden Stellung, um andere Geschäftsfelder zu fördern. Sowohl Microsoft (bei Computern) als auch Google (bei Web-Suche und bei Smartphones) haben eine marktbeherrschende Stellung. Entsprechend gelten für beide die verschärften Spielregeln für Quasi-Monopolisten. Andere, insbesondere Apple, sind meilenweit von marktbeherrschenden Stellungen entfernt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.